Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Britische Krone

Charles und der königliche Spagat

Bestsellerautor Alexander von Schönburg war exklusiv für die „Tagespost“ in London unterwegs. In der kommenden Ausgabe schildert er seine Eindrücke und Reflexionen.
Eine resignierte Stimmung herrscht trotz der anstehenden Krönung von Prinz Charles in Großbritannien
Foto: Hannah Mckay (PA Wire) | Eine resignierte Stimmung herrscht trotz der anstehenden Krönung von Prinz Charles in Großbritannien, findet der Buchautor und Journalist Alexander von Schönburg.

Alexander von Schönburg nimmt in London und in Großbritannien eine resignative Stimmung wahr: Der Thronwechsel 1953 „war von Aufbruchstimmung getragen. Die damals 25 Jahre alte Elizabeth und der fesche blonde Marineoffizier an ihrer Seite verhießen Frische und Neubeginn. Heute ist von einem Geist der Zuversicht weder in England noch sonst wo in der westlichen Welt irgendetwas zu spüren. Zwar unterstützen mehr als die Hälfte der Bevölkerung Umfragen zufolge die Monarchie ausdrücklich, aber 1953 gab es solche Umfragen gar nicht, weil allein die Frage nach dem Für und Wider abwegig geklungen hätte. Heute ist das anders. Wir leben im egalitärsten Zeitalter der Weltgeschichte, die nachwachsende Generation kann mit royalen Fanfarenklängen nicht mehr viel mehr anfangen.“

Lesen Sie auch:

Monarchie auf wackeligem Boden

Schönburg weiter: „Um dem zu begegnen, versucht Charles einen Spagat. Als Traditionalist will er die Kernelemente des Königtums verteidigen, der Institution aber einen zeitgemäßen Anstrich geben. Das wird in der von ihm veränderten Krönungszeremonie deutlich. Das wichtigste Element, die Salbung, bleibt unangetastet. Kein Blick wird auf ihn und den anglikanischen Erzbischof von Canterbury fallen, wenn er, beschützt von einem Baldachin, auf Händen, Stirn und Brust mit dem heiligen Öl gesegnet wird.“

Unterm Strich: „In vielerlei Hinsicht steht die Monarchie nun auf wackligerem Boden als je zuvor. Die Ehrfurcht, von der sie einst getragen wurde, ist schlicht nicht mehr da. Die Queen wurde geliebt, Charles wird respektiert. Als jemand, der dem neuen König mehrfach begegnet ist, erlaube ich mir, da auf eine gewisse Tragik hinzuweisen. Wahrscheinlich hat es seit Jahrhunderten keinen englischen Monarchen gegeben, der seine Aufgabe so ernst nimmt wie Charles. Und mit Sicherheit hat es seit Jahrhunderten keinen englischen Monarchen gegeben, der so religiös ist wie er. Aber kein Monarch war älter als er, als er den Thron bestieg und keiner kann besser erahnen als dieser belesene Philosophenkönig, dass er nur eine Figur des Übergangs ist.“ DT/mee

 

Alexander von Schönburg über die Krönung von König Charles III. Lesen Sie das ganze „Thema der Woche“ rund um die Krönung des Jahres in der Ausgabe der „Tagespost“ vom 4. Mai.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Alexander von Schönburg

Weitere Artikel

Der selige Jesuit Thomas Woodhouse wurde unter Elisabeth I. als Verräter hingerichtet. Sein Verbrechen: die Treue zum katholischen Glauben und zum Papst in Rom.
19.06.2026, 05 Uhr
Claudia Kock

Kirche

Der Gedenktag des Heiligen am 4. November erinnert daran, wie Papst Clemens XI. einem politischen Konflikt ausgewichen ist. Er gründete auch die päpstliche Diplomatenakademie.
03.11.2026, 09 Uhr
Maximilian Böck
Bischof Wilmer will keinen deutschen Sonderweg und betonte die Einheit mit der Weltkirche. Zugleich wirbt er in Salzburg für die Anliegen des Synodalen Wegs.
02.11.2026, 17 Uhr
Meldung
Leo XIV. hat bei den US-Midterms abgestimmt. Seinem Amt wäre es angemessener gewesen, sich Benedikt XVI. zum Vorbild zu nehmen, der auf die Ausübung seines Wahlrechts verzichtet hatte.
02.11.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Der Gang zum Friedhof an Allerseelen kann schmerzlich sein. Doch Christen haben eine Hoffnung. Der Ackermann aus Böhmen zeigt, wie Klage und Glaube zusammenfinden können.
02.11.2026, 06 Uhr
Dorothea Schmidt
Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring