Feuilleton

Ausgebeutet und bedroht

Sklaverei im Libanon: Das Kafala-System ermöglicht die Ausbeutung ausländischer Migrantinnen.
Sklaverei im Libanon: Bedroht durch Gewalt und sexuellen Missbrauch.
Foto: S. Maier | Bedroht durch Gewalt und sexuellen Missbrauch. Ausländische Hausangestellte im Libanon führen ein Leben, das oft in den Selbstmord führt.

Seit Ende der 1990er Jahre ist es im Libanon „in“, eine Haushaltshilfe aus Sri Lanka zu haben, oder gegen Aufpreis eine Philippina. Einige Jahre hindurch machten asiatische Frauen aus Sri Lanka und von den Philippinen, später zunehmend aus Äthiopien, den überwiegenden Teil der Migrantinnen im Land aus. Es bildete sich eine Hierarchie zwischen den Nationalitäten, wobei die Philippinas die höchste Stufe einnahmen, gefolgt von Äthiopierinnen, während die Frauen aus Sri Lanka die unterste Schicht bildeten. Später erweiterte sich das Spektrum der Herkunftsländer. Wegen der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen dieser Frauen im Libanon verhängten einige Länder Reisebeschränkungen für weibliche Migrantinnen, die jedoch umgangen werden.

Bis 2012 war der Libanon das Hauptzielland weiblicher Migranten

Während früher Frauen aus Sri Lanka die unterste und am Schlechtesten bezahlte Schicht ausmachten, werden ihre Gehälter heute von Frauen aus Nepal und Bangladesch unterboten. Bis 2012 war der Libanon das Hauptzielland weiblicher Migranten. Zusätzlich zu den offiziell ausgegebenen Arbeitsbewilligungen gehen NGOs davon aus, dass es bis zu 85 000 Personen ohne eine gültige Arbeitserlaubnis gibt. Im Lauf der Jahre haben sich bei den libanesischen Arbeitgebern stereotype Ansichten über Migrantinnen je nach Nationalität durchgesetzt. So gelten Frauen aus Sri Lanka als schlechter ausgebildet und mit wenig Erfahrung im Umgang mit elektrischen Geräten, während Philippinas als sauberer, effizienter und vertrauenswürdiger gelten, da sie im Regelfall besser ausgebildet seien.

Je heller die Hautfarbe der Migrantin, desto höher Ansehen und Gehalt

Je heller die Hautfarbe der Migrantin, desto höher ihr Ansehen und ihr Gehalt. Daneben spielen die wahrgenommene Intelligenz, Unterwürfigkeit sowie Sprachkenntnisse eine Rolle, doch bleibt die Hautfarbe von wesentlicher Bedeutung.

Es gibt noch andere Formen von Rassismus libanesischer Arbeitgeber gegenüber den ausländischen Hausangestellten. Nach der Ankunft der Migrantin bestehen einige Arbeitgeber darauf, ihr die „richtige Hygiene“ beizubringen, oft in sehr erniedrigender Weise, indem sie unter der Dusche von Kopf bis Fuß gesäubert werden, oder indem ihnen die Haare abgeschnitten werden.

DT

Warum moderne Sklaverei im Libanon verbreitet ist erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 11. Oktober. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe

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