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Erfahrung des Heiligen

Der Religionssoziologe Hans Joas über Heiligkeitsvorstellungen, das Wachsen von Christentum und Islam und die Ambivalenz aufklärerischer Rationalität.
Hans Joas
| Hans Joas auf dem Historikertag 2014 in Göttingen. Foto: Ziko van Dijk. Wikimedia (CC BY-SA 3.0).

Hans Joas, einer der bekanntesten deutschen Religionssoziologen, hat sich in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ zu aktuellen Fragen von Religion und Gesellschaft geäußert. Seine Antworten auf die Fragen des katholischen Publizisten Joachim Frank sind erhellend und unterhaltsam zugleich.

Zur Zukunft der Religion meint Joas, er könne und wolle „weder eine feststehende Entwicklung hin auf das Verlöschen und Verschwinden der Religion noch in Richtung einer neuen ,Verzauberung‘ behaupten“. Stattdessen gebe es eine Ausweitung der Religiösen im Säkularen, mit „neuen Formen des Heiligen“. Das gehe bis in unsere Normativität: „Auch das Weltbild des Grundgesetzes enthält Elemente einer – nicht-religiösen – Sakralität“.

Dass Gewalt kein Privileg der Religion ist, belegt Joas mit Lebenserfahrung: „Ich kam 1971 als Student nach Berlin. Die totalitären Ansprüche in einigen Gruppierungen der Studentenschaft waren damals massiv – bis hin dazu, dass meinesgleichen von Maoisten die Liquidierung angedroht wurde, wenn sie das Sagen bekämen.“

Die säkularistische Sicht auf Religion sei einseitig, oberflächlich und daher im Ergebnis falsch. Wie absurd Pauschalurteile über „die Religion“ sind, illustriert er am umgekehrten Fall: „Ich würde niemals über Stalin und Habermas, um die beiden Namen noch einmal aufzugreifen, das gleiche Urteil fällen, nur weil beide ein säkulares Weltbild propagiert haben.“

Berliner Zeitung / DT (Josef Bordat)

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