Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Moral

Die Vernunft ist stets leibhaftig

D. Vincent Twomey zeigt die moralischen Prinzipien im Verständnis Joseph Ratzingers.
Der verstorbene Papst Benedikt XVI.
Foto: Daniel Karmann (dpa) | Der Theologe D. Vincent Twomey schreibt über die Moralvorstellungen des verstorbenen Papstes Benedikt XVI., die menschliche Vernunft müsse durch die persönliche Begegnung mit der göttlichen Offenbarung geläutert- ...

Der Theologe D. Vincent Twomey SVD hat in einem Beitrag für die „Tagespost“ über „Joseph Ratzinger und die moralischen Prinzipien des Christentums“ geschrieben. Da der Glaube der wahre Weg des Menschen zur Einheit mit Gott sei, müsse der Glaube auch einen konkreten moralischen Inhalt haben, um den Menschen auf diesem Weg zu führen. Ein bloßes Liebesgebot als Grundlage einer christlichen Ethik genügt nach Twomey nicht. Hierzu gehört auch ein richtiges Verständnis von Vernunft.

Lesen Sie auch:

Begegnung mit der göttlichen Offenbarung

Gemäß Joseph Ratzinger heißt das in den Worten Twomeys, „sie ist stets leibhaftig, das heißt in leibhaftigen Männern und Frauen verkörpert - und somit durch bestimmte kulturelle Traditionen geformt, die von Natur aus zweideutig und verdorben sind, was unsere gefallene conditio humana bewirkt. Die menschliche Vernunft muss daher durch die persönliche Begegnung mit der göttlichen Offenbarung geläutert und vertieft werden“. Demnach hat die Vernunft wenig mit dem Prinzip oder eben Letztprinzip zu tun, wie es die Philosophie zum Thema macht.

Twomey hebt deshalb auch „dieses realistische Verständnis der menschlichen Vernunft als leibhaftig“ hervor, das die rein christliche Sicht auf die Vernunft kennzeichne. Diese realistische Sicht auf die menschlich-moralischen Prinzipien des Christentums würdigt Twomey als „Joseph Ratzingers wichtigste Interventionen in die Moraltheologie“, nämlich als erweiterte Sicht über das rational-philosophische Verständnis hinaus.  DT/ari

Erhalten Sie in der kommenden Woche in der "Tagespost" weitere Stimmen, Nachrufen und Hintergründe zum Tod von Papst em. Benedikt XVI.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Benedikt XVI. Moraltheologie Offenbarung Tod von Papst Benedikt XVI.

Weitere Artikel

Im drohenden Schatten globaler Zerstörung entwarf Johannes XXIII. eine politische Ethik des Friedens: die Enzyklika „Pacem in terris“. Die ist auch heute aktuell.
25.03.2026, 07 Uhr
Maximilian Welticke
Wenn das Völkerrecht nicht funktioniert, hat es keinen Sinn, Präventivkriege gegen Schurkenstaaten zu verurteilen, schreibt Peter Schallenberg.
17.03.2026, 08 Uhr
Peter Schallenberg
Wie Eltern, deren Kinder Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind, Orientierung finden können, ohne zusätzlich zu verletzen.
02.02.2026, 19 Uhr
Markus Hofmann

Kirche

Donald Trump knüpft ikonografisch an das mittelalterliche Königtum an und wirft Papst Leo XIV. vor, als schlechter Politiker zu agieren. Ein bedeutungsschweres Missverständnis.
13.04.2026, 18 Uhr
Franziska Harter
PLeo XIV. hat den zentralen Termin seiner Spanienreise bestätigt. Zugleich rückte er die spanischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts als Vorbilder des Glaubens in den Mittelpunkt.
13.04.2026, 16 Uhr
José García
Leo sei nur Papst, weil er selbst US-Präsident sei: So sieht Donald Trump sein Verhältnis zum Pontifex. Das geht auch Bischof Robert Barron zu weit. Chronik eines (einseitigen) Konflikts.
13.04.2026, 16 Uhr
Franziska Harter
„Unsere bevorzugten Brüder“: Vor 40 Jahren öffnete Papst Johannes Paul II. das Tor zu einer neuen Ära der christlich-jüdischen Beziehungen.
13.04.2026, 14 Uhr
Henry C. Brinker