Bei großen Sportereignissen machen Athletinnen und Athleten immer wieder nicht nur durch ihre Leistungen auf sich aufmerksam. Manche nutzen die internationale Bühne auch, um öffentlich ihren christlichen Glauben zu zeigen - oder ihn zumindest nicht zu verbergen. Auf sehr unterschiedliche Weise verbinden sie dabei persönliche Überzeugung mit dem Wettkampf: Einige sprechen offen über ihren Glauben, andere bezeugen ihn still mit einem Kreuzzeichen oder einem Kreuz um den Hals.
Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo traten gleich mehrere Sportler mit ihrem Glauben hervor – auffallend, dass kein Deutscher darunter war. Besonders für Aufsehen sorgte der 17-jährige Snowboarder Alessandro Barbieri aus den USA. Nach seiner beeindruckenden Qualifikation für das Halbfinale im Halfpipe-Wettbewerb bekreuzigte er sich öffentlich – ein Moment, der in den sozialen Medien kontrovers diskutiert wurde. Viele würdigten dies als authentischen Ausdruck persönlichen Glaubens, andere spotteten über ein flüchtiges „Triangle“.
Ein Kreuzzeichen löst Diskussionen aus
Nach seinem Finale (Platz 10) beschrieb Barbieri einem Bericht der lokalen Zeitung von Park City in Utah, „Park Record", seine Leistung als enttäuschend, aber motivierend für seine weitere Entwicklung. Er betonte den Rückhalt seiner Familie, ohne dabei über persönliche Glaubensüberzeugungen zu sprechen.
Der gebürtige Portlander mit italienischen Wurzeln gehört zu den vielversprechendsten Snowboard-Talenten seiner Generation. Mit Tricks wie dem Triple Cork, einem äußerst anspruchsvollen Manöver mit mehreren Salti und vier Drehungen, machte er bereits international auf sich aufmerksam. Dahinter verblasst das Kreuzzeichen geradezu. Es bleibt jedoch ein bewusstes, sichtbares Symbol seiner christlichen Prägung – allein das kann heute bereits eine Diskussion auslösen.
Anders als Barbieri gibt es Athletinnen und Athleten, die ihren Glauben offen artikulieren. Dazu zählt die niederländische Eisschnellläuferin Merel Conijn. Sie gewann über 5.000 Meter die Silbermedaille, nur wenige Zehntelsekunden hinter der Italienerin Francesca Lollobrigida. Nach eigenen Angaben spielt ihr christlicher Glaube eine zentrale Rolle: Ein kleines Kreuz, das sie bei Wettkämpfen bei sich trägt, so heißt es in diversen niederländischen Berichten, helfe ihr, Ruhe und Perspektive zu bewahren. Auch ihre Eltern betonen, dass ihre religiöse Prägung ihr dabei helfe, Druck und Erwartungen einzuordnen.
Messe, Gebet - völlig selbstverständlich
Die US-Eishockeyspielerin Britta Curl-Salemme beschreibt ihren katholischen Glauben als tragende Konstante im sportlichen Alltag. „Ich glaube, mein Leben wäre ziemlich chaotisch und stressig, wenn ich nicht etwas Stetiges hätte, aus dem ich Kraft schöpfe – und das ist mein katholischer Glaube“, erklärte sie im Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Catholic Review“ des Erzbistums Baltimore in den USA im Vorfeld der Spiele. Regelmäßiger Gottesdienstbesuch und gemeinsames Beten mit Teamkollegen gehören für sie selbstverständlich dazu.
Auch die US-Bobfahrerin Jadin O’Brien sprach vor den Spielen in Hintergrund-Interviews über ihren Glauben. Wie unter anderem der „National Catholic Register“ berichtete, helfe der Glaube ihr, konzentriert zu bleiben und schwierige Phasen zu überstehen. Für sie gehe es nicht allein um Medaillen, sondern um innere Orientierung. In früheren Interviews berichtete sie, dass sie sich vor Wettkämpfen mit Weihwasser bekreuzigt. Ihren Erfolg nutzt sie, um Gott zu verherrlichen, sagt sie in der Dokumentation „Offering It Up“, in der sie über ihre Kindheitserkrankung spricht, durch die sie der Glaube hinweggetragen hat. Ihr Lieblingsvers aus der Bibel ist Jeremia 29,11: „Denn ich weiß, welche Pläne ich für euch habe, spricht der Herr, Pläne des Heils und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und Hoffnung zu geben.“
Dank für geistliche Begleitung
Der US-Eiskunstläufer Maxim Naumov machte vor seinem Auftritt während der Olympischen Winterspiele ebenfalls das Kreuzzeichen und trägt sichtbar ein Kreuz. Medienberichten zufolge besucht er gemeinsam mit Teamkollegen Gottesdienste und dankt Gott öffentlich für gelungene Programme und Erfolge. Bei den Winterspielen 2026 sorgten vor allem seine emotionalen Gesten für Aufsehen: Nach seiner Kür ehrte er seine 2025 verstorbenen Eltern, hielt ein Foto über das Herz und zeigte damit Dankbarkeit und inneren Halt. Während er keine ausführlichen Aussagen über seinen Glauben machte, verbinden sich diese stillen Zeichen mit seiner persönlichen Geschichte.
Der irische Langläufer Thomas Maloney Westgaard bedankte sich nach einem Rennen ausdrücklich für geistliche Begleitung. In einem auf Facebook veröffentlichten Video sagte er: „Von all den verrückten Dingen, die in dieser Welt passieren, Zeit damit zu verbringen, für mein olympisches Rennen zu beten – dafür bin ich dankbar.“ Für ihn gehört Gebet fest zur Wettkampfvorbereitung, und er hat bereits mehrfach an Olympischen Winterspielen teilgenommen.
Identität aus Christus beziehen
Ein weiterer bekennender christlicher Skifahrer ist Paul Schommer, ein Amerikaner, der zum zweiten Mal bei den Olympischen Spielen im Biathlon-Team antritt. Schommer besuchte eine benediktinische Schule in Minnesota, wo er unter Cheftrainer und ehemaligem Mitglied des US-Biathlon-Teams Chad Salmela trainierte. Bei den laufenden Winterspielen belegte Schommer nur Platz 47 beim 10-Kilometer-Sprint im Einzelrennen der Männer. Für Schommer ist der Glaube eine Orientierung, die über Sieg und Niederlage hinausweist.
In einem Interview vor den Spielen mit dem amerikanischen katholischen Nachrichten- und Kulturmagazin „America“ sagte er: „Meine Identität kommt nicht von meinen Ergebnissen und auch nicht von der Bestätigung anderer, sondern von meiner Identität in Christus, denn er ist es, der mir meinen Sinn gibt.“
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