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Eine Lektüre zum Mitbeten

Josef Bordat legt mit seinem „ABC der Guten Nachricht“ ein beeindruckendes Werk zu den Sonntagsevangelien vor.
„ABC der Guten Nachricht“ - ein beeindruckendes Werk zu den Sonntagsevangelien
Foto: Imago/Bihlmayerfotografie | Die „Gute Nachricht“ ist eine Lebensaufgabe: Der Leser schöpft ihren Reichtum nie aus.

Aus der Fülle der Textauslegungen zu den Evangelien sticht das neue Buch von Josef Bordat, „Das ABC der Guten Nachricht“, heraus. Nicht durch lautstarke Thesen, sondern durch stille Klarheit. Der Berliner Philosoph, Theologe und Publizist, bekannt für seine Fähigkeit, komplexe Glaubensthemen mit begrifflicher Schärfe und spiritueller Tiefe zu verbinden, hat ein Werk vorgelegt, das gleichermaßen intellektuell anregt und geistlich nährt.

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Bordat nähert sich den biblischen Texten mit einem seltenen Gespür für die Einheit von Denken und Glauben. Entstanden ist kein akademischer Kommentar, sondern ein geistliches Lesebuch für Herz und Verstand, ein Begleiter durch die drei Lesejahre der Kirche.

Auslegung der Sonntagsevangelien auf 600 Seiten

Der 1972 geborene Autor ist ein ungewöhnlicher Grenzgänger: promovierter Philosoph und Ingenieur, später Theologe. Während der Corona-Jahre, in denen Lesungen und Vorträge unmöglich waren, erfüllte er sich den lang gehegten Wunsch eines Theologiestudiums. Die neuen Kenntnisse in Bibelwissenschaft und den biblischen Sprachen führten ihn zu einem tieferen Verständnis der Evangelien.

Dabei wollte er, wie er anmerkt, seine früheren Deutungen vom biblischen Ursprungstext her neu betrachten. So entstand – in nur einem Jahr – ein über 600 Seiten starkes Werk, das alle Sonntagsevangelien der Lesejahre A, B und C auslegt. 

Was bedeutet das Evangelium für mich heute?

Bordats Stil ist präzise und zugleich meditativ. Er liefert keinen gelehrten Kommentar für Spezialisten, sondern lebensnahe, persönliche Deutungen auf solider Grundlage. Seine Texte sind kurz genug, um sie zwischen zwei Sonntagen zu lesen, und tief genug, um sie immer wieder zu bedenken. Was Bordats Werk besonders macht, ist seine ganzheitliche Herangehensweise. Als Philosoph und Theologe fragt er nicht nur, was der Text sagt, sondern wie er spricht und was er dem heutigen Menschen zu sagen hat.

Seine Auslegungen beginnen beim Wortlaut, greifen auf den griechischen Urtext zurück, öffnen sich dann in die geistliche Betrachtung und führen zur existenziellen Frage: Was bedeutet das Evangelium für mich heute? Seine Auslegungen verbinden wissenschaftliche Genauigkeit mit spiritueller Tiefe in einem Stil, der zugleich klar und kontemplativ bleibt. Seine Sprache ist schlicht und geistlich zugleich, sein Glaube reflektiert, aber nie verkopft. So werden seine Kommentare zu Wegweisern, die Kopf und Herz gleichermaßen ansprechen.

Den Glauben ins Leben übersetzen

Bordat geht es erkennbar darum, den Glauben nicht theoretisch zu analysieren, sondern ihn ins Leben zu übersetzen. Seine Texte laden ein, mitzudenken, mitzubeten, mitzuleben und so das Evangelium als „gute Nachricht“ neu zu erfahren.

Besonders eindrücklich ist seine Betrachtung zur Heilung der blutflüssigen Frau und zur Auferweckung der Tochter des Jaïrus (Mk 5, 21–43). Statt die Wunderberichte auf naturwissenschaftliche Plausibilität zu reduzieren, versteht Bordat sie als Erfahrungen göttlicher Nähe. In einer Zeit, die vieles erklären, aber kaum noch staunen kann, erinnert er daran, dass der Glaube dort beginnt, wo die Selbstverständlichkeit endet.

Staunen ist die erste Form des Glaubens

Er illustriert das mit einem Beispiel aus Monty Pythons „Life of Brian“: Eine aufgebrachte Menge hält einen blühenden Busch für ein Wunder, doch Brian widerspricht. Für Bordat liegt die theologische Pointe darin, dass das eigentliche Wunder schon in der Schöpfung selbst liegt; darin, dass der Busch lebt, dass es überhaupt Leben gibt. Staunen, so legt er nahe, ist die erste Form des Glaubens.

Bordat zeigt, dass Denken und Glauben keine Gegensätze sind, sondern einander vertiefen. Er steht damit in der Tradition von Denkern wie Augustinus oder Benedikt XVI., die Vernunft und Offenbarung als zwei Wege derselben Wahrheit verstehen. Sein Denken bleibt dem Menschen zugewandt und zugänglich, getragen vom Wunsch, den Glauben verständlich zu machen, ohne ihn zu banalisieren.

In die Tiefe des Gebets

Das „ABC der Guten Nachricht“ ist eine Einladung, das Wort Gottes neu zu hören, und zugleich eine stille Apologie des Glaubens in einer lauten Welt. Theologie erscheint hier nicht als abstraktes Gedankenspiel, sondern als Weg zu Gott, mit Kopf und Herz. Wer seine Texte liest, spürt Freude am Denken, aber auch Ehrfurcht vor dem Geheimnis.  So führt Bordat den Leser nicht in akademische Höhen, sondern in die Tiefe des Gebets.

Empfohlen ist das Buch allen, die das Evangelium bewusster hören und tiefer verstehen wollen: Lektoren, Religionslehrern, Seelsorgern – und jedem, der sich sonntags fragt, was die Worte des Evangeliums mit dem eigenen Leben zu tun haben.

Freude am Entdecken

Bordat wünscht sich, dass Leserinnen und Leser beim Eintauchen in den biblischen Text eigene Aha-Erlebnisse erfahren – jene Freude am Entdecken, die ihn selbst beim Studium der Schrift getragen hat. „Das ABC der Guten Nachricht“ ist kein Buch, das man einfach liest, sondern eines, das mitwächst – Sonntag für Sonntag, Jahr für Jahr, Schritt für Schritt.

Mit seinem „ABC der Guten Nachricht“ hat Josef Bordat ein geistliches Standardwerk für eine neue Generation von Gläubigen geschaffen. Das Buch eines Denkers, der glauben kann, und eines Gläubigen, der denkt.

Wer das Evangelium liebt, wird hier fündig. Und wer den Glauben neu verstehen will, findet einen Wegweiser, der zeigt, dass die „gute Nachricht“ nicht vergeht, sondern immer wieder neu zu leuchten beginnt.


Josef Bordat: Das ABC der Guten Nachricht: Anmerkungen zu den Sonntagsevangelien, tredition, 2025, 652 Seiten, gebunden, EUR 32,–

Der Rezensent arbeitet als Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei Kirche in Not.

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