Interview mit der "Tagespost"

Bosbach: „Der Glaube heilt nicht, aber er hilft“

Durch seine Krebserkrankung ist der CDU-Politiker gelassener geworden, wie er im Gespräch erzählt. Kritik übt Bosbach am Selbstbestimmungsgesetz und der Energiewende.
Der ehemalige CDU-Politiker Wolfgang Bosbach
Foto: IMAGO/Christoph Hardt (www.imago-images.de) | Er habe zu Beginn der Erkrankung gehofft, dass sich der Krebs durch Operation und Strahlentherapie besiegen ließe, so Bosbach. Nach zweieinhalb Jahren habe sich dies aber als falsche Hoffnung erwiesen.

Sein christlicher Glaube hilft dem CDU-Politiker und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach mit seiner Prostatakrebserkrankung umzugehen, wie er im Interview mit der „Tagespost“ erzählt. „Der Glaube heilt leider nicht, aber er hilft.“ Er habe zu Beginn der Erkrankung gehofft, dass sich der Krebs durch Operation und Strahlentherapie besiegen ließe, nach zweieinhalb Jahren habe sich dies aber als falsche Hoffnung erwiesen. „Das war die eigentliche Zäsur, und da hilft der Glaube in der Tat. Unser christlicher Glaube ist ja eine frohe Botschaft des Herrn, keine traurige.“

Kritik an Gesellschaftspolitik der Ampel

Neben den Schilderungen über sein persönliches Wohlbefinden kommentiert der Jurist auch die Politik der Bundesregierung. In Bezug darauf, dass die Ampel-Koalition nun Waffen in Kriegsgebiete liefert und der grüne Wirtschaftsminister fossile Brennstoffe in Katar zu organisieren versucht hat, sagt Bosbach: „Ich kritisiere das gar nicht. Ich kritisiere nur, dass jetzt eine 180-Grad-Wende hingelegt wird ohne den Satz: Wir haben uns getäuscht, wir haben uns geirrt.“ 

Lesen Sie auch:

Kritisch sieht der CDU-Politiker hingegen die Durchführungsweise der Energiewende, sowie gesellschaftspolitische Gesetzesvorschläge wie das geplante „Selbstbestimmungs-Gesetz“. Er halte es für falsch, zugleich aus Steinkohle- und Braunkohleverstromung aussteigen zu wollen und die Kernkraftwerke abzuschalten, ohne Alternativen wie Fracking zuzulassen: „Wir können dankbar sein, dass andere Staaten unseren Weg nicht gehen.“ 
Den Plan der Ampel-Koalition das Transsexuellengesetz durch ein „Selbstbestimmungs-Gesetz“ zu ersetzen, kommentiert Bosbach: „Es wird nicht mehr lange dauern, da ist jeder ‚rechts‘, der von nur zwei Geschlechtern ausgeht.“  DT/vwe

Wie Bosbach zur Tötung auf Verlangen steht und wie er den Zustand der CDU aktuell einschätzt, lesen Sie im ganzen Interview in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Weitere Artikel
In Brüssel übt man zähneknirschend mit dem Land Solidarität, das seine Energiewende verbockt und hochmütig alle Warnungen vor Putin in den Wind geschlagen hat.
27.07.2022, 11  Uhr
Stefan Ahrens
Viele Themen trotz ruhiger Zeiten. Personen und Geschichten erzählt und erklärt. Der Chefredakteur stellt die neue Ausgabe vor.
17.08.2022, 17  Uhr
Redaktion
Themen & Autoren
Glaube Wolfgang Bosbach

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung
Warum gibt es den Absolutheitsanspruch des Dogmas? Sind Lehre und Tradition in der Orthodoxie ein Gegensatz – oder vielmehr eine Notwendigkeit?
01.10.2022, 05 Uhr
Stefanos Athanasiou
...theologisch überfrachtet. Zum Orientierungstext des Synodalen Weges: Wie der Dekonstruktivismus feierlich in die katholische Kirche einzieht.
30.09.2022, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger