Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Angriff aus dem Hinterland

Das Karussell der Massengesellschaft dreht sich immer schneller, ihre Apparatur wird undurchschaubar. Doch echte Freundschaften ermöglichen in scheinbar unaufhaltsame Prozesse einzugreifen, wenn sie in unbedingter Solidarität und der gemeinsamen Erfahrung der Gnade gründen.
Tabor
Foto: fotolia.de | Freundschaften können auch Erlebnisräume der Gnade sein. Auf dem Berg Tabor zeigt sich Jesus seinen Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus in seiner verklärten Gestalt..

Die Apparatur der "Maschinengesellschaft " wird undurchschaubar, wodurch der Weltauftrag des Christen immer schwerer erfüllbar erscheint. Doch in echten Freundschaften können sich Orientierungspunkte erhalten, die es dem Einzelnen erlauben, um verändernd in den Lauf scheinbar unaufhaltsamer Prozesse einzugreifen.

Werner von Trott zu Solz, Bruder von Adam von Trott zu Solz, der zu den Verschwörern des 20. Juli gehörte, entwickelte aus der

Lesen Sie auch:

Erfahrung der Kriegszeit und des Widerstands, der sich aus konservativen und aristokratischen Eliten und der Arbeiterbewegung speiste, eine Theorie der Freundschaft, die er der bürgerlich-idealistischen Privatheit entreißen wollte.

Es braucht "klösterliches Hinterland"

Am Beispiel der Verschwörer des 20. Juli 1944 sieht er eine Freundschaft, die in unbedingter Solidarität und der gemeinsamen Erfahrung der Gnade gründet, und daher das Handeln aus einem geteilten und miteinander begründeten „klösterlichen Hinterland“ ermöglicht.

Lesen Sie auch:

Das setzt die Anerkennung des persönlichen Charakter der Freundschaft voraus, die nach Thomas von Aquin Abbild der Selbstliebe ist: man liebt den Freund so, wie man sich selber liebt. Für Trott zu Solz ist ein solches Verständnis der Freundschaft die Grundlage, „alles Mögliche zu tun, um die persönliche Entfaltung des zwischen den Freunden Gemeinsamen bis in den Grund zu entwickeln.“ Denn es droht, dass die Solidarität den Verkehrungen der gesellschaftlichen Praxis nicht gewachsen ist und zerbricht. Aber „das wahrhaft Christliche verkörpert sich teilnehmend in der Verzerrung des Menschen, der noch im Widerspruch zur Unmenschlichkeit der Gesellschaft, die sich christlich maskiert, von ihr bestimmt wird.“ DT/ska

Lesen Sie den vollständigen Essay "Schlechte Christen sind keine guten Freunde" in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Adam von Trott zu Solz Christen Thomas von Aquin

Weitere Artikel

Der Lepanto-Verlag ist nach einem epochalen Ereignis europäischer Geschichte benannt. Da sind die Erwartungen hoch, wenn ein 600 Seiten starker Almanach vorliegt. Werden sie erfüllt?
12.07.2026, 07 Uhr
Sebastian Sigler
Helmut Müller betrachtet das Menschsein und die Gottesfrage im Spiegel der Philosophiegeschichte.
11.05.2026, 09 Uhr
Manfred Gerwing

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser