Wien

Kommentar um „5 vor 12“: Sind wir Schönwetter-Christen?

Angesichts des Coronavirus bremsen katholische und islamische Autoritäten die Frömmigkeit ihrer Gläubigen.
Eine Frau mit Atemschutzmaske betet während einer Eucharistiefeier
Foto: Aaron Favila (AP)/dpa | Das Coronavirus hat die Liturgie erfasst. Weihwasser, Friedensgruß, Mundkommunion: All das ist in vielen Kirchen in Norditalien und mittlerweile auch in Österreich und Deutschland nicht mehr möglich.

Beginnen wir die Fastenzeit mit einer öffentlichen Beichte: Ich habe am Aschermittwoch binnen einer Stunde drei Mal gegen die neuen Corona-Gebote verstoßen – mit Weihwasser bekreuzigt, den Friedensgruß nicht verweigert und Mundkommunion empfangen. All das ist in vielen Kirchen Norditaliens und mittlerweile auch Österreichs und Deutschlands bereits verunmöglicht. Das Coronavirus hat die Liturgie erfasst.

Das Schüren von Ängsten helfe nicht weiter und sei auch nicht christlich, sagte Südtirols Bischof Ivo Muser am Aschermittwoch. Ganz richtig, doch zuvor hatte er angeordnet, Weihwasser aus allen Kirchen zu entfernen, die Mundkommunion zu verweigern und den Friedensgruß zu unterlassen. In manchen Diözesen Norditaliens wurden Gottesdienste abgesagt und Kirchen verriegelt. Wer schürt da Panik?

Der Glaube, dass Gott in die Geschichte eingreift und jede Not wenden kann

Gläubige Katholiken strömen in Notzeiten in die Kirchen, legen ihre Sorgen und Bitten dem Allmächtigen zu Füßen, rufen die Heiligen um Fürsprache an und nutzen Sakramente und Sakramentalien. Zur psychologischen Stärkung? Nein, sondern weil sie an die wirkmächtige Wirklichkeit Gottes glauben, der in die Geschichte eingreifen und jede Not wenden kann.

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Ähnliches gilt für fromme Muslime. Umso erstaunlicher, dass nun Saudi-Arabien wegen des Coronavirus die Grenzen für Pilger schließt. Der Haddsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, ist für gläubige Muslime der Höhepunkt ihres Glaubenslebens. Viele sparen darauf ein Leben lang. Nun scheint beim „Hüter der Heiligen Stätten“ die Angst vor dem Coronavirus größer zu sein als das Gottvertrauen: vielleicht keine Glaubens-, aber eine Glaubwürdigkeitskrise!

 

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