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Bischof: Junge Menschen haben ein Recht auf traditionelle Liturgie

Auch in Lateinamerika: Traditionelle Ausdrucksformen des Katholizismus finden den Zuspruch junger Menschen. Der Bischof von Petrópolis sieht darin legitimen Pluralismus.
Gläubige in den USA
Foto: IMAGO/Karen Focht (www.imago-images.de) | Eine Frau trägt Schleier in der Heiligen Messe. Memphis, USA.

„Junge Menschen haben ein Recht auf traditionellere Formen liturgischen Lebens, weil der Katholizismus seiner Natur nach plural ist.“ Das sagte laut der portugiesischsprachigen Plattform „ACIdigital“ der Bischof von Petrópolis im Bundesstaat Rio de Janeiro, Joel Portela Amado, Vorsitzender der Kommission für die Glaubenslehre der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB), bei einer Pressekonferenz in Aparecida im Rahmen der 62. Vollversammlung der brasilianischen Bischofskonferenz.

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Ein Journalist des katholischen Senders TV Rede Vida fragte, ob sich derzeit eine „Rückkehr zu einem gewissen katholischen Traditionalismus in den Gottesdiensten“ beobachten lasse. Als Beispiele nannte er „junge Menschen, die kniend die Kommunion empfangen oder einen Schleier tragen“.

Portela Amado betonte, dass junge Katholiken das Recht hätten, ihren Glauben auch in traditionelleren liturgischen Formen zu leben. Der Katholizismus sei „seiner Natur nach plural“, und das gelte erst recht in einer zutiefst pluralen Welt.

Anteil der Katholiken gesunken

Wie das brasilianische Portal „Noticias Canção Nova“ meldet, betonte der Bischof, Brasilien sei nicht weniger religiös geworden, sondern pluralistischer: „Entgegen den Prognosen hat die Religiosität im Land nicht abgenommen.“ Die religiöse Vielfalt zeige sich heute in einer Vielzahl von Strömungen und überwinde „die historische Dichotomie zwischen Katholiken und Evangelikalen“. Viele Menschen bewegten sich zwischen verschiedenen religiösen Einflüssen, übernähmen Elemente aus unterschiedlichen Quellen und stellten ihren Glauben individuell zusammen.

Gerade in einer solchen Situation könne es sein, dass junge Menschen nach Orientierung suchen und dabei auch auf Ausdrucksformen zurückgreifen, die „aus früheren Zeiten stammen und die sie selbst nie erlebt haben“. In Momenten der Leere beginne ein Suchen und Tasten, auch zu „historischen Formen des Glaubenslebens“.

Zugleich betonte der Bischof, niemand dürfe seine persönliche Form des Glaubens anderen aufzwingen oder so tun, als „nur man selbst recht habe“. Das gelte für jede Strömung innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft, nicht nur für diejenigen, die sich für traditionelle Formen entscheiden.

Nach Angaben des brasilianischen Statistikamts IBGE sank der Anteil der Katholiken zwischen 2010 und 2022 von 65,1 auf 56,7 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Evangelikalen von 21,6 auf 26,9 Prozent; auch die Zahl der Menschen ohne Religion nahm zu, von 7,9 auf 9,3 Prozent. (DT/jg)

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