Auch in Australien ist die Zahl der Erwachsenen, die in der Osternacht in die katholische Kirche aufgenommen wurden, deutlich angestiegen. Damit folgt das Land einem Trend, der sich in den vergangenen Jahren auch in anderen westlichen Ländern zeigt. Besonders spektakulär sind die Zahlen in Frankreich, wo die Bischofskonferenz mehr als 21.000 Taufbewerber meldete. Aber auch in Deutschland berichten mehrere Bistümer von steigenden Erwachsenentaufen. Im Erzbistum Berlin gab es 2026 rund 180 erwachsene Taufbewerber, hinzu kommen etwa 50 bereits Getaufte, die in die volle Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen wurden.
Laut dem „Catholic Inquiry Centre“, dem Zentrum für Evangelisierung der australischen katholischen Bischöfe, fällt der Zuwachs in mehreren australischen Diözesen deutlich aus. In der Diözese Sandhurst wurden rund 60 Erwachsene in der Osternacht aufgenommen – im Vorjahr waren es nur zehn. In der Erzdiözese Sydney traten 457 Menschen in die Kirche ein. Die Zahl der Katechumenen stieg dort im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent, die der Taufkandidaten sogar um 95 Prozent. In Brisbane wurden zu Ostern 454 neue Katholiken aufgenommen; vor zwei Jahren waren es 198. Die Diözese Wollongong verzeichnet 96 Neuaufnahmen gegenüber 52 im Vorjahr, die Erzdiözese Hobart 13 statt drei. In Canberra-Goulburn wurden 315 Erwachsene in die Kirche aufgenommen – vor fünf Jahren waren es erst 25.
Die Zahlen deuten auf ein wachsendes Interesse am katholischen Glauben hin, häufig bei Menschen ohne religiöse Sozialisation. Auffällig ist, dass unter den Neuaufgenommenen viele Jüngere und nicht selten Männer sind. Zu ihnen gehört der australische Gymnasiast Samuel Carden aus Bendigo. Er wuchs in einer atheistischen Familie auf und sagt im Gespräch mit dem katholischen Portal „The Pillar“ über seinen Weg in die Kirche: „Trotz meiner Erziehung hat der Atheismus bei mir nie wirklich ‚Klick‘ gemacht.“ Als er zum ersten Mal eine katholische Kirche betrat, sei ihm sofort klar gewesen: „Ich bin zu Hause.“
Auch John Box, Bergarbeiter und Vater von vier Kindern, gehört in diesem Jahr zu den Neuaufgenommenen in Sandhurst. Er begann, sich für die Kirche zu interessieren, als seine Frau und die Kinder wieder regelmäßig die Sonntagsmesse besuchten. Seine Bilanz fällt eindeutig aus: „Es ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.“
Für Kelly Manzie, Verwaltungsangestellte und Mutter von zwei Kindern, war der Schritt das Ergebnis einer längeren inneren Suche. Sie hatte sich mit anderen Glaubensrichtungen beschäftigt, spürte aber tief in ihrem Inneren, dass diese nicht die Antworten hatten, nach denen sie suchte. Was sie schließlich dazu bewegte, war das starke Gefühl, dass ihr Schutzengel sie dazu führte, sich über den Eintritt in die katholische Kirche zu erkundigen.
Pfarrer Jackson Saunders aus Bendigo berichtet, dass das Interesse weiter wachse. Schon jetzt gebe es 16 Anfragen für das nächste Jahr. Viele Interessenten stellten keine oberflächlichen, sondern erstaunlich differenzierte theologische Fragen. Saunders sieht darin mehr als eine kurzfristige Mode. Das Wachstum werde inzwischen sogar zu einer Herausforderung für Personal und Ressourcen – aber, so sagt er, eben zu „einem guten Problem“. (jg)
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