In den USA steigt die Zahl der Konvertiten zum Katholizismus sprunghaft an. Laut einem Bericht der New York Times wird allein die Erzdiözese Detroit zu Ostern 1.428 neue Katholiken in die Kirche aufnehmen – das ist die höchste Zahl seit 21 Jahren. Die Erzdiözese Galveston-Houston in Texas verzeichnet die meisten Neuaufnahmen in 15 Jahren. Im Bistum Des Moines im Südwesten des Bundesstaats Iowa erhöht sich die Zahl der Neumitglieder im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent – von 265 auf 400.
Inzwischen ist es bei den amerikanischen Bischöfen schon Usus geworden, sich untereinander neugierig abzufragen: „Wie viele sind es bei dir? Und wie viele bei dir?‘“ Diese Beobachtung machte Kardinal Robert McElroy jüngst bei einer Bischofskonferenz. Im Interview mit der New York Times sagte er: „Natürlich glauben wir, dass es der Heilige Geist ist.“ Gleichzeitig macht der enorme Zuwachs auch ratlos, welche Gründe dahinterstecken könnten.
Kommt der Leo-Effekt zum Tragen?
Bislang gehören knapp 24 Prozent der Amerikaner dem katholischen Glauben an. Nach den evangelikalen Protestanten bilden sie die zweitgrößte Gruppe in den USA. Doch nur acht Prozent von ihnen sind Konvertiten. Das könnte sich nun ändern: Neueste Daten zeigen, dass seit 2024 die Zahl der Menschen, die in den Vereinigten Staaten der katholischen Kirche beitreten, höher ist als die Zahl derjenigen, die sie verlassen. Nach einem konstanten Rückgang der Zahlen seit den 2000er Jahren, ist eine Trendwende erkennbar.
Die Vermutung liegt nahe, dass der aus Chicago stammende Papst Leo XIV. seine amerikanischen Landsleute für die römisch-katholische Kirche begeistert und zum Glaubenswechsel animiert. Doch dem ist nicht so. Meist sind es persönliche Gründe, die den Weg in die Kirche ebnen. Wie bei der 26-jährigen Sharon Kalil, die jüdisch erzogen wurde und als junge Erwachsene eine Atheistin war. Im letzten Sommer begann sie, Kirchen zu besuchen. „Es ist schwer zu erklären – es fühlte sich einfach wie ein Ruf an mein Herz an“, erzählte sie im Interview mit der New York Times. Als sie sich zum ersten Mal entschied zu beten, habe sie Gott darum gebeten, dass sie und ihr Ehemann trotz ihrer Fruchtbarkeitsprobleme ein Kind bekämen. Am nächsten Tag habe sie erfahren, dass sie schwanger war – und es habe sich wie ein göttliches Zeichen angefühlt. Als sie später eine Fehlgeburt erlitt, sei der einzige Ort, an dem sie sein wollte, die Kirche gewesen: „Die Art und Weise, wie mich die Gemeinschaft einfach in Gebete hüllte, mich in Liebe einschloss und mich in dieser schwierigen Zeit unterstützte, hat mir wirklich bestätigt, dass ich am richtigen Ort war.“
Ein Grund für die Konversion ist manchmal auch der zukünftige Ehepartner, der katholisch ist, und der Wunsch, den gemeinsamen Kindern durch eine religiöse Erziehung Stabilität und Werte mit auf den Lebensweg zu geben. Zusammen mit ihren beiden Kindern tritt die 41-jährige Jacqueline Chavira aus Grants im Bundesstaat New Mexico in diesem Jahr zu Ostern in die Kirche ein. Ihren Zustand, bevor sie gläubig wurde, beschreibt sie so: „In mir war eine Leere, die ich nicht füllen konnte.“ Dann habe sie ihren Verlobten kennengelernt, einen Katholiken, und habe begonnen, mit ihm die Messe zu besuchen. Schließlich habe sie auch eine katholische Ehe führen wollen.
Neuevangelisierung übers Netz
Bisweilen geschieht die Umkehr auch übers Netz: Katholische Podcasts verfehlen gerade bei jungen Menschen nicht ihre Wirkung. Statt TikTok-Videos folgte der 19-jährige Jesse Araujo aus Pahrump im Bundesstaat Nevada – einer ländlichen Gegend der Erzdiözese Las Vegas – lieber christlichen Podcast-Stars wie Pater Mike Schmitz auf YouTube. Jesses neuerwachte Liebe zu Jesus habe sich auch auf seine Eltern übertragen, die jetzt mit ihm am Erwachsenenkatechumenat teilnehmen.
„In dieser Zeit großer Unsicherheit und Angst sehnen sich die Menschen nach Gott und nach der Stabilität, die der Glaube in ihr Leben bringt“, sagte Erzbischof Mitchell Thomas Rozanski aus der Metropole St. Louis gegenüber der New York Times. In seiner Erzdiözese im Bundesstaat Missouri sind die gemeldeten Zahlen so hoch wie seit 2016 nicht mehr.
Tausende Kilometer weiter nördlich, in der Diözese Cleveland, gibt man sich hoffnungsvoll, dass die Menschen sich auch künftig dem Katholizismus zuwenden. Auf der Webseite heißt es: „Der nächste Ritus der Wahl und der Aufruf zur fortgesetzten Umkehr findet am Samstag, den 13. Februar 2027, um 10 Uhr im Cleveland Public Auditorium statt. Bitte planen Sie bereits jetzt Ihre Teilnahme ein!“
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