Wien

Wann kirchliche Systeme toxisch werden

Eine kirchenrechtliche Fachtagung über die kirchliche Vermögensverwaltung nahm den Umgang von Diözesen, Hilfswerken und Orden mit Geld, Renditen und Vermögen unter die Lupe.
Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kirchenfinanzen
Foto: Christophe Gateau (dpa) | Zur Sprache kamen bei einer Online-Fachtagung es Instituts für Kirchenrecht und Religionsrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien auch die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kirchenfinanzen.

Wozu brauchen Mönche mit Armutsgelübde eigentlich Liegenschaften? Wozu braucht die Kirche Christi moderne Geldanlagen mit Zinsen und Renditen? Sind Priester Arbeitnehmer ihrer Diözese, beziehen sie ein Gehalt oder nur Unterhalt? Diesen und anderen Fragen rund um die Kirche und ihr Geld stellten sich Ökonomen, Kirchenrechtler und Finanzmanager am Montag und Dienstag in einer Online-Fachtagung des Instituts für Kirchenrecht und Religionsrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Lesen Sie auch:

Fehler an sich weder schlecht noch böse

Der Lehrstuhlinhaber für Kirchenrecht, Andreas Kowatsch, und die Controllerin der Erzdiözese Wien, Rita Kupka-Baier, verwiesen auf Zusammenhänge zwischen sexuellem Missbrauch, Machtmissbrauch und der Fehlverwaltung des Ererbten und Anvertrauten. „Menschen machen Fehler“, so Kupka-Baier, das sei an sich weder schlecht noch böse. „Das wird es erst, wenn jemand seinen Fehler leugnet oder Verantwortung abschiebt. Dann beginnen Systeme, toxisch zu werden.“ Mit wieviel Moral und welchen Rechtsvorschriften dem entgegen zu wirken ist, schilderten der Münchner Kanonist Helmut Pree, der Innsbrucker Finanzkammerdirektor Rainer Kirchmair, der Wiener Caritas-Geschäftsführer Alexander Bogmann und der Grazer Diözesanvisitator Gerhard Hörtig.

Zur Sprache kamen auch die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kirchenfinanzen. Da war die Rede von der Notwendigkeit, alternative Einnahmequellen zu stärken, öffentliche Unterstützungen in Anspruch zu nehmen und zu „flexiblen Budgets“ zu kommen. Braucht die Kirche eine Cyber-Versicherung und Ausfallsversicherungen für Pandemie-Fälle? Braucht sie einen eigenen kirchlichen Rechnungshof? Oder gar eine den Bischöfen übergeordnete regionale Verwaltungsgerichtsbarkeit auf der Ebene der Bischofskonferenzen? Unter die Lupe genommen wurde auch die wirtschaftliche Lage der Ordensgemeinschaften angesichts ihrer rasch voranschreitenden Überalterung.  DT/sba

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über die Wiener Fachtagung zur kirchlichen Vermögensverwaltung in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Bischofskonferenz Bischöfe Diözesen Jesus Christus Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Kirchenfinanzen Kirchenrecht Kirchenrechtler Mönche Religiöse Orden

Weitere Artikel

Der Kirchenrechtler Markus Graulich erklärt, wie durch die Orientierung an Christus Norm, Richtung und Maßstab des Lebens entstehen.
27.09.2022, 10 Uhr
Vorabmeldung

Kirche

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke äußert sich zum „Ad-limina-Besuch“ der deutschen Bischöfe, zur Gefahr eines Schismas und zum neuen kirchlichen Arbeitsrecht.
26.11.2022, 14 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Vatikan hat die Kritik der Kardinäle Ladaria und Ouellet am Synodalen Weg veröffentlicht. Diese Transparenz schafft Orientierung, wo bisher nur ungläubiges Staunen über die Bischöfe war.
25.11.2022, 11 Uhr
Guido Horst
Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in zwei Fällen gegen den Kölner Kardinal wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Ökumenisches Gebet abgesagt. 
25.11.2022, 11 Uhr
Meldung
Im Wortlaut die Stellungnahme von Kardinal Marc Ouellet zum Synodalen Weg beim interdikasteriellen Treffen mit den deutschen Bischöfen.
24.11.2022, 17 Uhr
Kardinal Marc Ouellet