Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Frankfurt/Main

Synodaler Weg: Gerl-Falkovitz kritisiert Umgang mit abweichenden Meinungen

Es sei kaum möglich gewesen, in die vorbestimmte Satzung und Geschäftsordnung Änderungen einzubringen, erklärt die Religionsphilosophin Gerl-Falkovitz gegenüber der „Tagespost“ und fragt: Welche Macht lässt bestimmte Mächtige über Macht diskutieren?
Gerl-Falkovitz kritisiert Abstimmung zur Geschäftsordnung
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz beklagt den Umgang mit Änderungsantragen zur Satzung und Geschäftsordnung. Im Bild: Die Synodalversammlung am 31. Januar 2020 im Dominikanerkloster in Frankfurt.

Nach dem Ende der ersten Synodalversammlung übt die Religionsphilosphin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz Kritik am Umgang mit Änderungsanträgen in der Debatte über die Satzungs- und Geschäftsordnung des Synodalen Wegs. Es sei kaum möglich gewesen , in die vom Präsidium vorbestimmte Satzung ebenso wie in die Geschäftsordnung Änderungen einzubringen, so Gerl-Falkovitz gegenüber der „Tagespost“. „Die Vollversammlung hat dem erstaunlicherweise fast klaglos zugestimmt. Wollte man sich einfach nicht die Mühe machen?“

Gerl-Falkovitz: Antrag "regelrecht abgeschmettert"

Als Beispiel nennt Gerl-Falkovitz den von ihr selbst unterstützten Antrag, die Satzung und Geschäftsordnung so zu überarbeiten, „dass eine partizipative, gleichberechtigte und transparente Gestaltung des Synodalen Weges für alle Mitglieder der Synodalversammlung gewährleistet ist“. Damit habe man sicherstellen wollen, dass auch Personen, die nicht der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) oder dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehörten, partizipativ einbezogen würden. Der Antrag sei jedoch „regelrecht abgeschmettert“ worden, beklagt die Religionsphilosophin.

Als „ebenso festgezurrt“ habe sie die Liste der je 30 bis 35 Teilnehmer der vier Synodalforen wahrgenommen, so Gerl-Falkovitz. Zudem bemängelt sie, dass die Liste „bis zur letzten Minute“ nicht bekanntgegeben worden sei. „Warum eigentlich? Je 15 davon waren bereits mit der Ausarbeitung der Texte beschäftigt, die die Grundlage der kommenden Foren bilden. Auch hier  
bekommen die Ernannten also vorgekaute Kost.“

Woelki: Nicht jede Meinung fand ausreichend Gehör

Lesen Sie auch:

Vor allem vor dem Hintergrund des Themas „Macht und Partizipation“ sei der Eindruck entstanden, dass nur diejenigen darüber beraten sollten, die dazu zugelassen gewesen seien. „Welche Macht lässt bestimmte Mächtige über Macht diskutieren?“ So seien rund 30 Mitglieder der Vollversammlung nicht als Forums-Teilnehmer auserwählt worden, während je Forum noch fünf Personen als einzige gewählt worden seien – alle anderen seien gesetzt gewesen. „Immer wieder die Frage: Warum eigentlich“, kommentiert Gerl-Falkovitz.  

Damit unterstützt Gerl-Falkovitz die Kritik des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki, der am Samstag gegenüber dem Kölner „Domradio“ bemängelt hatte, dass in Frankfurt nicht jede Meinung ausreichend Gehör gefunden habe. Der DBK-Vorsitzende und Münchner Kardinal Reinhard Marx wies die Vorwürfe des Kölner Erzbischofs in der abschließenden Pressekonferenz zur Synodalversammlung jedoch entschieden zurück. Näher kommentieren wollte er Woelkis Äußerungen aber nicht.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Deutsche Bischofskonferenz Erzbischöfe Kardinäle Katholikinnen und Katholiken Rainer Maria Woelki Reinhard Marx

Weitere Artikel

Sie haben Fragen, er hat es nicht eilig: Nach der Empfehlung des Münchner Erzbischofs zugunsten von Segensfeiern für irreguläre Beziehungen regt sich erstmals Unmut im Klerus.
23.07.2026, 07 Uhr
Jakob Ranke
Was kann der Mensch noch besser als die Künstliche Intelligenz? Knapp sieben Wochen nach „Magnifica humanitas“ zieht Reinhard Kardinal Marx in München ein selbstbewusstes Fazit.
08.07.2026, 19 Uhr
Jakob Ranke
Ralph Brinkhaus fordert mehr Gottesbezug, Kardinal Marx hält sich lieber an die Vernunft. Doch wie jenseitig dürfen politische Ratschläge der Kirche dann noch sein?
16.05.2026, 13 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser