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Sexueller Missbrauch: Boliviens Präsident Luis Arce schreibt an den Papst

Luis Arce bittet den Heiligen Vater um Zugang zu allen Informationen über von katholischen Priestern und Ordensleuten auf bolivianischem Gebiet begangene Missbrauchsfälle, von denen die Kirche Kenntnis habe.
Luis Arce, Boliviens Präsident
Foto: IMAGO/Matías Baglietto (www.imago-images.de) | Boliviens Präsident Luis Arce hat sich in einem Schreiben an Papst Franziskus gewandet.

In einem offiziellen Schreiben, das von Präsidialministerin María Nela Prada vor den Medien verlesen wurde, schreibt Boliviens Präsident: „Ich bin entsetzt und empört über die Taten, die ein Bericht der spanischen Zeitung ‚El País’ mit dem Titel ‚Diario de un cura Pederasta’ (‚Tagebuch eines pädophilen Priesters’) vor kurzem in unserem plurinationalen Staat Bolivien ans Licht gebracht hat.“

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Jesuiten involviert

Der Zeitungsartikel handelt vom „geheimen Tagebuch“ des inzwischen verstorbenen spanischen Jesuiten Alfonso Pedrajas. Darin soll er zugegeben haben, ab 1971, als er eine Schule in Bolivien leitete, Dutzende von Kindern missbraucht zu haben, wobei seine Vorgesetzten dies alles vertuscht haben sollen. 

Nachdem dies bekannt wurde, bat die Gesellschaft Jesu in Bolivien um Vergebung: „Der Missbrauch hat bei den Opfern eine tiefe Wunde verursacht. Die Anklagen können nicht ignoriert werden, auch wenn der in die Vorfälle verwickelte Priester gestorben ist“, sagte Bernardo Mercado, Leiter des Ordens in Bolivien, auf einer Pressekonferenz. Darüber hinaus wurden daraufhin acht führende Mitglieder der Gesellschaft Jesu ihrer Ämter enthoben. 

Laut der Online-Plattform „Infobae“ spielt dabei ein weiterer Fall eine Rolle, über den die Nachrichtenagentur EFE im Februar 2019 berichtete: Der ebenfalls verstorbene Jesuit Luis Roma wurde damals von einem ehemaligen Mitglied der Gesellschaft Jesu, der nicht namentlich genannt werden möchte, wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Alter zwischen 6 und 12 Jahren angezeigt.

Straflosigkeit beenden

In dem Brief von Präsident Luis Arce heißt es weiter: „Die Jahre der Straflosigkeit dürfen nicht endlos weitergehen, ohne dass die Justiz Verantwortung übernimmt und die Opfer ein grausames Kapitel abschließen, bei dem sie als einzigen Trost das Recht auf Wahrheit, Gerechtigkeit und die Nicht-Vertuschung der Ereignisse haben werden.“

Boliviens Präsident berichtet dem Heiligen Vater, dass seine Regierung an „Mechanismen zur Verstärkung der Kontrollen und Hintergrundüberprüfungen“ für die Einreise neuer ausländischer katholischer Geistlicher nach Bolivien arbeite, um derartige Verbrechen zu verhindern. „Der bolivianische Staat behält sich das Recht vor, die Einreise neuer ausländischer Priester und Ordensleute in das Land zu verweigern, die in der Vergangenheit sexuellen Missbrauch an Minderjährigen begangen haben“, heißt es in dem Schreiben. Luis Arce bekräftigt, dass er diese Maßnahme auch in Zukunft beibehalten wird, bis „die Überprüfung der geltenden Verträge durchgeführt und die Verhandlungen über das Abkommen zwischen dem plurinationalen Staat Bolivien und dem Heiligen Stuhl abgeschlossen sind“. Darin sollen „Vorkehrungen“ zur Vermeidung neuer Missbrauchsfälle und deren Vertuschung enthalten sein.

Status überprüfen

Laut der spanischen Zeitung „El País“ gehen andere bolivianische Institutionen sogar einen Schritt weiter: Die Generalstaatsanwaltschaft fordere „die Situation und den Status“ der Jesuiten im Lande zu überprüfen, insbesondere im Bereich der Bildung, wo die Gesellschaft Jesu Schulen und Universitäten im ganzen Land unterhalte. „Es kann nicht sein, dass sich von der Kirche und insbesondere von der Gesellschaft Jesu geleitete Bildungseinrichtungen weiterhin der staatlichen Kontrolle entziehen. Die Kontrolle muss umfassend und transversal sein, wie bei jeder öffentlichen Schule.“

Die Bolivianische Bischofskonferenzen CEB hat inzwischen bekanntgegeben, dass Papst Franziskus den spanischen Priester Jordi Bertomeu nach La Paz entsandt hat. Bertomeu gilt als führender Experte im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Er wurde wegen seiner Einsätze in Lateinamerika bekannt, etwa im Fall von Pater Marcial Maciel oder im Missbrauchsskandal in der chilenischen Kirche. DT/jga

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe einen umfassenden Bericht zum sexuellen Missbrauch in Bolivien.

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