Eine junge Frau betritt die der Gottesmutter geweihte armenisch-apostolische Kirche von Yeghegnadzor, bekreuzigt sich, zündet vor dem Bild des Gekreuzigten ein paar dünne Kerzen an und geht dann wieder. Dass zeitgleich die zweistündige Sonntagsmesse gefeiert wird, irritiert sie nicht. Im hinteren Teil der Kirche ist ein ständiges Kommen und Gehen, ein Großvater liefert seine Enkelin ab, Jugendliche schauen auf ein paar Minuten vorbei. Nur vorne, in den wenigen Kirchenbänken, halten fromme Frauen die ganze Messe durch. „Nur wenige kommen in die Kirche, aber viele beten zuhause“, meint eine Gottesdienstbesucherin nachher fast entschuldigend.
Religiöse Spurensuche
Der christliche Glaube hat in Armenien tiefe Wurzeln, doch der atheistische Totalitarismus der Sowjetunion hinterließ eine geistige Trümmerlandschaft.
