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Medienstar mit Missionsgeist

Der amerikanische Erzbischof Fulton Sheen wird am 24. September in St. Louis seliggesprochen.
Bischof Fulton Sheen
Foto: Imago/Everett Collection | Telegen im Ferraiolo: Bischof Fulton Sheen vor laufender Kamera in seiner populären Sendung „Life is worth living“. Die undatierte Studioaufnahme entstand in den 50er Jahren.

Es ist eine eigenartige Ironie der Kirchengeschichte, dass einer ihrer größten Kommunikatoren sein Leben unter das Bild eines zerbrechlichen Gefäßes stellte. Fulton Sheen, der am 24. September in St. Louis selig gesprochen wird, war der erste Fernsehstar des Katholizismus. Seine Autobiografie trägt den Titel Treasure in Clay – Schatz in tönernen Gefäßen. Nomen est omen.

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Geboren 1895 in El Paso, Illinois, als Sohn eines Eisenwarenhändlers, wuchs Peter John Sheen – so sein Taufname – in einfachen Verhältnissen auf. Die Familie zog nach Peoria, wo er die Pfarrschule besuchte. Dass aus ihm einmal eine der bekanntesten katholischen Stimmen Amerikas werden würde, war nicht abzusehen, doch schon früh zeigte sich seine ungewöhnliche intellektuelle Begabung. Nach dem College trat er ins Priesterseminar ein und wurde 1919 zum Priester geweiht.

Studien an der Gregoriana und an der Sorbonne

Was dann folgte, war eine akademische Karriere, die ihresgleichen suchte: Sheen promovierte in Philosophie an der katholischen Universität Leuven in Belgien, erwarb zusätzlich das höchste belgische Akademiediplom, studierte in Rom am Angelicum und an der Gregoriana sowie in Paris an der Sorbonne. 1925 erhielt er den prestigeträchtigen Kardinal-Mercier-Preis für Philosophie.

Der Mann, der später Millionen vor dem Fernseher faszinieren sollte, war ein brillanter Kopf, der 25 Jahre lang Philosophie lehrte, bevor er den Hörsaal verließ. Bereits 1928 begann er im Radio zu sprechen, ab 1930 landesweit in der Sendung „The Catholic Hour“.

Als das Fernsehen kam, war Sheen bereit. Ab 1951 strahlte der Sender DuMont seine Sendung „Life is Worth Living“ aus – und gegen alle Erwartungen schlug der Bischof im purpurnen Cape (Ferraiolo) die Konkurrenz: Milton Berle, Frank Sinatra. Bis zu 30 Millionen Menschen sahen wöchentlich zu. Ohne Teleprompter, nur mit Kreide und Tafel. Und mit dem, was er „die Tinte des Blutes“ nannte.

Doch Sheen war mehr als ein Fernsehgesicht. 1950 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Nationaldirektor des Päpstlichen Missionswerks – eine Position, die er sechzehn Jahre lang innehatte und in der er Millionen für die Armen der Welt sammelte. 1951 wurde er zum Bischof geweiht. Als Konzilsvater nahm er am Zweiten Vatikanum teil, wo er in der Kommission für die Missionen arbeitete.

Aber hinter dieser glänzenden Fassade verbarg sich ein anderer Sheen. Sein eigentliches Thema war nicht der Erfolg, sondern die Spannung zwischen göttlicher Berufung und menschlicher Zerbrechlichkeit. „Jeder Priester ist gekreuzigt auf dem vertikalen Balken der gottgegebenen Berufung und dem horizontalen Balken der banalen Sehnsucht des Fleisches“, schrieb er. Sheen hatte allen Grund, von Zerbrechlichkeit zu sprechen.

Er gestand später ein, dass er in jungen Jahren „Annehmlichkeiten liebte“, einen Cadillac fuhr und sich nach dem Bischofsamt sehnte. Aber er erzählte auch von dem langen Weg, auf dem Gott ihn lehrte, dass es nicht genügt, Priester zu sein – dass man auch Opfer werden muss.

Der „zweite Blick“

Sheen nannte diesen Weg den „zweiten Blick“. Es war sein geistliches Grundschema, das er am Apostel Petrus ablas: der erste Blick der Berufung, die Begeisterung des Anfangs. Dann das Scheitern, die Angst vor dem Kreuz – Sheen prägte dafür den Begriff „Staurophobie“. Und schließlich der zweite Blick: die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, die Vergebung, der Neuanfang. „Ich musste durch Prüfungen innerhalb und außerhalb der Kirche gebracht werden, bevor ich die volle Bedeutung meines Lebens verstehen konnte“, schrieb er.

Diese Prüfungen kamen. Der Konflikt mit Kardinal Spellman, dem mächtigen Erzbischof von New York, trieb Sheen aus den Sendestudios und schließlich aus der Leitung des Missionswerks. Manche sagen, Spellman habe Sheen kaltgestellt. Sheen selbst schwieg dazu – ein Zug an ihm, der vielleicht mehr über seine Größe verrät als alle Fernsehauftritte. In seiner Autobiografie findet sich kein einziges böses Wort über Spellman, nur ein Satz über „Steine, die andere warfen“.

Den Zölibat verstand er als Liebesangelegenheit

Sheen war einer, der lernte, mit seinem Schatten zu leben. Sein Zölibatsverständnis ist dafür der Schlüssel. Er sah ihn nicht als Verzicht, sondern als Geschenk: „Wenn wir den Zölibat unter psychologischen Gesichtspunkten diskutieren, wird das Ächzen unter dieser Last vernehmbar.

Wenn wir ihn in der Beziehung zu Christus sehen, ist er eine Liebesangelegenheit.“ Es ist diese Liebe, die bei Sheen alles durchdringt – und die ihn auch zur Gottesmutter führte. Sie gab ihm die Zuversicht, einmal vor Christus treten zu dürfen mit den Worten: „Ich habe meine Mutter von dir sprechen gehört.“

Sheen starb am 9. Dezember 1979 in New York. Sein Seligsprechungsprozess wurde 2012 eröffnet, 2019 erkannte Papst Franziskus ihm den heroischen Tugendgrad zu. Am 24. September wird Kardinal Luis Antonio Tagle, Pro-Präfekt des römischen Dikasteriums für Evangelisierung, ihn zur Ehre der Altäre erheben. Manche fragen, ob ein Medienbischof heilig sein kann.

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Die Frage ist falsch gestellt. Es geht nicht darum, ob jemand im Fernsehen aufgetreten ist. Die Frage ist, ob einer sich von Gott durchschauen und verwandeln ließ. Sheen ließ es zu. Bis zuletzt. Er wusste: Der Schatz liegt nicht im Gefäß, sondern in dem, der es gefüllt hat.


Die Autorin ist promovierte Theologin und bloggt.

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