Synodaler Weg

Obiora Ike sieht den Synodalen Weg als Sackgasse

Als ob man über Protestanten redet. Der Sozialwissenschaftler und Priester Obiora Ike äußert sich im Interview mit der Tagespost kritisch über den Synodalen Weg.
Obiora Ike im Tagespost-Interview
Foto: Wikicommons | Obiora Ike kritisieret im Interview den Synodalen Weg in Deutschland.

Der Priester und Sozialwissenschaftler Obiora Ike aus Nigeria sieht in der Kirche in Deutschland Bedarf für eine Kurskorrektur des Synodalen Wegs. Wenn es um den Weg der gesamten römisch-katholischen Kirche gehe, dann führe dieser Beitrag mit seiner Orientierung derzeit in Deutschland selbstverständlich in eine Sackgasse, erklärte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Menschen, denen er in Afrika von den Positionen der deutschen Synodalen berichtet habe, hätten ihn gefragt, ob er über Protestanten spreche.

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Skepsis gegen deutsche Bischöfe

Das wecke bei Afrikanern die Frage, warum diese Katholiken nicht übertreten, denn bei den evangelischen Christen seien die entsprechenden Forderungen umgesetzt. Wörtlich erklärte Ike: „Es hat ihnen aber nicht mehr Anhänger gebracht. Diese Meinungen und Wünsche, die da geäußert wurden, werden also nicht ankommen. Die Kirchen in anderen Ländern werden das nicht mittragen, da Jesus Christus für sie Priorität hat und damit die Verbreitung des Evangeliums, in dem Sinne, sich nicht der Welt anzugleichen, sondern die Welt durch den Geist Gottes zu verändern.“

Skeptisch bewertet Ike die Äußerung des Vorsitzenden der deutschen Bischöfe, es gehe beim Synodalen Weg um die Aufarbeitung der Missbrauchskrise. Letztere ist aus Ikes Sicht nicht das zentrale Thema. „Wenn es wirklich nur um die Missbrauchsfälle und die Vertuschung ginge, könnte man zum Beispiel auch eine Untersuchungskommission einsetzen. Zudem sind auch andere Ortskirchen von diesem Thema betroffen, teilweise noch stärker. Der Synodale Weg in Deutschland hat sich vielmehr mit vielen Themen beschäftigt, die die Weltkirche betreffen“, stellte der nigerianische Geistliche fest.

Feuer der afrikanischen Kirche

Kritisch sieht er die Gleichgültigkeit in Bezug auf die Eucharistie. Die Kirchen in Afrika böten die Entsendung ihrer Geistlichen in die Kirchen an, wo Mangel an Berufungen herrsche. „Ihr könntet das Feuer der afrikanischen Kirche bei euch haben, mehr heilige Messen feiern und es gebe keine eucharistische Fastenzeit. Dialog bedeutet, zu geben und zu nehmen. Eure Missionare brachten das Evangelium nach Afrika und wir haben es angenommen. Jetzt bieten wir Priester an; aber die meisten Bischöfe lehnen diesen Einsatz ab und setzen lieber Laien ein.“ DT/reg

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost ein Interview mit Obiora Ike.

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