Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Paris

Laurent Ulrich neuer Erzbischof in Paris

Erfahrener Hirte übernimmt das Bistum. Risiken sollten vermieden werden. Mit 70 Jahren kommt ein Übergangsbischof.
Erzbischof Laurent Ulrich übernimmt Erzbistum Paris
Foto: Mory Hugo / Wikimedia/ CC-BY-SA-4.0

Mit dem 70jährigen Erzbischof Laurent Ulrich bekommt das Erzbistum Paris einen neuen Oberhirten, der demselben Jahrgang angehört wie sein 1951 geborener Vorgänger Michel Aupetit. Am Dienstag gab der Vatikan bekannt, dass Papst Franziskus den Erzbischof von Lille für das schwierige Amt in der französischen Hauptstadt ausersehen hat. Mit Erzbischof Ulrich bekommt das Erzbistum Paris vor allem einen erfahrenen, wenngleich wenig charismatischen Hirten. Offensichtlich war man bestrebt, Risiken im Vorfeld der Ernennung zu vermeiden.

Lesen Sie auch:

Bekannt und still 

Laurent hat als Erzbischof von Lille eines der größten französischen Bistümer geleitet und zudem als stellvertretender Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz von 2007 bis 2013 Erfahrung in der überdiözesanen Arbeit gesammelt. Er ist bekannt, ohne dass sein Name im Vorfeld spontan genannt wurde. Acht Jahre wirkte er als Bischof von Chambéry, ehe er 2008 als an die Spitze des Erzbistums Lille gerufen wurde.

In französischen Kirchenkreisen gilt er als medial unaufdringlich. Viele loben in diesen Tagen seinen ruhigen Verhandlungsstil, der bemüht ist, jeden mitzunehmen und keinen auszugrenzen. Vor allem unter Priestern gilt er als gesprächsbereit und vermittelnd. Ein Pragmatiker, der die verschiedenen Lager im Erzbistum Paris zusammenhalten soll. Kein Mann für Experimente, aber auch niemand, der sich neuen Ideen a priori verschließt. Positiv haben junge französische Gläubige registriert, dass sich Erzbischof Ulrich, der als eher zögernd bezüglich der Aufnahme neuer Gemeinschaften in sein Erzbistum gilt, im vergangenen Jahr beim dezentral ausgerichteten Missionskongress („Congrès mission“) sehen ließ. Lille war eine von elf Diözesen, die sich an der vorwiegend von neuen geistlichen Gemeinschaften mitgetragenen Initiative beteiligte.

Keine Angst vor der Tradition

Keine Berührungsängste zeigte er bisher gegenüber Traditionalisten. Im Erzbistum Lille wirkt das Institut Christus König und Hoherpriester. Zu den wenigen Adressen, an die Erzbischof Ulrich öffentlich deutliche Worte richtete, gehört der Front National. Ulrich erinnerte die Partei von Marine Le Pen daran, dass Fremdenfeindlichkeit und Christensein sich gegenseitig ausschließen. Dass dem Erzbischof die Sorge für Migranten besonders am Herzen liegt, dürfte ein weiterer Grund sein, warum die Wahl des Papstes auf ihn fiel. Am 23. Mai wird er in der Pariser Basilika Saint-Sulpice, die während der Bauarbeiten in Notre-Dame für größere Feierlichkeiten dient, in Paris ins Amt eingeführt. DT/reg

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Deutsche Bischofskonferenz Erzbischöfe Erzdiözese Front National Laurent Ulrich Marine Le Pen Papst Franziskus

Weitere Artikel

Junge Menschen entdecken den katholischen Glauben – leise, sehnsüchtig, ohne kirchenpolitische Diskussionen. Immer mehr möchten getauft werden, vor allem in Berlin und Köln.
07.03.2026, 15 Uhr
Elisabeth Hüffer
Im ganzen Land protestieren Schüler und fordern mehr Raum und Mitspracherecht in der Gesellschaft. Auch Leo XIV. hatte sich mit ihnen getroffen. Ein Zeugnis von Lehrern „an der Front“.
16.10.2026, 14 Uhr
Maria Acqua Simi
Unter Frankreichs Jungwählern führt der ultralinke Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon in den Umfragen. Die politische Mitte ist nicht mehr attraktiv.
02.09.2026, 19 Uhr
Benjamin Leven

Kirche

Kirchenvertreter und Jordaniens Großmufti verurteilen den Angriff auf eine orthodoxe Kirche und rufen zum Gebet und zum Zusammenhalt von Christen und Muslimen auf.
24.10.2026, 14 Uhr
Meldung
Der Vatikan hat kurzfristig entschieden: Die Pilger der „Summorum-Pontificum“-Wallfahrt dürfen den Petersdom nicht einmal betreten. Eine unnötige Grausamkeit.
24.10.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Ein mehrtägiges Ratzinger-Symposion an der Universität Wien versteht sich als Ouvertüre zum Gedenkjahr des vor 100 Jahren geborenen Theologen-Papstes.
24.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Dogmatiker Jan-Heiner Tück würdigt Joseph Ratzingers Beitrag zum Zweiten Vatikanum und dessen Konzilsinterpretation bei theologischem Symposion an der Universität Wien.
24.10.2026, 08 Uhr
Meldung
Der Konflikt um die Neugestaltung des Altarraums der Basilika Weingarten geht in die nächste Runde: Neu aufgetauchte Unterlagen könnten die bisherigen Planungen infrage stellen.
23.10.2026, 14 Uhr
Meldung