Heidelberg

Kommentar um "5 vor 12"; Leidenschaft für die Heilige Schrift

Zum plötzlichen Herztod des Heidelberger Neutestamentlers Klaus Berger.
Klaus Berger verstarb am 8. Juni 2020
Foto: Paul Badde | Klaus Berger verstarb am 8. Juni 2020

Ein plötzlicher Herztod hat den Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger am Abend des 8. Juni an seinem Schreibtisch ereilt. Seine Frau, die Übersetzerin Christiane Nord, fand den unermüdlichen Wissenschaftler gegen 19.30 Uhr leblos am Schreibtisch, als sie ihn zum Abendessen holen wollte. In seiner Sterbestunde begleitete ihn das Buch eines Wahlverwandten: der Zisterzienser Joachim von Fiore (1130-1205). Berger selbst war dem Orden der Zisterzienser als Familiare (Laienmitglied) über Stift Heiligenkreuz verbunden. Die monastische Lebensweise prägte Bergers Alltag in Form des lateinischen Stundengebets. Berger stammte aus Hildesheim. Sein Wunsch, Priester zu werden, führte ihn an die katholisch-theologische Fakultäten in München und Berlin.

Er verteidigte den Glauben

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Die Erfahrungen der norddeutschen Diaspora prägte seinen intellektuellen Widerstandsgeist, der seine Exegese prägen sollte. Als in den siebziger und achtziger Jahren eine rationalistische Auslegung der Schrift in den katholisch-theologischen Fakultäten dominierte, ließen Berger aufhorchen: Er verteidigte den Glauben an die Wunderberichte, die leibhaftige Auferstehung Christi, die Existenz des Teufels und die Stiftung der Kirche durch Christus selbst gegen die landläufige, einem radikalen Entmythologisierungsprogramm der Schrift huldigende Exegese, in der er das „kranke Herz der Theologie“ erkannte. Mit seiner Frau Christiane Nord übersetzte er das Neue Testament in eine unkonventionelle Sprache, die zahlreiche Leser erreichte. Als Buchautor erreichte Berger Auflagen, die sonst der Belletristik vorbehalten sind. Persönlich schlagfertig und geistreich, war er einer der gefragtesten Referenten und Gesprächspartner in Kirchenkreisen. Nach der Emeritierung hielt er Vorlesungen in Stift Heiligenkreuz und widmete sich als Autor zahlreichen Publikationen. Im Zentrum seiner Interessen stand dabei die Apokalypse, der er einen ausführlichen Kommentar widmete (erschienen 2017).

Berger hatte im letzten Lebensjahrzehnt gesundheitliche Rückschläge mit Zähigkeit und Willensstärke überwunden: Die düstere Prognose einer Krankenschwester, er werde einst als Pflegefall enden, ersparte ihm der Herr, den er mit selten gewordener Leidenschaft in der Heiligen Schrift suchte.

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