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Kardinal Becciu verlangt zehn Millionen als Schadensersatz

Der ehemalige Papstvertraute verklagt die Zeitschrift „L’Espresso“, die seinen Ruf als Priester und Mensch „bewusst zerstört“ haben soll .
Kardinal Angelo Becciu
Foto: Lorenzo Carnero via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die Ermittlungen gegen den Kardinal leitet die vatikanische Staatsanwaltschaft. Ein Verfahren ist allerdings noch nicht eröffnet.

Der von Papst Franziskus degradierte Kardinal Giovanni Angelo Becciu hat einen Prozess gegen das italienische Wochenmagazin „L’Espresso“ angestrengt. Der ehemalige Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungen verlangt zehn Millionen Euro Schadensersatz wegen der Berichterstattung der Zeitschrift über die Finanzaktionen des Vatikans, für die Becciu in seiner Zeit als Substitut im Staatssekretariat verantwortlich war. „L’Espresso“ hatte das Bild eines Kurienbischofs gezeichnet, der im Zusammenhang mit der gescheiterten Investition in eine Londoner Luxusimmobilie mit finsteren Gestalten der Finanzwelt zusammengearbeitet, seine Brüder begünstigt, eine italienische Geschäftsfrau für hohe Summen als Beraterin des Vatikans engagiert und hohe Summen auf australische Konten transferiert haben soll, als dort der Missbrauchs-Prozess gegen Kardinal George Pell lief. Diese Vorwürfe seien „alle falsch“, wie es in der Anklageschrift Beccius heißt, aus der die Tageszeitung „Corriere della Sera“ jetzt berichtet hat.

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Anwalt: „Er war ein Papstkandidat“

Tatsächlich ist nie bekannt geworden, was die genauen Vergehen waren, wegen denen der Papst seinen ehemaligen Vertrauten entlassen und ihm die Rechte eines Kardinals genommen hat. Laut den zitierten Gerichtsakten sieht Becciu in der „Kampagne“, die „L’Espresso“ gegen ihn gestartet habe, den eigentlichen Grund für seine Entfernung aus dem Präfektenamt. Bei den Berichten des Wochenmagazins handele sich um eine „ausufernde Verzerrung der Realität“, die sein Ansehen als Mensch und Priester „bewusst zerstört“ habe. Er, Becciu, werde der Kirche und dem Papst dennoch weiterhin treu zu Diensten sein, versicherte der sardische Kirchenmann, der sich ab Ende September völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Wie der Anwalt Beccius schreibt, hätte dieser „dank seines Lebenslaufs“ zu den Kandidaten bei der nächsten Papstwahl zählen können.“

Was fehlt, ist die konkrete Anklage

Die Ermittlungen gegen den Kardinal leitet die vatikanische Staatsanwaltschaft. Ein Verfahren ist allerdings noch nicht eröffnet. Wenn Becciu den Prozess gegen „L’Espresso“ gewinnt und die zehn Millionen Euro Schadensersatz erhält, will er die Summe für karitative Aufgaben verwenden. Auch in seinem Amt als Prälat des Souveränen Malteserorden hat Becciu inzwischen einen Nachfolger erhalten. Das Urteil über den Kardinal hatte Ende September der Papst gesprochen, Becciu hatte kurz darauf vor Medienvertretern seine Unschuld beteuert. Seither lebt er zurückgezogen. Was allerdings bisher fehlt, ist eine offizielle Anklage durch den Vatikan.

DT/gho

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