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Kommentar um "5 vor 12": Der Fall Becciu wird immer bizarrer

Internationaler Haftbefehl. Der Vatikan hat jetzt eine Vertraute des Kardinals von der italienischen Finanzpolizei verhaften lassen. 
Der Fall Kardinal Becciu
Foto: dpa | Der Fall des gestürzten Kardinals wird immer bizarrer.

Sie ist 39 Jahre alt, sieht gut aus, spart nicht mit Handtaschen, Kosmetika und anderen Luxusartikeln und wurde jetzt von den italienischen Medien als die „Dame des Kardinals“ getauft. Denn fünfhunderttausend Euro sollen aus den Kassen des vatikanischen Staatssekretariats zwischen Sommer 2018 und Dezember 2019 an eine kleine, etwas undurchsichtige Firma gegangen sein, die diese Dame, eine Italienerin mit Namen Cecilia Marogna, in Slowenien betreibt. In der Tasche hatte sie ein Empfehlungsschreiben von Kardinal Giovanni Angelo Becciu, der sie als vertrauenswürdige Person bezeichnet. Am Dienstagabend wurde sie auf Antrag der vatikanischen Staatsanwaltschaft in Mailand von der Finanzpolizei verhaftet, was nochmals ein schräges Schlaglicht auf die „Partner“ des Staatssekretariats und insbesondere Beccius wirft.

Vatikangelder für Luxusartikel

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Die guten Beziehungen der Dame zu dem von Papst Franziskus abgestraften Kardinal gehen in die Zeit zurück, als Becciu noch Substitut im Staatssekretariat war. Die halbe Million Euro an die Firma der Frau soll für nicht näher genannte „diplomatische Missionen“ in Afrika geflossen sein, zu dem Zweck, Attentate auf Nuntiaturen und Missionsstationen zu verhindern. Die Dame hatte diese Zahlungen in bunten Interviews bestätigt. Und der Anwalt Beccius, Fabio Viglione, ließ vor einigen Tagen in einer Erklärung nur knapp verlauten, „die Kontakte seines Mandanten mit Cecilia Marogna betreffen ausschließlich institutionelle Fragen“. Medien berichten jetzt jedoch, Marogna habe einen guten Teil der halben Million für die von ihr geliebten Luxusartikel ausgegeben – und den wie sie selber aus Sardinien stammenden Kardinal hintergangen.

Die schlimmste Strafe seit Menschengedenken

Auch drei Wochen nach dem unrühmlichen Abgang von Kardinal Becciu hat der Vatikan noch nicht die geringsten Angaben dazu gemacht, was dem in päpstliche Ungnade gefallenen ehemaligen Präfekten für die Selig- und Heiligsprechungen angelastet wird. Stattdessen ermitteln und berichten die Medien – wie jetzt im Fall Marogna. Die vatikanische Staatsanwaltschaft muss noch offenlegen, dass Papst Franziskus seinem einstigen Vertrauten Becciu zu Recht das Präfektenamt und die Rechte eines Kardinals genommen hat – die schlimmste Strafe, die seit Menschengedenken einem amtierenden Kurienkardinal auferlegt wurde. Es ist ein unhaltbarer Zustand für den Vatikan, der auch Schatten auf Franziskus wirft. Erst hatte der Papst ein Urteil gesprochen, doch dann blieben die Gründe dafür im Dunkeln. Also entwerfen die Medien aus vielen Splittern ihr bizarres Bild der Vorgänge um Becciu. 

Wie weit die Verdachtsmomente dabei reichen, lesen Sie in einem Bericht des Rom-Korrespondenten in der kommenden Druckausgabe der „Tagespost“.

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Guido Horst Kardinäle Papst Franziskus Päpste Vatikan

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