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Held oder Papst-Angreifer?

Brief an den Papst, Bericht, Interview: Erzbischof Stanisław Gądecki kritisiert den deutschen „Synodalen Weg“ und die römische „Weltsynode“.
Stanislaw Gadecki
Foto: IMAGO/Vatican Media Press Office Hando (www.imago-images.de) | Die Kritik an Erzbischof Stanislaw Gadecki zeigt die innere Zerissenheit der Kirche und wie wenig das jesuitische "Sowohl-als-auch" in der Praxis funktioniert.

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenzen, Erzbischof Stanisław Gądecki, hat, wie polnische Medien aktuell berichten, zu Beginn der „Weltsynode“ in Rom Anfang Oktober einen Brief an Papst Franziskus übergeben, in dem er das deutsche Projekt eines „Synodalen Weges“ kritisiert. 

Kompakte Kritik

Wieder zurück in Polen – was von manchen internationalen Medien leider in einen Topf geschmissen wird -  äußerte sich Gądecki im Rahmen einer Pressekonferenz auch kritisch zur „Weltsynode“. In einem Bericht, der von der Katholischen Nachrichtenagentur Polens (KAI) veröffentlicht wurde, heißt es: „Die katholische Kirche ist eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die alle mit der menschlichen Zerbrechlichkeit angesichts der Wechselfälle der menschlichen Existenz zu kämpfen haben. Aber diese Gemeinschaft von Jüngern hat auch vom Herrn selbst Wahrheiten empfangen, die nicht von Diskussionsgruppen bestätigt oder geleugnet werden können.“ Dazu zitierte Gądecki die Bibel: „Lasst euch nicht von verschiedenen und fremden Lehren verführen.“ (Hebräer 13,9)

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Kompakte Kritik am deutschen „Synodalen Weg“ und der römischen „Weltsynode“ formulierte Erzbischof Stanisław Gądecki Anfang dieser Woche im Interview mit dem „Catholic World Report“: „Der von Papst Franziskus eingeleitete Konsultationsprozess auf Gemeinde-, Diözesan-, nationaler und schließlich kontinentaler Ebene war eine neue und interessante Erfahrung. Jeder war eingeladen, sich zu beteiligen, unabhängig von seiner Einstellung zum Glauben und zur katholischen Kirche. Als Ergebnis dieses Ansatzes war manchmal die ‚nicht-katholische‘ Stimme hörbarer als die ‚katholische‘. Doch darum geht es bei der Suche nach dem Willen Gottes nicht. Wir sahen eine große Vielfalt von Standpunkten, wobei die extremsten in Deutschland artikuliert wurden, wo der Synodale Weg parallel zum synodalen Prozess verlief.“

Held oder Angreifer

Die Reaktionen auf diese dreifache Kommunikations-Offensive Gądeckis sind in seinem Heimatland durchaus gespalten: während er von den konservativen Medien seines Landes sozusagen als Held und Hüter des wahren Glaubens gefeiert wird, deuten Journalisten der liberalen katholischen Zeitung „Tygodnik Powszechny“ aus Krakau die Äußerungen Gądeckis als Attacke auf den Papst. Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenzen habe sich zu den „entschiedenen Gegnern der Synode gesellt“.

Erzbischof Stanisław Gądecki, Ortsbischof der Diözese Posen (Poznan) ist seit 2014 Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenzen. Seine Zeit als Vorsitzender endet im Frühjahr 2024. Er gilt innerhalb des polnischen Klerus als moderat-konservativ. International bekannt wurde er bei der Bischofssynode zu Ehe und Familie (2016), als er sich am Rande der Synode gegen die Wiederverheiratung kirchlich Geschiedener aussprach. Für Aufsehen sorgte Gądecki auch mit einem öffentlichen Brief an Bischof Georg Bätzing, den Vorsitzenden der Deutsche Bischofskonferenz, im vergangenen Jahr. In diesem Brief mahnte Gądecki seinen deutschen Amtskollegen aufgrund des „Synodalen Weges“ nicht die Treue zur Tradition aufzugeben. 

Held oder Papst-Angreifer? An dieser Frage sieht man, wie zerrissen die Kirche ist. Auch die Weltkirche. Das berühmte jesuitische "je nachdem" scheint noch nicht zu funktionieren. 

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