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Gądecki: Für das Lebensrecht Ungeborener eintreten

Donald Tusk will das polnische Abtreibungsgesetz liberalisieren. Stanisław Gądecki ruft dazu auf, für den Schutz des Lebens einzustehen.
Appelliert an die Polen, sich für das Lebensrecht Ungeborener einzusetzen: Stanislaw Gadecki.
Foto: IMAGO/Mateusz Wlodarczyk (www.imago-images.de) | Appelliert an die Polen, sich für das Lebensrecht Ungeborener einzusetzen: Stanislaw Gadecki.

Die polnischen Bischöfe haben sich die Debatte um die geplante Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes eingeschaltet. Die Regierung um Ministerpräsident Tusk will legale Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Schwangerschaftswoche ermöglichen. Auch der Zugang zur „Pille danach“ soll vereinfacht werden. Am Freitag rief der Vorsitzende der polnischen Bischöfe, Erzbischof Stanisław Gądecki, alle Menschen guten Willens dazu auf, „sich eindeutig für das Leben auszusprechen“. 

 In einer auf der Homepage der Polnischen Bischofskonferenz veröffentlichten Erklärung zum Thema Abtreibung erinnerte Erzbischof Gądecki unter Bezugnahme auf die Enzyklika „Evangelium vitae“ des heiligen Johannes Paul II. aus dem Jahr 1995 daran, dass „die Gesetze, die in Form der Abtreibung und der Euthanasie die unmittelbare Tötung unschuldiger Menschen für rechtmäßig erklären, in totalem und unversöhnlichem Widerspruch zu dem allen Menschen eigenen unverletzlichen Recht auf Leben stehen und somit die Gleichheit aller vor dem Gesetz leugnen“. 

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Unter Bezugnahme auf „Evangelium vitae“ wies der Vorsitzende des Polnischen Episkopats darauf hin, dass es daher niemals erlaubt sei, sich einem in sich ungerechten Gesetz, wie jenem, das Abtreibung und Euthanasie zulässt, anzupassen, „weder durch Beteiligung an einer Meinungskampagne für ein solches Gesetz noch dadurch, dass man bei der Abstimmung dafür stimmt“. Erzbischof Gądecki unterstrich, dass die Lehre des kirchlichen Lehramtes eindeutig sei: „Jeder Mensch – nicht nur ein Mitglied der katholischen Kirche –, der ein rechtes Gewissen hat, ist moralisch verpflichtet, das menschliche Leben von seinem Beginn bis zum natürlichen Tod zu achten“.

Die Mehrheit entscheidet nicht immer ethisch

Darüber hinaus korrigierte der Erzbischof überzogene Erwartungen an demokratische Entscheidungen. In einer Demokratie entscheide zwar die Mehrheit, doch bedeute dies nicht, dass die Mehrheit Recht habe, „sondern nur, dass die Minderheit keine ausreichend überzeugenden Argumente finden konnte, um die Mehrheit zu werden“. Rationalität, so der Erzbischof, werde nicht durch die Zahl der Anhänger einer bestimmten Ansicht bestimmt. Wörtlich erklärte er: „Die Vernunft – vor allem die ethische Vernunft – ist oft auf der Seite der Minderheit. Und manchmal – daran erinnert uns die Figur des Sokrates – auf der Seite des einzelnen Menschen mit einem wohlgeformten Gewissen.“

Im Geiste der Verantwortung für die Kirche in Polen und für das Wohl der gemeinsamen Heimat rufe er alle Menschen guten Willens auf, „sich unmissverständlich für das Leben auszusprechen“. Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz appellierte auch an die Mitglieder beider Häuser des Parlaments und an den Präsidenten der Republik, „Zeugnis abzulegen von einer echten Sorge um das Leben, das schutzlos ist, weil es ungeboren ist“. DT/reg

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