Bari

Pater Massimo Fusarelli an der Spitze der Franziskaner

Mit Pater Massimo Fusarelli übernimmt ein erfahrener Seelsorger das Amt des Generalministers der Franziskaner.  
Massimo Fusarelli
Foto: Pool (Romano Siciliani) | Der Italiener Massimo Fusarelli, neuer Generalminister des Franziskanerordens, möchte sich von "einer Haltung des Zuhörens" leiten lassen und "ohne vorgefasste Ideen".

Er spricht von einem Gefühl aus „Furcht, aber auch von Hoffnung“, als man ihn zum Generalminister nominiert hat. Massimo Fusarelli weiß um seine „Schwäche“, wie er im Interview mit AgenSir, dem Nachrichtendienst der italienischen Bischofskonferenz, unterstreicht. Zeichen franziskanischer Demut oder doch eher ein historischer Topos, den schon der Ordensgründer bemühte, als er sich selbst als „idiota“ bezeichnete, obwohl er mehrere Lieder und Briefe verfasste?

Fusarelli kommt aus der praktischen, franziskanischen Mission

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Fusarelli, der am 13. Juli zum 121. Nachfolger des heiligen Franz von Assisi an die Ordensspitze gewählt wurde, sagt, er wisse „noch nicht alles, was er nun tun“ müsse, aber er werde sich von einer „Haltung des Zuhörens“ leiten lassen, „ohne vorgefasste Ideen“. Das könnte man als Planlosigkeit missdeuten. Tatsächlich kommt Fusarelli aus der praktischen, franziskanischen Arbeit, heißt: direkt von der karitativen Front, wo der gelernte Theologe weniger mit theoretischen Diskursen denn mit direkten Herausforderungen wie der Unterstützung von Erdbebenopfern, Flüchtlingshilfe oder Jugendarbeit konfrontiert war.

Die Wahl des neuen Generalministers war der Höhepunkt der zweiwöchigen Beratungen des 118-köpfigen Generalkapitels, das Anfang Juli im Internationalen Kolleg San Lorenzo von Bari unter Aufsicht des brasilianischen Kurienkardinals João Braz de Aviz tagte. Das Motto lautete „Renewing Our Vision, Embracing Our Future“ (Unsere Vision erneuern, unsere Zukunft begrüßen). 18 Jahre nach dem Ende der Amtszeit von Giacomo Bini haben die Minderen Brüder wieder einen Italiener an die Spitze gestellt. Der Generalminister leitet den Orden für sechs Jahre. Der 58 Jahre alte Fusarelli folgt damit dem US-Amerikaner Michael Anthony Perry nach. Mit gut 13 000 Mitgliedern sind die Franziskaner der drittgrößte Männerorden der katholischen Kirche. Fusarelli wird während seiner Zeit als Generalminister außerdem eine besondere Ehre zuteil: Im Jahr 2026 steht der 800. Todestag des Ordensgründers an.

Papst Franziskus übermittelt Glückwünsche

Papst Franziskus übermittelte seine Glückwünsche und schrieb, der Heilige Franz von Assisi möge ihn in der Führung seiner Brüder „ermutigen“. Fusarelli erblickte darin eine „große Unterstützung“ und sprach kurz nach seiner Ernennung davon, dass er hoffe, den Heiligen Vater bald fragen zu können, was er von den Franziskanern in Zukunft erwarte. Das Zauberwort des pastoralen Stils dürfte Papst und Generalminister einen.

Fusarelli wurde am 30. März 1963 in Rom geboren und wuchs dort auf. Die Franziskaner lernte er in der Kirche Santa Maria Maggiore in Tivoli kennen, die aufgrund ihrer Betreuung durch den Orden auch als „San Francesco“ tituliert wird. Dort verstärkte sich der Wunsch nach einem Leben gemäß der franziskanischen Regel. 1982 trat er in den Franziskanerorden ein, 1983 legte er die zeitlichen, 1989 die feierlichen Ordensgelübde ab. Nach seinem Noviziat studierte er Philosophie und Theologie an der ordenseigenen Hochschule, dem Antonianum in Rom. Anschließend wechselte er zum Augustinianum, wo er seinen Schwerpunkt auf die Patristik legte. Zurück am Antonianum lehrte er dieses Fach von 1991 bis 1996. Es folgten verschiedene Ämter und Funktionen im Franziskanerorden, so etwa in der Berufungspastoral oder als Generalsekretär für Ausbildung und Studien des Ordens.

Der neue Generalminister lebte in Wohncontainer

Eine Zäsur bedeutete die vierjährige Seelsorge in der römischen Peripherie, wo Fusarelli sich von 2009 bis 2013 karitativ engagierte. Die dortigen Begegnungen „haben mein Herz geöffnet und mich zugänglicher gemacht“, sagt der Franziskaner im Rückblick. Dasselbe gelte für die Menschen, die er 2016 und 2017 nach dem Erdbeben in Amatrice betreut habe. Die Erfahrung sei ein sehr wichtiger Übergang gewesen, den er nicht vergessen könne: es sei ein „Geschenk“ gewesen, dass die Einwohner von Amatrice und Accumoli dazu beigetragen hätten, dass er „erreichbarer“ als früher geworden sei. Damals hatte der Franziskaner in dem Wohncontainer Santa Giusta gelebt, gearbeitet und gebetet. Das Provisorium erhielt später den Namen „Convento di plastica“ (Plastikkonvent). Denselben Geist habe er dann auch in seiner Arbeit mit Jugendlichen und Migranten in Trastevere behalten. „Ich trage das Gehörte all dieser Realitäten, all dieser Personen, all dieser Leben mit mir. Es sind viele Erfahrungen, wie etwa die als Pfarrer von San Francesco a Ripa, die mich gelehrt haben, dass ich nicht mit Abstraktionen oder vorgefertigten Ideen weitergehen kann, sondern sehr nah am Leben und an der Realität bleiben und zuhören muss, um zu verstehen, wie der Heilige Geist arbeitet.“

"Der Hl. Geist ist der Generalminister. Nicht ich"

Die Nachfrage, ob sich in diesem Engagement für Junge, für Familien, Migranten oder die „Ränder“ schon das Programm der nächsten Jahre abzeichne, verneinte Fusarelli jedoch. Es handele sich bei diesen Erfahrungen vielmehr um eine „Satteltasche“, die der Römer am Anfangspunkt eines langen Weges mit sich führe – „zusammen mit der Bibel, mit den Schriften des Franz von Assisi und anderen Büchern, und mit Erzählungen und Gedichten, die mich schon lange begleiten“. Ohnedies sei eine solche Mission ohne die Brüder nicht denkbar. Fusarellis Arbeit in der Armenfürsorge sollte nicht das Bild eines Pastors aus sozialen Brennpunkten evozieren, der für die Leitung einer weltweiten Organisation wie dem Franziskanerorden nur wenig Erfahrung mit sich bringt. So wurde Fusarelli etwa im Jahr 2013 ausgewählt, um als Mediator bei der Zusammenlegung der sechs norditalienischen Franziskanerprovinzen zu einer einzigen zu vermitteln. Vor einem Jahr wurde in seiner eigenen Provinz (Latium-Abruzzen) zum Provinzialmeister und zum Präsidenten der italienischen Provinzialenkonferenz gewählt.

Dass die Franziskaner mit Fusarelli einen Diplomaten bestellt haben, zeigt sich auch daran, dass er nicht nur ein Interview auf Italienisch gab, sondern sich in einem zweiminütigen Video via EWTN auch auf Englisch zu Wort meldete. Dort betonte er auf nochmalige Nachfrage, was er als Generalminister plane: „Franz von Assisi pflegte zu sagen: Der Heilige Geist ist der Generalminister unseres Ordens. Nicht ich.“

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