Mossul/Dohuk

Die Kirche im Irak trotzt Terror, Armut und Diskriminierung

Im biblischen Zweistromland Irak ringt eine leidgeprüfte, alte Kirche um die Präsenz der Christen.
Zerstörungen in Mossul
Foto: Stephan Baier | Viele Christen wollen nach Mossul oder in ihre Dörfer in der Ninive-Ebene zurückkommen, aber es fehlt an Häusern und Jobs. Die Regierung in Bagdad macht kaum Geld für den Wiederaufbau locker.

Nach zwei Jahrzehnten voll Krieg, des Bürgerkriegs, alltäglichem Terror und islamistischer Übergriffe leben heute nur mehr 250.000 Christen im Irak. Vor der US-Invasion von 2003 waren es rund 1,5 Millionen. Die meisten Christen im Zweistromland suchen mittlerweile in der nordirakischen Autonomen Region Kurdistan Schutz und Zuflucht vor schiitischen Repressalien, Willkür und Chaos im Rest des Irak.

Zerstörungen in Mossul

 

In Bagdad regiert die Korruption

In Mossul haben die Terrorjahre des „Islamischen Staates“ und die Bomben der amerikanischen Luftstreitkräfte eine Trümmerlandschaft hinterlassen. Nur 50 christliche Familien wagten sich seither in die Millionenstadt zurück, in der zuvor 50.000 Christen lebten. „Dieser Boden ist getränkt vom Blut der Märtyrer“, sagt der chaldäisch-katholische Erzbischof Michael Najeeb Moussa, im Gespräch mit der „Tagespost“. Einer dieser Märtyrer war sein Vorgänger, der 2008 von Al-Kaida-Terroristen entführt, gefoltert, geköpft und auf einer Müllhalde entsorgt wurde.

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Die Bevölkerung Mossuls ist durch den IS-Terror traumatisiert. Alle Christen und Muslime wurden vertrieben, aber auch fast jede muslimische Familie hat Terroropfer zu beklagen. Man wolle die Vergangenheit nicht thematisieren, lebe heute aber friedlich nebeneinander, so der Erzbischof von Mossul. Er beginnt mit Hilfe kirchlicher Hilfswerke den Wiederaufbau: „Wenn die Kirchen restauriert werden, wenn Kirchtürme und Kreuze wieder sichtbar sind, dann gewinnen die Menschen das verlorene Vertrauen zurück und wagen die Rückkehr“, so hofft er.

Viele Christen wollen nach Mossul oder in ihre Dörfer in der Ninive-Ebene zurückkommen, aber es fehlt an Häusern und Jobs. Die Regierung in Bagdad macht kaum Geld für den Wiederaufbau locker. Die Korruption frisst den Haushalt auf. Katholische Hilfswerke wie Oeuvre d’Orient, Kirche in Not und Initiative Christlicher Orient (ICO) sorgen für den Aufbau von Pfarrhäusern, Kindergärten, Sozialzentren und Wasseraufbereitungsanlagen, besorgen Traktoren, Minibusse und Generatoren für die christlichen Dörfer. Sicherheit können sie den Menschen im Norden des Irak jedoch nicht bieten.  DT/sba

Lesen Sie ausführliche Berichte und Reportagen aus Mosul und dem irakischen Kurdistan in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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