Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Herzogenrath

Aachener Pfarrer Rodheudt: Motu proprio ist „brutal“ und voller Unstimmigkeiten

Als „rigides Machtwort“ bezeichnet der Aachener Pfarrer Guido Rodheudt das neue Motu proprio des Papstes. Der Text trage geradezu „diktatorische Züge“.
Alte Messe
Foto: Traditional Latin Mass Society | Nach Ansicht Rodheudts, der einer „Gemeinschaft dreier Gemeinden“ in Herzogenrath an der deutsch-niederländischen Grenze vorsteht, werde Traditionis custodes von der „nicht haltbaren These“ getragen, dass der „Alte ...

Der Aachener Pfarrer Guido Rodheudt sieht im neuen Motu proprio von Papst Franziskus, „Traditionis custodes“, eine „Beschädigung der Autorität des Papsttums“. Denn in dem Erlass, so Rodheudt auf Anfrage dieser Zeitung, promulgiere der Papst „ex officio“ das reine Gegenteil seines Vorgängers. „Niemand, der sich mit den Dingen länger beschäftigt hat und die Erfahrungen der letzte 14 Jahre gesammelt hat, kann diesen brutalen und alles andere als ,zärtlichen‘ Text des Papstes nachvollziehen, der Unstimmigkeiten und geradezu diktatorische Züge an sich trägt.“

Lesen Sie auch:

Rodheudt: "Alter Ritus" spaltet nicht

Nach Ansicht Rodheudts, der einer „Gemeinschaft dreier Gemeinden“ in Herzogenrath an der deutsch-niederländischen Grenze vorsteht, werde Traditionis custodes von der „nicht haltbaren These“ getragen, dass der „Alte Ritus“ spalte. Das reine Gegenteil sei jedoch der Fall, und auch empirisch belegbar. „Denn die Gläubigen finden ja in der Regel eben nicht das im Novus Ordo, was Papst Franziskus voraussetzt: die Einheit der liturgischen Form als einheitsstiftend für den Glauben und die Praxis der Kirche.“

Vielmehr würden die Gläubigen ein mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht begründbares, „höchst pluriformes Mischmasch aus in der Regel schlecht inszenierten Subjektivismen“ vorfinden. Für die Gläubigen, denen eine Glaubenspraxis auf dem Boden der Einheit der Lehre und Tradition der Kirche wichtig sei, gebe es laut Rodheudt in der „realen Liturgolandschaft“ der Pfarreien in der Regel keine Entsprechung.

Mann kann die Wahrheit nicht "musealisieren"

Darüber hinaus beklagt der Aachener Pfarrer, dass es die gängige missbräuchlich-subjektivistische liturgische Praxis sei, die die Kirche in die Spaltung gebracht habe. Die „Alte Messe“ sei durch das vom emeritierten Papst Benedikt XVI. erlassene Motu proprio Summorum Pontificum keineswegs das Reserat von Nostalgikern geworden, „sondern der Zufluchtsort von Gläubigen, die eine objektiven und von Überraschungen sicheren Hafen der Glaubensfeier gesucht haben“. Dass dies vor allem bei jungen Suchenden attraktiv geworden sei, scheine Papst Franziskus zu stören, meint Rodheudt.

Traditionis custodes bezeichnet Rodheudt zudem als „rigides Machtwort“, das mitnichten die Einheit fördern werde. „Man kann die Wahrheit nicht musealisieren“, so der Pfarrer. Stattdessen wünsche er sich, dass „die Gläubigen, die sich genau davon ansprechen lassen, nicht verzagen, sondern ihrem Gewissen folgen“.  DT/mlu

Weitere Hintergründe zum Motu proprio Traditionis custodes erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Meldung Gläubige Papst Franziskus Pfarrei Pfarrer und Pastoren Traditionis custodes Zweites Vatikanisches Konzil

Weitere Artikel

Ein Gespräch mit Pater Matthias Gaudron von der Priesterbruderschaft St. Pius X. und Pater Sven Leo Conrad von der Petrusbruderschaft über das, was Traditionalisten trennt und eint.
01.07.2026, 17 Uhr
Regina Einig Benjamin Leven

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
16.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock