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Papst spricht im Zusammenhang mit Gaza von „Völkermord“

Unter Verweis auf „einige Experten“ fordert Franziskus, dass untersucht werden müsse, ob die Genozid-Definition erfüllt sei. Widerspruch kam prompt.
Papst Franziskus sorgt mal wieder für einen Aufreger
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Sorgt mal wieder für einen Aufreger: scheinbar hält der Papst es zumindest nicht für ausgeschlossen, dass in Gaza ein Völkermord stattfindet.

Wieder hat Papst Franziskus mit einer politischen Äußerung für Aufsehen gesorgt und Widerspruch geerntet. Eine Formulierung, die offen lässt, ob es sich bei der israelischen Kriegsführung im Gaza-Streifen möglicherweise um einen Genozid am palästinensischen Volk handele, rief deutliche Proteste von Juden in aller Welt und der israelischen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom hervor. Allerdings äußerte sich der Papst am Wochenende nicht selber direkt zu diesem Thema. Vielmehr hat die italienische Tageszeitung  „La Stampa“ am Sonntag Auszüge aus einem neuen Buch veröffentlicht, das Papst Franziskus zum Heiligen Jahr 2025 herausgeben wird.

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Den Band „Die Hoffnung enttäuscht nie. Pilger auf dem Weg zu einer besseren Welt“ hat Hernán Reyes Alcaide für die „Edizioni Piemme“ betreut. Er erscheint in Italien, Spanien und Lateinamerika und anschließend in verschiedenen anderen Ländern. Darin macht sich der Papst Gedanken über die Familie, die Bildung, die sozio-politische und wirtschaftliche Situation des Planeten, die Migration, die Klimakrise, die neuen Technologien und den Frieden. Ob der Vorabdruck mit dem Vatikan abgesprochen war und warum ausgerechnet der Absatz über den Gaza-Streifen jetzt schon erschien, ist noch offen. Das Medien-Dikasterium des Vatikans hat noch nicht Stellung genommen.

„Merkmale eines Völkermords“

In der nun bekannt gewordenen Passage spricht Franziskus mit seinem Gegenüber über die aktuellen Kriege in der Welt. Er sagt: „Die immer noch offene Wunde des Krieges in der Ukraine führte dazu, dass Tausende von Menschen ihre Heimat verließen, insbesondere in den ersten Monaten des Konflikts. Wir haben aber auch die uneingeschränkte Aufnahme vieler Grenzländer erlebt, wie im Fall von Polen. Ähnliches hat sich im Nahen Osten ereignet, wo die offenen Türen von Ländern wie Jordanien oder dem Libanon weiterhin die Rettung für Millionen von Menschen sind, die vor den Konflikten in der Region fliehen: Ich denke dabei vor allem an diejenigen, die den Gaza-Streifen inmitten der Hungersnot verlassen, die ihre palästinensischen Brüder und Schwestern angesichts der Schwierigkeit, Lebensmittel und Hilfsgüter in ihr Gebiet zu bringen, getroffen hat.“

Dann folgt der umstrittene Satz: „Einigen Experten zufolge weist das Geschehen in Gaza die Merkmale eines Völkermords auf. Es sollte sorgfältig untersucht werden, um festzustellen, ob es die von Juristen und internationalen Gremien formulierte technische Definition erfüllt.“ Mit dieser Bemerkung landete der Papst am Montag auf den Titelseiten zahlreicher italienischer Zeitungen. Die Auschwitz-Überlebende und Buchautorin Edith Bruck distanzierte sich von der päpstlichen Einschätzung, nannte das Geschehen im Gaza-Streifen jedoch eine „Tragödie“. Von einem „Genozid zu sprechen halte ich für übertrieben.“ Aber sie kenne den Papst. Italienisch sei nicht seine Muttersprache. Vielleicht habe er eine Formulierung gewählt, die missverständlich war. (DT/gho)

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