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Österreichs Kirche trauert um Benedikt XVI.

Erzbischof Lackner: Benedikts Vermächtnis bleibt seine Liebe zur Kirche und ihrer Lehre.
Kirche in Österreich trauert um verstorbenen Papst Benedikt XVI.
Foto: Daniel Karmann (dpa) | Kirche in Österreich trauert um verstorbenen Papst Benedikt XVI.

Mit „Trauer, aber auch mit großer Dankbarkeit für die vielen Jahre, die er in dieser Welt und in der Kirche wirkte“ habe er „die Nachricht vom Tod unseres emeritierten Heiligen Vaters Benedikts XVI. aufgenommen“, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Er hatte Benedikt XVI. vor wenigen Tagen, am Ende des österreichischen Ad Limina-Besuchs im Kloster Mater Ecclesiae besucht. „Seine Stimme war schwach, seine Aufmerksamkeit jedoch groß. Die Themen unseres Gesprächs waren Philosophie, Theologie und die Geschichte des Glaubens im Leben der Menschen“, erinnert sich Erzbischof Lackner.

Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg
Foto: Stephan Baier | Erzbischof Franz Lackner OFM.

Papst Benedikts Vermächtnis bleibe „wohl seine Liebe zur Kirche und ihrer Lehre, deren Ziel es sei, den Glauben der einfachen Gläubigen zu schützen und zu bewahren“. Benedikt XVI. hinterlasse ein gewaltiges theologisches Schrifttum. „Vieles wird wohl erst noch zu verstehen sein; dazu bedarf es jedoch, wie er es seiner Jesus-Trilogie vorausstellt, des Wohlwollens, ohne welches das Verstehen nicht möglich ist“, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. „Ihm wurden viele Aufgaben übertragen: Professor, Erzbischof, Kardinal, bis hin zum Papsttum. In all dem blieb er gläubiger Theologe, mit einem tiefen und feinen Gespür für Wahrheit.“

Schönborn erinnert an jahrzehntelange Verbundenheit

Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. gewürdigt und an ihre jahrzehntelange Verbundenheit erinnert: „Benedikt XVI. war mir als Theologe, Priester und Bischöfe ein Begleiter und Vorbild. Nun darf er, die Freundschaft Jesu, die er verkündet hat, in Fülle erfahren.“

Der Wiener Stephansdom, Kathedralkirche Wiens und zugleich Wahrzeichen Österreichs, erhielt am Samstagmittag eine Trauerbeflaggung. An der Westfassade der Kathedrale wurde eine 18 Meter lange Fahne in den Kirchenfarben Gelb-Weiß und ein sechs Meter langer Trauerflor aufgehängt. Nach Bekanntwerden der Nachricht vom Tod des emeritierten Papstes läutete am Samstagvormittag die größte Glocke des Wiener Stephansdoms, die „Pummerin“ fünf Minuten lang. Die Glocken aller anderen Domkirchen Österreichs stimmten in das Trauergeläut ein.

Charismatischer Papst mit Tiefgang und Souveränität

Der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl würdigte die erste Ansprache Benedikt als Papst: „Ich erinnere mich gut an die Amtsübernahme von Benedikt XVI. Er sei ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn, sagte er damals; ein Eingeständnis seiner Demut und Endlichkeit ablegend.“ Benedikt XVI. sei „ein großartiger Theologe, der uns viele interessante Gedanken und Bücher hinterlassen hat“, gewesen.

Der emeritierte steirische Bischöfe Egon Kapellari, der mit Joseph Ratzinger über Jahrzehnte in engem Austausch stand, meinte am Samstagmittag: „Benedikt XVI war ein unbestreitbar großer Theologen und geistiger Meister aus Deutschland. In seiner Biografie stehen die Begriffe Größe und Grenze in Spannung.“ Als Theologe, Kardinal und Papst habe Benedikt gegen einen von manchen Beobachtern festgestellten Abschied der Welt vom Christentum gewirkt, „und zwar in komplementärer, sich ergänzender Form zu seinem Nachfolger, Papst Franziskus“. Mit seinen prophetischen Gesten, etwa dem Gebet zu Beginn der Corona-Zeit auf dem leeren Petersplatz, entspreche Papst Franziskus einem zentralen Anliegen Benedikts, so Bischöfe Kapellari.

Als einen der größten Theologen unserer Zeit sowie „charismatischen Papst mit Tiefgang und  Souveränität“ hat der Kärntner Bischöfe Josef Marketz den verstorbenen Benedikt XVI. gewürdigt. Der seit 2013 emeritierte Papst habe in seinem Leben als Lehrender, Kardinal und Kirchenoberhaupt beeindruckt, „durch seinen hohen Intellekt und seine brillante Formulierungskunst, stets geprägt durch Sachlichkeit“. Gleichzeitig sei sein Wesen geprägt gewesen durch Herzlichkeit, Wärme und tiefsinnigen Humor.  DT/sba

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