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Der Vatikan wirbt um China

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hofft auf Ständige Vertretung des Papstes in Peking. Franziskus beteuert Staats-Loyalität der chinesischen Katholiken.
Pietro Parolin und Joseph Shen
Foto: IMAGO/ALESSIA GIULIANI / ipa-agency.ne (www.imago-images.de) | Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, hier im Gespräch mit dem Bischof von Shanghai, Joseph Shen, hofft auf eine diplomatische Vertretung des Vatikans in China.

Im kommenden Herbst läuft das Abkommen aus, das der Vatikan und die Volksrepublik China 2018 über die Ernennung von Bischöfen im „Reich der Mitte“ abgeschlossen haben und das 2020 und 2022 erneuert wurde. Und Rom hat großes Interesse daran, dass die Vereinbarung bestehen bleibt. „Wir sind alle daran interessiert, dass das Abkommen erneuert werden kann und dass einige Punkte weiterentwickelt werden können“, meinte jetzt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der zudem die Bitte des Vatikans um die Eröffnung einer päpstlichen Vertretung in Peking bekräftigte.

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„Wir hoffen seit langem“, so der engste Mitarbeiter von Papst Franziskus, „eine stabile Präsenz in China zu erhalten, auch wenn sie zunächst nicht die Form einer Apostolischen Nuntiatur, haben wird, aber auf jeden Fall die Kontakte verstärken soll und dann auch eine andere Form haben kann“. Parolin fügte hinzu, dass die „Anerkennung der chinesischen Bischofskonferenz“ zum jetzigen Zeitpunkt „ein Diskussionsthema“ sei, das „alle chinesischen Bischöfe einschließt“. Aber es sei ein Thema, „an dem noch gearbeitet wird“. Gegenwärtig gibt es in der Volksrepublik China eine von der Regierung, nicht aber vom Vatikan anerkannte Bischofskonferenz, denn die von Rom, nicht aber von Peking anerkannten chinesischen Bischöfe sind aus dieser Konferenz ausgeschlossen. 

Konferenz im Rom

Kardinal Parolin äußerste sich am Rande einer internationalen Konferenz, die jetzt an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom stattfand, um des 100. Jahrestages der chinesischen Synode zu gedenken, die im Mai und Juni 1924 in Shanghai stattfand. An der Konferenz nahm der Bischof von Shanghai, Joseph Shen Bin, teil, der mit mehreren chinesischen Wissenschaftlern wie Zheng Xiaoyun, dem Präsidenten des Instituts für Weltreligionen der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, Liu Guopeng, einem Forscher desselben Instituts, und Tan Lizhu vom Zentrum für das Studium der katholischen Theologie begleitet wurde.

Weitere Redner waren Kardinal Luis Antonio Tagle, Propräfekt des Dikasteriums für die Evangelisierung, und Professor Agostino Giovagnoli von der Gemeinschaft Sant'Egidio. Anwesend waren die Kardinäle Lazzaro You und Beniamino Stella, die Erzbischöfe Claudio Maria Celli und Fortunatus Nwachukwu sowie Bischof Juan Ignacio Arrieta sowie zahlreiche beim Heiligen Stuhl akkreditierte Botschafter, etwa aus Japan, Australien und Korea. 

Papst lobt chinesische Katholiken

Während der Konferenz lobte Papst Franziskus den Beitrag der chinesischen Katholiken zur Harmonie im sozialen Zusammenleben Chinas, denn „diejenigen, die Jesus folgen, lieben den Frieden und wirken mit denen zusammen, die für den Frieden arbeiten – und das in einer Zeit, in der wir unmenschliche Kräfte sehen, die das Ende der Welt anscheinend beschleunigen wollen“.
Parolins Rede konzentrierte sich auf die Figur von Celso Costantini, dem ersten Apostolischen Delegaten in China und dem Initiator der chinesischen Synode vor 100 Jahren. Der Kardinal hob Costantinis prophetisches Bemühen um die „Inkulturation“ des Glaubens in der chinesischen Welt hervor, indem er auch die Bildung eines einheimischen Klerus förderte, der für Bischofsernennungen in Frage kam.

Direkter Dialog angestrebt

Wichtig sei für Costantini auch der „direkte Dialogs“ mit den chinesischen Behörden gewesen, ohne die interessierte Vermittlung der Kolonialmächte, in erster Linie Frankreichs, um „die gegenseitigen Vorurteile zu überwinden, insbesondere was den vermeintlich politischen Charakter der katholischen Missionstätigkeit betrifft“. Parolin machte sich schließlich die Worte Costantinis zu eigen, mit denen er feststellte, dass „der Gehorsam gegenüber dem Papst der Liebe, die jeder seinem Land schuldet, nicht nur nicht schadet, sondern sie läutert und belebt“. Das gelte auch heute. Der Papst „möchte, dass die chinesischen Katholiken ihr Land lieben und die Besten unter seinen Bürgern sind“. Der Papst „liebt China“, eine „edle und große Nation“, und „stellt diese nicht hinter irgendeinen anderen zurück“.

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