Der Applaus der Genossen nach der historischen Rede Leos XIV. im spanischen Parlament ist mehr als reine Symbolpolitik oder mediterrane Höflichkeit gegenüber einem Staatsoberhaupt gewesen. Der säkulare Staat gestand gestern in Madrid seine Grenzen ein: Mögen Politiker fatale Entscheidungen in puncto Lebensschutz treffen, das Erziehungsrecht der Eltern anmaßend übergehen und die Religionsfreiheit antasten, etwa in Bezug auf das Beichtgeheimnis, die Kirche wird nicht schweigend zusehen, sondern weiter Gewissensbildung betreiben.
Leo hat einen zutiefst augustinischen Gedanken in die Praxis umgesetzt: Das Gesetz Gottes ist in das Herz jedes Menschen eingeschrieben, Gott ruft jeden durch die Stimme des Gewissens. Letztere kann durch strategische Überlegungen und persönlichen Ehrgeiz überwältigt werden, hier setzt der Auftrag der Kirche ein, freizulegen, was verschüttet ist.
Die Stimme der Entrechteten
Der Papst kam als Seelsorger zu den Genossen und gab als guter Hirte zugleich allen eine Stimme, deren Rechte auf dem politischen Schlachtfeld untergehen: Ungeborenen, Alten, Kranken, Familien, gläubigen Katholiken. Er folgte damit der Spur Papst Benedikts, der weiland im Deutschen Bundestag die Bedeutung des Naturrechts entfaltet hatte. In souveräner Demut unterließ er anbiedernde Anklagen der Institution Kirche. Im Gegenteil: Er erwähnte namentlich die katholischen Könige Fernando und Isabel, deren Lebensleistung von der politischen Linken regelmäßig diskreditiert wird.
Auch die Schule von Salamanca, deren Denker ihrer Zeit weit voraus waren, rief er den Parlamentariern in Erinnerung: Wenn es um die Menschenwürde ging, war die Kirche immer vorne, so die Quintessenz dieser Ansprache. Wohlfeiler Kritik an der Missionierung Amerikas durch die spanische Krone wurde künftigen Geschichtsbuchautoren hier elegant entzogen. Wer könnte die religiöse und gesellschaftliche Bedeutung jener Epoche besser einschätzen als der Papst, der Lateinamerika genau kennt und selbst in Peru missionierte?









