Stuttgart/Kürten

Katholische Publizisten stellen sich hinter Frankfurter Erklärung

Ein Mitglied der Vereinigung kritisiert den Schritt als kirchenpolitische Instrumentalisierung. GKP-Vorsitzender Joachim Frank weist dessen Vorwürfe zurück.
phil.COLOGNE - Joachim Frank
Foto: Horst Galuschka (dpa) | Der Jouranlist und Vorsitzende der Gesellschaft Katholischer Publizisten, Journalist Joachim Frank, unterstützt die "Frankfurter Erklärung" und erntet damit Protest aus den eigenen Reihen.

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) stellt sich hinter die „Frankfurter Erklärung“ zum Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland. Das geht aus der Pressemitteilung der Vereinigung vom Mittwoch hervor. „Als katholische Publizistinnen und Publizisten sehen wir in den Reformanliegen des Synodalen Weges notwendige Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal und wesentliche Beiträge für die Zukunftsfähigkeit der Kirche in unserem Land“, sagte der GKP-Vorsitzende Joachim Frank, und erntete für diese Mitteilung Widerspruch aus den eigenen Reihen.

Widerspruch zur freien und unabhängigen journalistischen Arbeit

Karl-Olaf Bergmann, selbst Mitglied der GKP, stellt sich entschieden gegen diesen Beschluss. „Ich lehne diesen Antrag ab und distanziere mich vom Ergebnis der Abstimmung“, schreibt er in einer Email an die Vereinigung. Er sieht in der Pressemitteilung „eine kirchenpolitische Instrumentalisierung der Gesellschaft im Kontext des Synodalen Weges in Deutschland“.  Gegenüber der Tagespost erklärte Bergmann, die "Frankfurter Erklärung" nehme das Ende des Synodalen Weges vorweg, wenn Beschlüsse umgetzt würden, bevor der Prozess überhaupt geendet habe.

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Auch aus journalistischen Gesichtspunkten sei dieser Schritt skandalös. Denn „Journalisten, die sich parteiisch machen, stellen jede weitere kritische und objektive Begleitung eines Ereignisses wie des Synodalen Weges in Abrede“. Das stehe im Widerspruch zur freien und unabhängigen journalistischen Arbeit, so Bergmann.

Nur 7,5 Prozent der Mitglieder waren anwesend

Zudem stelle die Vereinigung die Abstimmung so dar, als hätte sie einmütig beschlossen, sich hinter die „Frankfurter Erklärung" zu stellen. Dabei seien nur 39 von 520 Mitglieder bei der Versammlung anwesend gewesen, das sind 7,5 Prozent. Ein Großteil habe gar nicht mit abstimmen können, er selbst sei auch verhindert gewesen ist. Eine Online-Abstimmung sei nicht vorgesehen gewesen. 

Dem setzt Joachim Frank, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist, entgegen, dass jedes Mitglied fristgerecht 14 Tage vor Sitzungsbeginn „die Tagesordnung und alle Anträge“ zur Durchsicht erhält. Gegenüber der Tagespost erklärte er: „Jeder kann sich rechtzeitig vor der Versammlung mit den Inhalten befassen, um die es in der Versammlung gehen und über die abgestimmt wird." Wer an der Versammlung nicht teilnehmen kann, habe die Möglichkeit, seine Stimme auf ein anwesendes Mitglied übertragen zu lassen. So könne ein Anwesender im Namen des Abwesenden abstimmen. „Bergmann hätte außerdem noch die Möglichkeit gehabt, einen Antrag auf geheime Wahl zu stellen“, kontert Frank. 

Beschlussfähigkeit ist unabhängig von der Zahl der Anwesenden

Dies sei weder Bergmann noch anderen Mitgliedern bekannt gewesen. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Bergmann: „Das Bewusstsein darüber, dass es so eine Option gibt, war nicht da.“ Dies sei nie kommuniziert worden. Laut Satzung war die Versammlung am Sitzungstag trotz der nur 39 Anwesenden beschlussfähig. Denn die Beschlussfähigkeit ist „unabhängig von der Zahl der Erschienenen“.

Die „Frankfurter Erklärung“ ist am 10. Februar von Mitgliedern der Synodalversammlung vorgestellt worden. Wer diese Erklärung unterzeichnet, verpflichtet sich, „nachvollziehbar in das Leben der katholischen Kirche in Deutschland eingreifen“, heißt es in der Mitteilung der GKP. Zu den Anliegen der Erklärung zählen neben der Missbrauchsbekämpfung zentrale Anliegen des Synodalen Weges wie Geschlechtergerechtigkeit.

Die Initiatoren der „Frankfurter Erklärung“ waren Gabriele Klingberg, Vorsitzende des Bundesverbands der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen, Johannes Norpoth, Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, und Dr. Gregor Maria Hoff, Professor für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie an der Paris-Lodron-Universität Salzburg.  DT/dsc

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