Offenbarung

Diskurs schlägt Offenbarung?

Der Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping analysiert das Magnus Striets Buch „Für eine Kirche der Freiheit“
Selbst die Sätze des Credo scheinen Magnus Striet nicht mehr tragfähig zu sein.
Foto: Tyler Orsburn (KNA) | Selbst die Sätze des Credo scheinen Magnus Striet nicht mehr tragfähig zu sein.

Glaube sei mehr als daraufsetzen, dass die Offenbarung Gottes möglicherweise wahr ist, entgegnet Hoping dem Theologen Magnus Striet in seinem Beitrag für die Beilage „Welt & Kirche“. Striet sei der Ansicht, Theologie als Wissenschaft sei nur als kritische Reflexion einer möglicherweise ergangenen Offenbarung eines denkbaren Gottes, von dem Menschen hoffen, dass er existiert. „Gott“ sei ein Projektionswort. Bei Striet sei Offenbarung deshalb Interpretation historischer Ereignisse. Und darüber, was als mögliche Offenbarung gelten kann, entscheide nach Striet das Prinzip der Freiheitsautonomie im Sinne freier Selbstbestimmung.

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Gott ist für Striet unsicher geworden

Hoping hält dagegen, dass Glauben mehr sei, „als daraufzusetzen, dass die Offenbarung Gottes möglicherweise wahr ist“. Für Striet sei aber selbst „der im Credo angesprochene ein unsicherer Kandidat“ geworden, um die „Rolle des Absoluten“ zu besetzen. Denn in der Moderne schwinge in jedem Amen ein If only mit. Hoping erläutert, dass Striet nach Karl-Heinz Menke einen Libertarismus vertrete. Dahinter stehe die „Auffassung, wonach Gott das Gute tut – nicht, weil er wesenhaft gut, sondern weil er absolut frei ist. […] Wie Gottes Willen nicht an seine Natur gebunden sei, so die Freiheit des Menschen nicht an eine vorgegebene Wahrheit Gottes.“

Hoping kritisiert weiter Striets These, Theologie gebe es „nur im Plural“ verschiedener „theologische[r] Optionen“. Laut Striet müsse man argumentativ aushandeln, was als authentischer Glaube gelten könne – vergleichbar mit diskursiven Prozessen in säkularen, liberalen Demokratien. Zudem werfe Striet Hopings Theologie vor, sie habe ihren Ursprung in einem „anthropologischen Pessimismus“. Der Freiburger Dogmatiker verteidigt sich damit, im Gegensatz zu Striet an einer Soteriologie festzuhalten, die davon ausgehe, dass der Sohn Gottes für die Sünden der Menschen gestorben sei: „Das moderne Freiheitsdenken – meint Striet - erzwinge die Verabschiedung der kirchlichen Lehre vom peccatum originale. Weil es laut Hoping für Striet keine irreversiblen Lehrentscheidungen der Kirche geben könne, müsse dieser sich mit Fragen wie der Verbindlichkeit von „Ordinatio sacerdotalis“ nicht beschäftigen. In der Folge könne es für Striet zu der Öffnung aller Weiheämter für Personen jedweden Geschlechts, also auch für queere Personen, keine Alternativen geben. DT/sdu

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