Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kardinal Müller im Interview

Die Tragik des römischen Schweigens

Kardinal Gerhard Müller bedauert, dass der Vatikan den Synodalen Weg falsch eingeschätzt hat und auf dessen Ergebnisse jetzt nicht reagiert.
Kardinal Müller bedauert, dass der Vatikan den Synodalen Weg falsch eingeschätzt hat
Foto: Johannes Neudecker (dpa) | Ein hartes Urteil fällt der Kardinal zu den vom Synodalen Weg in Deutschland beschlossen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare: Diese Entscheidung sei „ungültig und inhaltlich häretisch“.

Als eine „Stunde großer Tragik“ bezeichnet Kardinal Gerhard Müller die mit dem Synodalen Weg in Deutschland entstandene Situation in der Kirche. Im Interview mit dem „Tagespost“ meint der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, die zuständigen Instanzen im Vatikan hätten den ganzen Vorgang und den „Furor teutonicus“ von Anfang an unterschätzt, so dass man historische Parallelen ziehen müsse:

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„Während der Reformation war Rom durch sein Nichts- oder zu Spät-Tun mitverantwortlich war für den Abfall großer Teile der katholischen Kirche in ganz Nordeuropa. Es ist höchst bedauerlich, dass sich hier die zuständigen Stellen über die deutschen Verhältnisse Illusionen machen und ihrer Verantwortung nicht energisch genug entsprechen, das immerwährende Prinzip und Fundament der Einheit der Kirche in der geoffenbarten Wahrheit Christi zu sein“.

Feindliche Übernahme durch Bischöfe und Theologen

Der Kardinal äußert sich gegenüber dieser Zeitung auch zum synodalen Weltprozess, in dessen Zusammenhang er in einem Interview in Amerika von einer „feindlichen Übernahme“ gesprochen hatte. In der „Tagespost“ präzisiert er: „Die Synodalität ist in der Praxis der Kirche verankert. Jetzt wird der abstrahierte Begriff Synodalität zu einem Prinzip der Kirche gemacht. Man spricht dann von einer synodalen Kirche. Was allerdings sonderbar ist, da die Eigenschaften der Kirche – einig, heilig, katholisch, apostolisch – im Glaubensbekenntnis vorkommen und nicht einfach willkürlich vermehrt werden können.“ Die „feindlich Übernahme“, so Müller, würde von Bischöfe und Theologen betrieben, „die die Grundprinzipien des katholischen Glaubens nicht mehr anerkennen“.

Synodaler Weg begann mit „Verfassungsbruch“

Ein hartes Urteil fällt der Kardinal zu den vom Synodalen Weg in Deutschland beschlossen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare: Diese Entscheidung sei „ungültig und inhaltlich häretisch“, weil sie ganz klar „dem geoffenbarten Verständnis von Ehe und auch der natürlichen, vernunftbasierten Anthropologie widerspricht“.

Doch der Fehler ist für Müller am Anfang des Synodalen Wegs geschehen: „Und zwar als ausdrücklich gesagt wurde, dass Entscheidungen der Synodalen auch dann gelten, wenn sie gegen die Inhalte des katholischen Glaubens verstoßen.“ Das sei weltlich gesagt ein Verfassungsbruch. Das synodale Gremium agiere formal gar nicht auf der Höhe des Lehramtes und zum anderen könne ein Teil der Bischofskonferenzen nicht das gesamte Lehramt der katholischen Kirche repräsentieren.  DT/gho

Das ausführliche Interview mit Kardinal Gerhard Müller lesen Sie in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“ – zusammen mit einer Analyse des gegenwärtigen Stands der weltweiten römischen Bischofssynode zur Synodalität.

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