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Der Vatikan interveniert zu Recht gegen illegale Praktiken

Die Rüge aus Rom war zu erwarten. Der Brief offenbart die wahre Natur der sogenannten Reformen. Funktionärsinteressen gehen vor pastoralen Notwendigkeiten.
Arthur Kardinal Roche
Foto: IMAGO/Grzegorz Galazka (www.imago-images.de) | Arthur Kardinal Roche schrieb in seinem Brief an die deutschen Bischöfe, was diese selber hätten wissen können.

Der Brief von Kardinal Roche zu den Fragen der Predigt von Laien in der Eucharistie und der Spendung der Taufe durch Laien war erwartbar. Zu oft und zu deutlich hat sich der Vatikan, auch im Laufe der Zeit des Synodalen Weges, in diesen Fragen klar positioniert. An beiden Beispielen, der Laienpredigt und der Taufspendung, wird das doppelte Spiel deutscher Diözesen deutlich. Einerseits wird behauptet, man strebe eine partikularrechtliche Lösung an. Dazu muss eine Rechtsnorm erarbeitet werden und Rom muss diese Norm für einen genau umschriebenen Geltungsbereich genehmigen. Dann und wirklich erst dann kann ein Bischof, dessen Diözese in dem umschriebenen Bereich liegt, diese Norm als diözesanes Recht in Kraft setzen. Dann erst kann daraus eine pastorale Praxis werden.

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Schon längt üblich 

In der deutschkatholischen Wirklichkeit tun sich einige Diözesen damit hervor, Taufe durch Laien längst eingeführt zu haben. Ginge es in diesen Diözesen mit rechten Dingen zu, müsste diese Praxis nun schleunigst eingestellt werden. Gleiches gilt für die Predigten. Längst predigen haupt- und ehrenamtliche Laien in einigen Diözesen in den Eucharistiefeiern. Weder das eine noch das andere entspricht der Norm. Es ist schwer zu glauben, dass ein deutscher Bischof den Mumm hat, vermeintlich „mühsam erkämpfte Laienrechte“, die in Wirklichkeit einfach illegale Praktiken sind, wieder zu verbieten und bei Verstoß mit Sanktionen zu drohen. Die Funktionäre von Verbänden und Gremien werfen einen langen Schatten.

Das Framing der Laienfunktionäre vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, man sei in Deutschland schon weiter, kann allerdings angesichts der kirchlichen Wirklichkeit hierzulande, die man auch in Rom kennt, nur lächerlich wirken. Rom ist auch nicht einfach nur ein Gesprächspartner unter gleichen. Hat Rom gesprochen, hat sie Sache Gültigkeit. Gesprächsangebote aus Rom dienen eher dem Anliegen, den deutschen Bischöfe eine Katechese zu geben. Nötig haben sie es alle mal. Denn im Gegensatz zu Kardinal Marx‘ Einwurf beim Ad Limina-Besuch im November, sie als Bischöfe seien ja auch Lehrer im Glauben, muss man sagen, dass sie derzeit wohl leider eher Lehrer des Irrtums sind.

Es geht um Interessen

Die Rüge aus dem Vatikan hat noch eine andere Ebene. Das liturgische Formular für Taufspendung durch Laien in Abwesenheit eines Priesters ist in deutsche Liturgische Bücher gar nicht aufgenommen worden. Das ist verräterisch, zeigt es doch, dass der Episkopat in Deutschland bislang ganz offensichtlich der Ansicht war, dass genügend Priester für die Taufspendung erreichbar sind. Der Heilige Stuhl gibt ihnen darin unter Verweis auf Statistiken Recht. Man wollte seitens der Bischöfe den Laienfunktionären ein Zuckerl reichen und Rom gibt jetzt den Spielverderber. Genau darin zeigt sich der Kern der gesamten sogenannten Reformen des Synodalen Weges. Es geht gar nicht um pastorale Notwendigkeiten, es geht schon gar nicht um Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, es geht um Befriedigung von politischen Interessen der Funktionäre. Es ist gut, dass sich der Heilige Stuhl dem nicht beugt. Noch besser wäre es, würden Verstößen endlich spürbare Sanktionen folgen. Viele sogenannte Reformen haben als illegale Praktiken längst ihren Weg in die Gemeinden gefunden. Das wird man nur unter Inkaufnahme schwerer Blessuren wieder einfangen können. Wartet man noch lange, dann wird aus den Blessuren wirklich ein Schisma.

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