Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Das Ende der Illusionen

Die ZdK-Vorsitzende sorgt sich um die Zukunft der deutschen Kirchenreform. Doch „wortbrüchig“ sind nicht die Bischöfe, sondern diejenigen, die ihre Vollmacht nun nicht mehr anerkennen wollen.
Irme Stetter-Karp  fordert von Bischöfen die Finanzierung des umstrittenen Synodalen Ausschuss
Foto: Christian Ditsch via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Irme Stetter-Karp fordert von Bischöfen die Finanzierung des umstrittenen Synodalen Ausschuss und wirft kritischen Bischöfe Wortbruch vor.

Von wegen Sommerloch: Aus Kirchenperspektive könnte der Juni spannend werden. Für die deutschen Bischöfe steht Ende des Monats eine Entscheidung über die Finanzierung des „Synodalen Ausschusses“ an. Und dem Vernehmen nach ist diese alles andere als gesichert, denn für die Zuweisung von Finanzmitteln müsste im deutschen Episkopat Einstimmigkeit herrschen. Es sieht aber danach aus, als würde eine Minderheit der Bischöfe für die Einrichtung des von Rom abgelehnten Ausschusses keine Gelder bereitstellen wollen.

Lesen Sie auch:
Lesen Sie auch:

Wer ist Wortbrüchig?

„Eine überwältigende Mehrheit der Bischöfe hat auf dem Synodalen Weg für den Synodalen Ausschuss gestimmt. Wortbruch macht die Glaubwürdigkeit kaputt.“ Irme Stetter-Karp, Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sorgt sich nun folgerichtig um Erbe und Zukunft des deutschen Reformprojekts „Synodaler Weg“. Sie hat Recht. Wortbruch zerstört die Glaubwürdigkeit. Wer aber ist wortbrüchig?

Die katholische Kirche ist keine parlamentarische Demokratie, sondern – so das Zweite Vatikanum – ein Sakrament. In ihr geht nicht einfach alle Macht „vom Volke aus“. Stattdessen ist Entscheidungsgewalt stets in der Vollmacht Christi begründet. Was im Klartext bedeutet, dass die Bischöfe selbst entscheiden können, ob sie die weitreichenden Beschlüsse des zurückliegenden Synodalen Weges umsetzen. Mehrheiten mögen „überwältigend“ sein, entscheidend ist das nicht.

Autoritäres Komitee 

Diese simplen Grundsätze hat das Zentralkomitee, und mit ihm auch der Synodale Weg, lange einfach ausgeblendet. Und das, obwohl es in der Satzung des Synodalen Weges selbst unmissverständlich heißt: „Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung. Die Vollmacht der Bischofskonferenzen und der einzelnen Diözesanbischöfe, im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeit Rechtsnormen zu erlassen und ihr Lehramt auszuüben, bleibt durch die Beschlüsse unberührt.“ 

Nicht die wenigen Bischöfe, die die Mehrheitsbeschlüsse ablehnen, sind wortbrüchig. Sondern ein Zentralkomitee, das ihnen diese Freiheit nicht lassen will, und autoritär Geschlossenheit einfordert. Ihre Realitätsverweigerung droht den deutschen Laienvertretern nun auf die Füße zu fallen.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Jakob Ranke Bischof Bischofskonferenz Irme Stetter-Karp Jesus Christus Kirchliche Erneuerungen Synodaler Weg

Weitere Artikel

Fronleichnam: Warum die Kirche nur dann lebendig bleibt, wenn Christen sich von der Eucharistie erneuern lassen.
04.06.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Der Kölner Kardinal und der Nuntius warnen vor Schnellschüssen: Echte Reformen folgen dem Willen Gottes, der Führung des Papstes und dem Prinzip der Nächstenliebe.
24.02.2026, 12 Uhr
Meldung
Was als zwangloser Treffpunkt begann, zieht inzwischen Dutzende junge Menschen an: In Berlin-Schöneberg entsteht fernab kirchlicher Strukturen ein katholisches Netzwerk.
02.08.2026, 15 Uhr
José García

Kirche

Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der überlieferten Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser
Dass die katholische Kirche angesichts der Krise in Ceuta als Stimme der Vernunft wahrgenommen wird, liegt vor allem an Erzbischof Rocha. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand.
11.08.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Die Laienpredigt ist vom Vatikan nicht erlaubt. Wenn er davon erfahre, dass nicht geweihte Menschen predigten, werde er aber nicht disziplinarisch eingreifen, so der Mainzer Bischof.
11.08.2026, 06 Uhr
Meldung
Wilhelm II. besuchte 1898 Jerusalem. Was sich daraus über die religionspolitischen Ziele des Kaisers lernen lässt.
10.08.2026, 09 Uhr
Benjamin Hasselhorn
Die Exkommunikation für unerlaubte Bischofsweihen wurde 1951 auch wegen der Situation der Kirche im kommunistischen China eingeführt. Heute übt Rom gegenüber dem Land Nachsicht.
07.08.2026, 19 Uhr
Jakob Naser