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P. Anton Lässer: "Nehmt den Katechismus zur Hand, freut euch dran"

Die Tagespost sprach mit dem Ordensmann über seine Erfahrungen mit Christenverfolgung und über die Situation der Kirche in Deutschland. 
P. Anton Lässer
Foto: Peter Winnemöller | P. Anton Lässer CP spricht im Interview über Verfolgung und die Krise der Kirche als Chance.

Im Rahmen des Red Wednesday hatte der Kirchliche Assistent von Kirche in Not, P. Anton Lässer CP,  in Bad Wünnenberg im Kreis Paderborn eine Heilige Messe gefeiert und einen Vortrag über Christenverfolgung gehalten. Das Hilfswerk Kirche in Not beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema und leistet verfolgten Christen vor Ort praktische Hilfe. Die Tagespost sprach nach dem Vortrag mit dem Ordensmann. 

P. Anton Lässer, Sie sind jetzt seit Anfang des Jahres Kirchlicher Assistent des katholischen Hilfswerkes Kirche in Not. Wir haben gerade den Vortrag über die Situation verfolgter Christen gehört. Sind sie in dieser Aufgabe erstmals mit Christenverfolgung in Kontakt gekommen? 

Nein, ich habe in meinem Dienst als Priester und Ordensmann immer wieder mit verfolgten Christen zu tun gehabt. Womit ich vorher nicht konfrontiert war, ist diese globale Sicht, die auch die unterschiedlichen Ausprägungen berücksichtigt. 

"Wenn eine bestehende Freiheit
nicht genutzt wird, wenn sie nicht beansprucht wird,
dann ist sie in Gefahr. "

Hat Kirche in Not darin eine besondere Expertise? 

Das denke ich schon, denn es gibt nicht viele Werke, die so einen Einblick haben und über eine so lange Zeit beobachtet und dokumentiert haben, wie sich die Situation der Religionsfreiheit entwickelt. Dabei hat Kirche in Not im Blick, wie sich die Situation in eigenen Ländern sehr konkret entwickelt, weil wir seit Jahrzehnten dort Kontakt haben. Wir sind mit den Bischöfen vor Ort im Gespräch. Wir sind mit der Kirche vor Ort aktiv, wir unterstützen Ordensgemeinschaften. 

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Es bleibt aber nicht bei der Beobachtung?

Weil wir gemeinsam mit den Kirchen vor Ort, sehr viel Erfahrung haben, kann deshalb oft sehr schnell und direkt geholfen werden. Wir kennen die Strukturen vor Ort und wir kennen die Leute, mit denen wir zusammenarbeiten können.

Wir haben heute sehr viel über andere Regionen der Welt gehört. Doch selbst in Europa wird das Klima für Christen kälter. Es gibt Sprechverbote, in einigen Ländern darf man die Menschen unter Umständen nicht mehr mit ihrem eigentlichen Geschlecht anreden.

Wie sehen Sie die Entwicklung in Europa? Geht es da auch mehr Richtung Christenverfolgung? 

Ich würde es gerne von einer anderen Seite betrachten. Wenn eine bestehende Freiheit nicht genutzt wird, wenn sie nicht beansprucht wird, dann ist sie in Gefahr. Mein Plädoyer ist, dass Christen sich bewusst werden, dass wir hier in Europa noch eine Religionsfreiheit haben. Noch haben wir eine Gewissensfreiheit und noch haben wir das Recht auf freie Meinungsäußerung. Es kommt darauf an, diese Rechte wirklich in Anspruch zu nehmen und sich dagegen zu wehren, wenn von eine Sprachweise gefordert wird, die mit dem Gewissen nicht vereinbar ist.

Also den Mund aufmachen, auch wenn es Gegenwind gibt? 

Ja, das stillschweigende Dulden dieser Übergriffigkeit durch staatliche Ordnungen halte ich für gefährlich.

In Deutschland befindet sich die Kirche gerade in einer Phase der Beschäftigung mit sich selbst. Öffnet sie dadurch Tür und Tor für solche Übergriffigkeiten? Lädt sie damit nicht geradezu zu sanfter Verfolgung ein?

Lassen Sie es mich von einer anderen Seite her betrachten. Ich habe es vorhin gesagt, eine Kirche, die nicht missionarisch ist, also nicht den Anspruch hat, den Menschen das Evangelium zu bringen, macht dann weniger Gotteserfahrung und muss sich deshalb zwangsläufig mit sich selber beschäftigen.

Die Alternative?

Ich sehe die Arbeit, die wir bei Kirche in Not machen, als eine wirkliche Chance, auch für viele Pfarreien. Es geht darum, sich von diesem Gegensatz konservativ – progressiv, Kirche von unten - Kirche von oben zu befreien. Es geht darum, einfach das zu tun, was Jesus uns aufträgt. Alle Gerichtsreden Jesu sind mit Unterlassungen versehen. Ich war hungrig, du hast mir nichts gegeben. Ich war krank, du hast mich nicht besucht. Ich war im Gefängnis und du hast nichts für mich getan. 

Also lasst uns die Dinge tun, die wir tun können, und dann erleben wir das, was wir auch bei Kirche in Not erleben. Wir erleben so viel Glaubenszeugnisse. Wir erleben so viel Glaubensstärke bei verfolgten Christen und bei Christen, die nicht einmal das Notwendigste haben. Und das beschämt uns, wie wir oft selbstverliebt mit uns selber beschäftigt sind.

Wie kommt man dahin angesichts der zunehmenden Resignation der Kirche? 

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Also ich glaube, dass das Mitmachen bei Aktivitäten, wie wir sie hier beim Red Wednesday sehen, fruchtbar wird. Die Leute herzuholen, ihnen zu helfen eine andere Glaubenswirklichkeit zu sehen, das ist befruchtend. Das gibt uns auch einen Ausweg mehr aus der Pastoral zu tun und mehr aus dem Glaubenslicht zu leben. Es ist für das persönliche Leben schlimm, wenn ich nur noch um mich selber kreise. 

Es ist für jede soziale Größe, die inzüchtig um sich selber kreist, eine Katastrophe, weil sie ihren Auftrag für die Gesellschaft dann nicht wahrnehmen kann. Analog kann man das auch auf Kirche anwenden.

"Wir haben 2000 Jahre geronnene
Erfahrung des Menschen mit Gott."

Als nicht klagen, sondern aktiv werden?

Ja, von Jesus gesendet sein und die Sendung wahrnehmen. Dann mache ich Erfahrungen wie er es will, mit seinen Möglichkeiten, die meine bei weitem übersteigen. Da würde ich sagen: Mut haben! 

Ich sehe diese Situation in Kirche und Gesellschaft als eine wirkliche Chance. Krisen haben etwas Gutes. Jesus sagt Prüfungen müssen sein. Die Prüfung führt in die Krise und Krise kommt von Fragen oder Unterscheiden.

In der Krise muss ich mich doch entscheiden. Auf wen setze ich jetzt? Welchen Weg wähle ich jetzt. Und so liegt auch in dieser Situation eine echte Chance zu sagen Jesus – machen wir es mal konkreter, direkter und persönlicher – ich setze auf dich. Dann macht man Erfahrungen mit dem Herrn. 
Es gilt sich einfach darauf einzulassen, was er uns sagt und auf den Schatz der Kirche.

Die steht aber doch gerade in der Kritik!

Wir haben 2000 Jahre geronnene Erfahrung des Menschen mit Gott. Also haben wir doch einen Fundus. Und ich möchte allen sagen, bitte geht zu den Heiligen und den Kirchenlehrern und schaut euch an, was diese sagen. 

Wir atmen Ewigkeit, vertieft euch in das, was Glaubenswissen der katholischen Kirche ist.

Nehmt den Katechismus zur Hand, freut euch dran und schöpft aus diesem großen Schatz der Kirche. Dann habt ihr viel weniger Stress mit allen möglichen Schnapsideen. Das sagt auch der Herr: lasst euch nicht verwirren. Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.

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