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Corona-Exerzitien: Plädoyer für mehr Humor

Der Humor hilft dem Menschen eine bessere Kultur der Diskussion zu entwickeln. Chesterton kann uns ein Vorbild sein.
Gilbert Keith Chesterton
Foto: IN | Von Chesterton lernen: Mehr Humor verhilft zu fruchtbaren Gesprächen,

Krisenzeiten offenbaren den Charakter. Angesichts der Corona-Pandemie und der gegen sie ergriffenen Maßnahmen haben sich schnell zwei Lager herausgebildet (natürlich mit fließenden Übergängen zwischen ihnen): Die einen fürchten sich vor Ansteckung und begrüßen den Shutdown, die anderen beklagen dessen Kollateralschäden und halten die dahinter stehende Furcht vor Ansteckung für übertrieben. Das sind zwei Lager aufgrund verschiedener Ansichten. Das meine ich nicht. Die beiden Charaktertypen, die ich meine (mit ebenfalls fließenden Übergängen zwischen ihnen), finden sich in beiden Lagern. Man kann sie an einem Bonmot Chestertons festmachen, der einmal gesagt hat: “Die Menschen streiten im allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können.”

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Zuhören und ehrliche Absichten unterstellen

Zu einer guten Diskussionskultur gehört es, dem anderen ehrliche Absichten zu unterstellen, ihm zuzuhören, um wirklich zu verstehen, wie er es meint, und seine Argumente sachlich zu prüfen. In den scholastischen Disputationen des Mittelalters war man verpflichtet, zunächst die Argumente des Gegners zu wiederholen. Erst wenn der Gegner signalisierte, dass man seine Argumente richtig verstanden hatte, durfte man antworten. Im übrigen war es eine noble Angewohnheit des hl. Thomas von Aquin, die Argumente des Gegners möglichst stark zu machen.
Hält man sich nicht an diese Regeln, kommt es zum Streit. Niveauvolle Diskussionen sind ein Genuss, streitende Christen sind ein Trauerspiel. Wenn man bloß streitet, entzieht man sich der Mühe des Verstehenwollens. Statt dessen macht man es sich einfach, indem man z.B. mit Unterstellungen arbeitet: Wer den Shutdown verteidigt, führt die Abschaffung unserer Freiheit im Schilde, wer ihn kritisiert, frönt seinem Egoismus und geht über Leichen. Die Kirche hat dann, je nachdem wie sich dazu stellt, nur die Wahl zwischen Feigheit und Verantwortungslosigkeit.

Wer sich einbildet, den Gegner in seinen geheimen Absichten zu durchschauen, hat es nicht mehr nötig, sich mit seinen Argumenten unvoreingenommen auseinanderzusetzen. Es fehlt an gegenseitigem Respekt. Dieser Respekt ist das Mindestmaß dessen, was wir Nächstenliebe nennen.

Zu viel Streit im Netz

Das Netz und die sozialen Medien sind voll von Streit. Ich würde mir wünschen, dass Christen sich wohltuend davon abheben. Das Tragische ist, dass Streit viel Lärm macht, der Verzicht auf ihn aber eher unauffällig ist. Chesterton zeigt uns, dass man mit Humor dem gegensteuern kann. Berühmt ist seine persönliche Freundschaft mit Bernard Shaw bei gleichzeitiger ideologischer Gegnerschaft. Ihre Debatten waren bei allem Scharfsinn gewürzt mit Humor, mit dem sie sich gegenseitig liebevoll-ironisch auf den Arm nahmen. So soll Shaw zum beleibten Chesterton einmal gesagt haben: “Wenn ich so dick wäre wie du, würde ich mich erhängen.” Daraufhin Chesterton: “Ja, und dich würde ich als Strick benutzen.”

Humor ist ein enger Verbündeter der Nächstenliebe. Wer weiß, vielleicht würde es mit Humor sogar gelingen, einzelne Freundschaften zwischen Shutdowngegnern und -befürwortern zu schließen. Das wäre ein Sieg der Nächstenliebe. Und der ist wertvoller als ein Sieg der eigenen Meinung, bei der die Liebe auf der Strecke bleibt.

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