Köln

Kölner Betroffenenbeirat: Kritik an Benedikt XVI. „populistisch“

Dessen Sprecher Peter Bringmann-Henselder wirft der Münchener Anwaltskanzlei WSW „Emotionalisierung“ und „Beleidigtsein“ vor.
Papst em. Benedikt XVI.
Foto: Michael Kappeler (dpa) | "Gerade hinsichtlich des Priesters X ist doch festzustellen, dass (Friedrich) Kardinal Wetter weitaus mehr Fehlverhalten an den Tag gelegt hat“ als der damalige Erzbischof Joseph Ratzinger, so Bringmann-Henselder.

Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Kölns hat in einem Statement das Missbrauchsgutachten der Münchener Anwaltskanzlei WSW sowohl gelobt als auch kritisiert.

Durch Wertungen und Emotionalität Stimmungen erzeugt

So sei es laut Betroffenenbeiratssprecher Peter Bringmann-Henselder „problematisch“ gewesen, dass bei der Präsentation des Gutachtens „durch Wertungen und Emotionalität Stimmungen erzeugt“ worden sein, „die auch in die falsche Richtung laufen können.“ Gerade die in der Präsentation massiv in den Vordergrund gestellte Falschaussage des emeritierten Papstes Benedikt XVI., die dieser bekanntermaßen inzwischen eingeräumt und korrigiert hat, sei als „schon sehr populistisch“ zu bewerten.

Lesen Sie auch:

Bringmann-Henselder wörtlich: „Gerade hinsichtlich des Priesters X ist doch festzustellen, dass (Friedrich) Kardinal Wetter weitaus mehr Fehlverhalten an den Tag gelegt hat“ als der damalige Erzbischof Joseph Ratzinger. Nicht zu verstehen sei es zudem, „dass die Kanzlei WSW das Gutachten als Bühne nutzt, um ihr Beleidigtsein wegen des nicht veröffentlichten Gutachtens für das Erzbistum Köln darzustellen“, so der Betroffenenbeiratssprecher weiter.

Betroffenenbeirat: Kirche muss sich ändern

Lob für die Münchener Gutachter gibt es von Seiten des Kölner Betroffenenbeirates hingegen für den akribisch erbrachten Nachweis des „desolaten Zustandes der Verwaltung“ des Erzbistums München und Freising, die auffällig unterschiedliche Behandlung von Tätern – „denn ein Priester wurde sehr viel milder bestraft als ein Laie, was offensichtlich allein dem Schutz der Institution diente“ – sowie  die fehlende Organisationskultur und damit bewusst forcierte Ermöglichung von Verantwortungslosigkeit. 

Den Empfehlungen der Gutachter – wie zum Beispiel die Forderung nach Einrichtung einer Ombudsstelle, das Gewähren von Akteneinsicht für Betroffene sowie eine Stärkung der Betroffenenbeiräte – stimmt der Betroffenenbeirat ebenfalls zu und möchte diese nicht nur im Erzbistum München und Freising, sondern in allen deutschen Bistümern verwirklicht sehen. Und „wenn die Schuldigen, sofern sie noch leben, sich zu ihren Taten bekennen und bereit sind, den hinterlassenen Saustall auszumisten, wie wir das bereits im Frühjahr 2021 in den Medien gefordert haben, dann kann das nur positiv sein“, so der Kölner Betroffenenbeirat weiter.  DT/sta

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Vier Juristen haben für Benedikt XVI. die Vertuschungs-Vermutung der Münchener Anwaltskanzlei WSW und den öffentlich erhobenen Vorwurf der Falschaussage gegen den emeritierten Papst untersucht.
08.02.2022, 12  Uhr
Das Missbrauchsgutachten der Münchner Kanzlei führt Papst Benedikt vor, enthält aber keine Beweise.
27.01.2022, 09  Uhr
Guido Horst
Themen & Autoren
Meldung Erzbischöfe Erzbistum Köln Erzbistum München und Freising Kardinäle Missbrauchsbericht Erzbistum München und Freising Päpste

Kirche

Der Kampf der Systeme und ein Etappensieg für den Schutz des ungeborenen Lebens: Chefredakteur Guido Horst stellt im Video einige Themen der neuen Ausgabe der "Tagespost" vor.
29.06.2022, 17 Uhr
In seinem jüngsten Apostolischen Schreiben bekräftigt Franziskus, dass es nur eine Form gibt, den römischen Ritus zu feiern.
29.06.2022, 12 Uhr
Guido Horst
Es sei eine Häresie, dass der Patriarch aus pseudo-religiösen Gründen den brutalen Krieg in der Ukraine legitimiert, sagt Kurienkardinal Kurt Koch im "Tagespost"-Interview.
29.06.2022, 17 Uhr
Stephan Baier
Dass Kyrill aus pseudo-religiösen Gründen den Krieg in der Ukraine legitimiert, sei eine Häresie, sagt Kardinal Kurt Koch im „Tagespost“-Exklusivinterview.
29.06.2022, 08 Uhr
Vorabmeldung
Die Pandemie ist nicht der Grund für den Schwund. Mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit der Neuevangelisierung lassen den Trend ungebremst fortschreiten. 
28.06.2022, 11 Uhr
Peter Winnemöller