Erzbistum Köln

Spannungen im Erzbistum Köln nehmen zu - Update -

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in zwei Fällen gegen den Kölner Kardinal wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Ökumenisches Gebet abgesagt. 
Kardinal Rainer Maria Woelki,
Foto: Johannes Neudecker (dpa) | Die Staatsanwaltschaft prüft jetzt in zwei Ermittlungen, ob Kardinal Woelki im Zug einer presserechtlichen Auseinandersetzung mit dem Axel Springer Verlag eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben und somit ...

Die juristischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und dem Axel Springer Verlag wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Aussage ziehen weitere Kreise. Nachdem eine frühere Mitarbeiterin des Erzbistums als Zeugin vernommen worden war, hat die Staatsanwaltschaft Köln nun auch in einem zweiten Fall Ermittlungen gegen Woelki aufgenommen.

Woelki: Nur gerüchteweise von den Vorwürfen gehört

Der Stein war in der Woche vor dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom ins Rollen gekommen, nachdem eine frühere Mitarbeiterin der Personalabteilung des Erzbistums in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger eine Aussage von Kardinal Woelki in Zweifel gezogen hatte. Dabei geht es um Missbrauchsvorwürfe gegen den 2019 verstorbenen Sternsinger-Präsidenten Winfried Pilz. Die vormalige Assistentin des Personalchefs hatte geäußert, Pilz' Personalakte sei Kardinal Woelki bereits im Jahr 2015 vorgelegt worden. 2014 hatte der verstorbene Pilz, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden, einen Verweis von Woelkis Vorgänger Kardinal Joachim Meisner erhalten. Woelki hatte in einem presserechtlichen Verfahren versichert, erst im Juni 2022 mit dem Fall befasst worden zu sein.

Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob er im Zug einer presserechtlichen Auseinandersetzung mit dem Axel-Springer-Verlag eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben und somit eine Straftat begangen hat. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung geschrieben, der Kardinal habe Fakten, die gegen den Geistlichen sprachen, aus der Personalakte gekannt. Dies hatte Woelki zurückgewiesen und wegen falscher Berichterstattung geklagt.

Ein weiterer Fall

Inzwischen ist ein zweiter Fall Gegenstand von Ermittlungen. Dabei geht es um die Beförderung des Geistlichen D. zum stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdechanten im Jahr 2017. Der Priester war bereits im Jahr 2001 durch Kontakt zu einem Prostituierten aufgefallen. Zudem wurden gegen ihn in den folgenden Jahren Vorwürfe wegen Fehlverhaltens gegenüber Messdienern sowie sexuellen Missbrauchs erhoben. Kardinal Woelki hat nach eigenen Angaben nur gerüchteweise von den Vorwürfen gehört. Kürzlich erklärte die frühere Sekretärin Kardinal Meisners im Zeugenstand, sie habe Woelki bereits während seiner Amtszeit als Weihbischof über das Fehlverhalten von D. informiert. Ihre Aussage stützte sich auf persönliche Beobachtungen, nicht auf Informationen aus zweiter Hand.

Die Glaubwürdigkeit der für ihre Diskretion und Professionalität bekannten langjährigen engsten Mitarbeiterin Kardinal Meisners steht in Kölner Kirchenkreisen außer Zweifel. Ihr Rechtsbeistand, Friedrich von Westphalen, langjähriger Autor dieser Zeitung, wird die Aussage seiner Mandantin in der nächsten Ausgabe näher erläutern. Währenddessen erklärte Woelkis Anwalt, zwischen der Aussage des Kardinals, er habe den Inhalt der Personalakte des Geistlichen nicht gekannt und der Aussage der beiden ehemaligen Mitarbeiterinnen des Erzbistums bestehe kein Widerspruch. Auch die langjährige Sekretärin Kardinal Meisners sagte nicht aus, Woelki habe den Inhalt der Personalakte von Pilz gekannt. Am 7. Dezember wird ein weiterer Zeuge in dem Verfahren vor dem Kölner Landgericht aussagen.

Evangelischer Präses sagt ökumenische Adventsvesper mit Woelki ab

Der evangelische rheinische Präses Thorsten Latzel sagte unterdes die traditionelle ökumenische Adventvesper mit Kardinal Woelki ab. „Der Gottesdienst am Anfang des Advents wird durch die Ereignisse im Erzbistum Köln so überlagert, dass nicht mehr das Gebet oder die Verkündigung wahrgenommen wird, sondern nur die Frage einer Positionierung in der innerkatholischen Auseinandersetzung“, begründete ein Sprecher der rheinischen Landeskirche am Mittwoch in Düsseldorf die Absage. DT/reg

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