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Ein Studienort für die Volksfrömmigkeit

In Regensburg füllt das „Institut für religiöse Alltagskultur“ eine Forschungslücke.
Bischof Voderholzer
Foto: Bistum Regensburg + KI | Bischof Voderholzer Bischof Voderholzer segnet das Institut für religiöse Alltagskultur

Zeugnisse des gelebten Glaubens wie Rosenkränze, Medaillen, Votivtafeln, Heiligenfiguren, Hinterglasbilder oder Krippen werden mit zunehmender Entchristlichung immer weniger verstanden und geschätzt. Wenn die Glaubensweitergabe aufhört, verlieren Andachtsgegenstände ihre Bedeutung und Funktion. Auch können Sammler sogenannter religiöser „Volkskunst“ ihre Erben kaum mehr für ihre oft teuer erworbenen Objekte begeistern.

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Kürzlich hat das Bistum Regensburg ein Zeichen gesetzt: Bischof Rudolf Voderholzer übergab das „Institut für religiöse Alltagskultur“ im Rahmen einer Segensfeier seiner Bestimmung. In seiner Ansprache wies der Bischof darauf hin, dass bereits im Judentum der Alltag vom Glauben geprägt war. Es habe zwar Andachtsgegenstände gegeben, aber keine Bilder. Mit der Menschwerdung habe Gott menschliche Gestalt angenommen. Damit sei das Bilderverbot von Gott selbst außer Kraft gesetzt worden. Eine „Explosion der Kreativität“ sei die Folge gewesen. Religiöse Objekte und Bildwerke begleiten die Christen durch das Kirchenjahr und durch alle ihre Lebensabschnitte.

Bibliothek und Kurse

Maria Baumann, Leiterin der Abteilung für Kunst und Denkmalpflege, machte deutlich, dass die neue Einrichtung sich über die klassischen Aufgaben eines Museums wie Sammeln, Bewahren, Vermitteln, Ausstellen und Erforschen hinaus auch als Ansprechpartner verstehe, um durch Beratung die Wertschätzung der Zeugnisse der Frömmigkeit zu fördern. Dahinter steht die Hoffnung, dass weniger Devotionalien entsorgt würden, wenn man verstehe, welche Bedeutung sie für die Vorfahren gehabt hätten.

In der „Fachstelle religiöse Volkskunst“ wurden bisher um die zweitausend Objekte zusammengetragen, die in einem Schaudepot abwechselnd präsentiert werden sollen. Zudem versteht sich das neue Institut als Forschungszentrum. In Kooperation mit der Universität Regensburg sollen die Objekte und die Bibliothek der wissenschaftlichen Arbeit zur Verfügung stehen. Über die Sammlungsräume hinaus können in einer Werkstatt Kurse über Klosterarbeiten angeboten oder Restaurierungen vorgenommen werden.

Acht Jahrhunderte Geschichte

Zu den herausragenden Exponaten gehört eine neapolitanische Krippe, von der aus Platzgründen nur eine Kernszene aufgestellt werden kann. Der denkmalgeschützte Bau in der Schwarze-Bären-Straße in der Altstadt von Regensburg hat eine achthundertjährige Geschichte. Über einem Kellergewölbe aus dem 12. Jahrhundert erhebt sich die um 1210 errichtete Galluskapelle mit Resten von romanischen Säulen und Fresken, die im 19. Jahrhundert durch eine Zwischendecke zerstört worden sind.

Nach der Entfernung der Zwischendecke hat der Raum nun seine ursprüngliche Höhe zurückgewonnen. Hier soll ein noch in der Restaurierung befindliches barockes Heiliges Grab, ein sogenanntes Kulissengrab, dauerhaft Aufstellung finden. Einst diente der Bau unter dem Namen „Ehrenfelser Hof“ dem Kloster Rott als Stadthaus

. Im 14. Jahrhundert wohnte hier der Domherr Konrad von Megenberg, Verfasser einer frühen Naturkunde. Den später barockisierten Bau bewohnte im 19. Jahrhundert der Sekretär von Bischof Johann Michael Sailer, Melchior Diepenbrock, aus diesem Grund als Regensburger Domdechant und Generalvikar. Der spätere Kardinal und Bischof von Breslau war Teil des Freundeskreises um den Dichter Clemens Brentano.

Der verlorene Sinn der Rituale

Zu bedenken bleibt, dass mit der religiösen Ausstattung des Alltags sich nicht automatisch der Glaube einstellt. Ausdruckshandlungen des katholischen Glaubens wie Kreuzzeichen, Weihwasser, Prozessionen, Sakramentalien sind komplexe Zeichensysteme. Was als „Volksfrömmigkeit“ bezeichnet wird, ist zudem die von Reformation und Aufklärung abgelehnte bisherige Frömmigkeit der Kirche, der sie jeweils eine neue entgegengesetzt haben.

Bis heute werden kirchliche Glaubensvollzüge aus diesem Grund als magisch-abergläubisch und als Ausdruck eines vorwissenschaftlichen Weltbildes abqualifiziert. Darum sollte die Auseinandersetzung über die Objekte hinaus zum Glaubensinhalt führen. Somit hat das „Institut für religiöse Alltagskultur“ auch die anspruchsvolle Aufgabe der Kritik gängiger Vorurteile und ihrer Ursprünge.


Das Institut hat keine regulären Öffnungszeiten. Es werden Kurse und Führungen abgehalten. Kontakt für Terminanfragen: Christa Haubelt-Schlosser M.A. 
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Volkskunde 
Kunstsammlungen des Bistums Regensburg 
Domplatz 6, 93047 Regensburg
christa.haubelt-schlosser@bistum-regensburg.de

Der Autor ist katholischer Religionslehrer.

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