Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Bischofskonferenz

Der Synodale Weg ist nicht zu Ende

Vorsitzender der Bischofskonferenz gibt in Abschlusspressekonferenz einen Überblick über die Vollversammlung. 
Georg Bätzing stelle in der Abschusspressekonferenz die Themen der deutschen Bischöfe vor.
Foto: IMAGO/Peter Back (www.imago-images.de) | Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, stelle in der Abschusspressekonferenz die Themen der deutschen Bischöfe vor.

Zum Ende der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Wiesbaden hat der Vorsitzende der Deutsche Bischofskonferenz, Georg Bätzing, einen Überblick über die Themen des Treffens gegeben. Zunächst verwies Bätzing auf den Synodalen Weg. Dieser sei nicht zu Ende. Es gab im Rahmen der Vollversammlung einen Studientag zum Synodalen Weg, der von P. Christian Rutishauser SJ moderiert worden sei. Reflektiert habe man dabei Inhalte und methodisches Vorgehen beim Synodalen Weg. 

Lesen Sie auch:

Es werde, so Bätzing, Arbeitsgruppen geben, um an bestimmten Themen weiterzuarbeiten. Die weltkirchlich relevanten Themen sollten immer wieder in die Weltsynode eingespielt werden, betonte der Vorsitzende. Ferner berichtete Bätzing über das erfolgloses Bemühen, den sogenannten Synodalen Ausschuss zu finanzieren. Bei der letzten Vollversammlung des Verbands der Diözesen Deutschland (VDD) war eine Finanzierung durch den VDD abgelehnt worden. Derzeit seien, so Bätzing, vier Bistümer auf dem Weg zur Gründung eines Rechtsträgers, der die Kosten des Synodalen Ausschusses abwickeln soll, und über den die 23 Bistümer, die dies im Ständigen Rat im Juni 2023 zugesagt haben, die Finanzmittel zur Arbeit des Synodalen Ausschusses bis 2026 abwickeln könnten.

Sexueller Missbrauch

Als weiteren Schwerpunkt nannte Georg Bätzing die Aufklärung von sexuellem Missbrauch. Die Praxis der Anerkennungsleistungen solle nicht geändert werden. Auch nach dem Urteil des Landgerichts Köln, in dem ein Missbrauchsbetroffener ein Schmerzensgeld von 300.000 Euro erhalten hat, gebe es keine Notwendigkeit zu einem Systemwechsel bei den Anerkennungsleistungen. Diese lägen in den Händen einer unabhängigen Kommission und sollten dort auch bleiben. Zivilrechtsklagen wie im Kölner Fall und das kircheneigene Verfahren der Anerkennungsleistungen, auch UKA-Verfahren genannt, schlössen sich nicht aus, sondern stünden nebeneinander und folgten jeweils eigenen Regeln. Zur Neustrukturierung der Arbeit werde, so Bätzing, ein „Sachverständigenrat zum Schutz vor sexuellem Missbrauch und Gewalterfahrungen“ mit den Aufgaben Monitoring, Qualitätssicherung und Weiterentwicklung in den Bereichen Prävention und Intervention berufen.

Lesen Sie auch:

Ferner wies der Vorsitzende darauf hin, dass der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck die Konferenz über die Vorwürfe gegen den Essener Gründerbischof Franz Hengsbach informiert habe. Dazu wiederholte Bätzing seine Aussage: „Alles muss auf den Tisch; auch wenn Denkmäler fallen.“ Vorgestellt wurden ferner ein Projekt für Hochgebete in leichter Sprache. Die finale Fassung der zwei geplanten Texte werde bis zur nächsten Frühjahrs-Vollversammlung vorgelegt werden. Zum assistierten Suizid erklärte Bätzing, die Situation ohne ein Gesetz sei ein unhaltbarer Zustand. Er verwies dazu auf das Bundesverfassungsgericht, das in einem Urteil eine gesetzliche Neuregelung gefordert hatte. Dazu müssen allerdings, so der Vorsitzende weiter, diskutiert werden, wie eine Balance zwischen Selbstbestimmung und Lebensschutz, die Bätzing beide als Verfassungswerte bezeichnete, abgewogen werden könne. Assistierter Suizid sei nach Ansicht der Kirche nicht der richtige Weg. Dazu forderte Bätzing stärkere Suizidprävention und mehr Palliativmedizin. Ferner müsse der Gesetzgeber Rücksicht auf solche nehmen, die mit Assistiertem Suizid nicht in Berührung kommen wollten. Personen, aber auch Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, die das nicht wollten, sollten das nicht ermöglichen müssen. 

Umgang mit extremistischen Positionen 

Zum Umgang mit extremistischen Positionen sagte Bätzing: „Als Bischofskonferenzen lehnen wir extremistische Äußerungen grundsätzlich ab, weil sie sowohl christlichen Überzeugungen widersprechen als auch schlichtweg inakzeptabel und intolerabel sind.“ Die Kirche dürfe extremistische Äußerungen, zum Beispiel menschenverachtende und demokratiefeindliche Positionen, niemals tolerieren und müsse bei Verstößen innerhalb der Kirche konsequent handeln. Die AfD werde mit großer Sorge wahrgenommen. Man habe den Eindruck, dass extremistische Positionen immer unverhohlener öffentlich geäußert werden. Diese Positionen seien quer durch die Gesellschaft zu beobachten, unabhängig von Parteipräferenz oder Parteizugehörigkeit. Der AfD werde, so Bätzing, vonseiten des Verfassungsschutzes eine Radikalisierung attestiert. Die Pressemeldung der Deutsche Bischofskonferenz verweist dazu auf die „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Darin wird eine gesamtgesellschaftliche Zunahme extremer Positionen festgestellt. Zum Beispiel befürworten der Studie zu Folge 6,6 Prozent der Befragten eine Diktatur in Deutschland.

Internationale Konflikte

Ferner berichtete Bätzing über verschiedene internationale Konfliktherde, mit denen sich die Bischöfe beschäftigt hätten. Darunter war ein Bericht des Leiters von Adveniat über Nicaragua. Ein Bericht über die Folgen des Blitzkrieges, in dessen Rahmen Berg-Karabach von Aserbaidschan eigenommen worden sei. Man sorge sich, was mit den Christen in Berg-Karabach geschehen werde. Es gebe bereits Fluchtbewegungen, und Armenien benötige Hilfe. Über die Situation in der Ukraine hatte Bischof Bohdan Dzyurakh, der der Konferenz angehört, berichtet. Bätzing sprach sich in dem Zusammenhang für Waffenlieferungen an die Ukraine als Ultima ratio aus. 

Auf eine Frage nach dem Marsch für das Leben sagte Bätzing, man müsse wissen, dass dort keine einheitliche Klientel mitgehe, es gebe durchaus eine Klientel dort, die die Teilnahme von Bischöfen für ihre eigenen Propaganda nutzten. Bätzing selber sende Grußworte und können damit differenziert unterstreichen, was er unterstütze und was nicht. Der Pressesprecher der DBK, Matthias Kopp, wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass der Marsch für das Leben nicht Thema der aktuellen Vollversammlung gewesen sei. DT/pwi

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Adveniat Alternative für Deutschland Bischofskonferenz Deutsche Bischofskonferenz Franz-Josef Overbeck Friedrich-Ebert-Stiftung Georg Bätzing Marsch für das Leben Synodaler Weg

Weitere Artikel

Das Leben von Mutter Teresa ist ein Zeugnis für den christlichen Lebensschutz. Immer wieder prangerte sie das Übel der Abtreibung an. Doch verhallten ihre Mahnungen oft ungehört.
27.12.2025, 17 Uhr
Manfred Spieker
Das deutsch-vatikanische Ringen um das Statut eines synodalen Gremiums für die Kirche Deutschlands geht in die nächste Runde.
20.11.2025, 17 Uhr
Guido Horst

Kirche

Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
09.01.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Bei der letzten Sitzung der Synodalversammlung in Stuttgart geht es um Bilanz, Reformperspektiven und den Übergang zur Synodalkonferenz. Ob Rom dem Gremium zustimmen wird, ist weiterhin offen.
09.01.2026, 14 Uhr
Meldung
Die Kardinalsversammlung in Rom ist ohne Ergebnisse oder neue Ideen zu Ende gegangen. Dem Papst ging es darum, das Band der Einheit zu stärken. Aber viele fehlten.
09.01.2026, 10 Uhr
Guido Horst
Mirko Cavar, früher Freikirchler, heute Katholik, lobt die Ökumene bei der MEHR-Konferenz. Er meint, die einzelnen Konfessionen könnten viel voneinander lernen.
08.01.2026, 13 Uhr
Elisabeth Hüffer
Der US-Bischof kritisiert den deutschen Sonderweg und plädiert für eine Synodalität, welche auf pastorale Praxis statt dauerhafte Grundsatzdiskussionen setzt.
09.01.2026, 10 Uhr
Meldung