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„Was wäre, wenn Gott jetzt vor dir steht?“

Gebetszeiten, Lobpreis, Vorträge: Auf dem Pfingstfestival der Gemeinschaft Loretto in Eichstätt wollen die Teilnehmer den Heiligen Geist neu erfahren.
Pfingstfestival der Gemeinschaft Loretto in Eichstätt
Foto: IMAGO/GODONG / BSIP (www.imago-images.de) | Was wäre, wenn Gott jetzt vor dir steht? Die Antwort, die in den zahlreichen Vorträgen und geistlichen Angebote zu geben versucht wurde, lautet wohl: Ihn lieben und ihm nachfolgen. 

Zum 25. Mal fand von Freitag bis Sonntag das Pfingstfestival der Gemeinschaft Loretto in Salzburg statt. Seit 2020 werden neben Salzburg Festivals an weiteren Standorten im deutschsprachigen Raum veranstaltet, in diesem Jahr an insgesamt 30. 

Einer davon war Eichstätt-Rebdorf. Bereits am Freitagabend füllte sich das Gelände des ehemaligen Klosters Rebdorf mit zahlreichen Jugendlichen. Das Festival dauerte bis Sonntagnachmittag an, es schloss mit einem gesungenen Hochamt, das der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zelebrierte.

Abend der Barmherzigkeit

Ausgedehnte Gebetszeiten, eine Lobpreisband, verschiedenen Vorträgen: das alles gab es auf dem Festival in Eichstätt. Die Vorträge wurden zum Teil aus Salzburg live übertragen, zum Teil vor Ort gehalten. Weitere Highlights waren der Abend der Barmherzigkeit, zwei heilige Messen sowie eine Gebetszeit am Sonntag, wo explizit um den Heiligen Geist gebetet wurde. Ein Abend der Barmherzigkeit ist eine gestaltete Anbetung mit gleichzeitiger Beichtgelegenheit, wofür bei einer Großveranstaltung wie dieser zahlreiche Priester eigens anreisten. Am Samstagnachmittag wurden zudem verschiedene Workshops angeboten. Parallel zum Hauptprogramm fand der FirmungsTrack statt, ein eigenes Programm für Firmlinge. 

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Den Teilnehmern wurde für das Wochenende eine Frage mitgegeben: „Was wäre, wenn Gott jetzt vor dir steht?“ Viele der Teilnehmer hofften, auf dem Festival den Heiligen Geist neu zu erfahren. Im Nachhinein hörte man von einigen, die bei diesem Anlass den Glauben neu entdeckt hatten. Einer der Helfer, Eugen Gerasimenko, brachte seine Motivation, zu dieser Veranstaltung beizutra-gen, folgendermaßen zum Ausdruck: „Ich glaube, dass dieses Format Zukunft hat, weil es die Jugend anspricht, weil es aufrichtig darum ringt, den Heiligen Geist herabzurufen. Der Jugend soll ein Erfahrungsraum dafür geboten werden: Die Kirche ist jung, ich bin nicht allein im Glauben.“ 

Gerasimenko verwies darauf, dass es in der Kirche ein breites Spiritualitätsspektrum gebe. „Ich möchte die Jesusbegegnung, die ich hatte, weitergeben; und ich liebe es, unter Christen zu sein.“ Er lobte es, dass sich in Eichstätt die Möglichkeit für ein Pfingstfestival vor Ort ergeben habe. „Wir können nicht immer nur nach Salzburg pilgern. Ich darf bei etwas großem Mitmachen; ich finde es großartig, wie viele Jugendlich sich hier engagieren. Nicht nur Besucher, sondern auch Helfer erfahren hier: Wir tun etwas für Gott. Wofür das Ganze? Jedes Festival macht Aufwand, aber wir tun es, um Menschen in Gemeinschaft mit Gott zu bringen.“ 

Der heilige Geist in der Liturgie

In den Workshops am Samstagnachmittag ging es dann um den Heiligen Geist in der Liturgie, Lobpreis oder die Rolle von dunklen Zeiten im Glaubensleben. „In jedem Sakrament wirkt der Heilige Geist“, sagte Jugendpfarrer Korbinian Müller, der einen Workshop zur Liturgie leitete. 

Die Mitorganisatorin Kristin Hubert, verantwortlich für einen Workshop zur Identität in Gott, sagte: „Jesus ist mit meinen Fehlern realistisch, aber er macht sie nicht zu meiner Identität.“ Denn: „Wenn Jesus sagt, ‚Ich habe dich geschaffen‘, dann weiß ich, Jesus erschafft keinen Schmarrn.“

Einer der Vorträge am Samstag wurde vom Mitorganisator des Festivals, Tim Gänsler, gehalten. Dieser sprach von der persönlichen Beziehung, die Gott zum Menschen will. Die Haltung zu Jesus sei lebensentscheidend: Nicht nur die intellektuelle Haltung, sondern die Haltung des Herzens. Im Garten Eden sei Gott mit Adam und Eva spazieren gegangen, was Raum für intime Momente geboten habe. 

Aber: Gott wollte uns nicht dazu zwingen, mit ihm spazieren zu gehen, sondern respektiere unsere Freiheit. „Gott hat sich gesehnt nach einem Menschen, der wirklich bei ihm ist, aber er musste auch die Konsequenzen tragen. Er musste gerecht sein“, so Gänsler. Normalerweise sehen wir beim Sündenfall auf die Konsequenzen für den Menschen. Doch Gänsler beleuchtete hier die Perspektive Gottes, der den Menschen verloren hat, den er als sein Gegenüber gedacht hatte. Die Bibel gibt demnach Zeugnis von Gottes Werbung um den sich sträubenden Menschen, den Versuch, den unwilligen Spaziergänger zurückzugewinnen. 

Die Jokerkarte, die Gott hat

Inmitten der Unwilligkeit des Menschen habe Gott aber im Volk Israel einen Hoffnungskeim gesät: „Es gibt schon diese Jokerkarte, die Gott hat: Und das ist die Messiaserwartung.“ Im Hinblick auf die Inkarnation sagte Gänsler: „Gott kommt auf diese Erde und kann nach all der Zeit des Wartens wieder mit uns spazieren gehen.“ 

Ebenfalls am Samstagnachmittag wurde aus Salzburg ein Vortrag der christlichen Influencerin Jana Highholder übertragen. Sie sprach über die Begegnung Jesu mit Petrus am See Genezareth nach der Auferstehung: „Stell dir vor, du sitzt vor jemandem, vor dem du kläglich versagt hast, und alles, was der wissen will ist, was in deinem Herz ist.“ Auf die Wiederherstellung, die Jesus Petrus geboten habe, sei der Ruf in die Nachfolge gefolgt. „Jesus schaut dich an und sagt: Du, folge mir nach. Gott ruft nicht die Menge, sondern dich und mich. Du kannst deinen Namen einsetzen. Und der Ruf erfordert eine Antwort.“

Highholder betonte weiter: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen.“ (Joh 21, 25)

Die Predigt in der heiligen Messe am Samstag, gehalten von Kaplan Armin Drexler, stellte die Frage, ob diese Einschätzung des Evangelisten nicht übertrieben sei. Würde man jeden Tag im Leben Jesu auf zwei Seiten zusammenfassen, käme man nur auf 60 Bücher, die leicht in einem Regal untergebracht werden könnten. 

"Jesus will keine Follower, Jesus will Freunde"

Laut Drexler sei der mathematische Zugang allerdings unangemessen. Der heilige Geist, der an Pfingsten auf die junge Gemeinde herabkam, habe die Kirche nie mehr verlassen, und Jesus wirke in den Sakramenten bis heute. Daher folgerte Drexler, dass die Bücher bis heute fortgeschrieben werden müssten, womit die Zahl 60 weit überschritten würde: „Du kannst die Geschichte Jesu weiterführen, wir alle können das. Und zwar: Nach innen und nach außen.“ 

Den Abschluss der Festivals bildete das Hochamt zum Pfingstsonntag. Bischof Hanke stand der Messe vor, verwendete allerdings keine Pontifikalien. Außerdem gab es drei Konzelebranten. Die Predigt handelte von der Lebenskraft des Heiligen Geistes, die wir, so formulierte es Hanke, so dringend brauchten wie ein Auto den Sprit zum Fahren: „Kraftvoll und still wie der Strom in der Leitung, aber wenn du hinlangst, bekommst du einen Schlag.“

Die Verbundenheit im heiligen Geist sei das Wesen der Kirche, denn Jesus wolle eine lebendige Beziehung zu uns, keine Ansammlung von bloßen Fans. „Follower sind Konsumenten, die einen Kanal gebucht haben. Jesus will keine Follower, Jesus will Freunde. Freunde, die in Beziehung mit ihm leben.“

Was wäre, wenn Gott jetzt vor dir steht? Die Antwort, die in den zahlreichen Vorträgen und geistlichen Angebote zu geben versucht wurde, lautet wohl: Ihn lieben und ihm nachfolgen. 

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