Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Predigt bei Chartres-Wallfahrt

Kardinal Müller: „Selbstzerstörung ist für Christen keine Option“

Der deutsche Kardinal Gerhard Müller zelebrierte das Pontifikalamt zum Abschluss der traditionellen Chartres-Wallfahrt am Pfingstmontag. Unter den Pilgern befanden sich rechtskonservative Prominente wie Marion Maréchal und Candace Owens.
Kardinal Müller zelebriert Abschlussmesse bei Chartres-Wallfahrt
Foto: IMAGO/Grzegorz Galazka (www.imago-images.de) | Mit Gottes Hilfe könne der Mensch mutig vorangehen und hoffnungsvoll aufwärts schauen trotz aller äußeren Anfechtungen und der Versuchung zur Resignation, so Kardinal Müller in seiner Predigt.

Am Pfingstmontag hat der deutsche Kardinal Gerhard Müller das Pontifikalamt zum Abschluss der traditionellen Chartres-Wallfahrt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zelebriert. Über 18.000 Teilnehmer verzeichnete die dreitägige Fußwallfahrt von Paris nach Chartres laut den Veranstaltern dieses Jahr – zwölf Prozent mehr als letztes Jahr und ein zahlenmäßiger Rekord seit ihrer Gründung 1983. 1.500 ausländische Pilger vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch den USA und zahlreichen weiteren Ländern waren unter den jungen Menschen, die am Montag in der Kathedrale von Chartres ankamen.

Christen meistverfolgte Religionsgemeinschaft

Bei seiner Predigt bezog sich Kardinal Müller auf das diesjährige Wallfahrtsmotto „Ich möchte Gott sehen“ und verglich das menschliche Leben und die Geschichte der Kirche mit einer Pilgerfahrt: „Um Gott zu sehen, müssen wir in der Nachfolge Christi den Weg unseres Lebens gehen bis zum Ziel in der ewigen Heimat.“ Licht auf diesem Weg sei der Logos, Jesus Christus, der „uns sicher hin zum Sinn und Ziel unseres Lebens [führt], wenn wir Gott schauen von Angesicht zu Angesicht“. „Die Kirche ‚schreitet zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg dahin‘ und verkündet das Kreuz und den Tod des Herrn, bis er wiederkommt“, zitierte Kardinal Müller aus dem Konzilsdokument Lumen Gentium, um anschließend über die „Verfolgungen der Welt“ und die „Tröstungen Gottes“ zu sprechen. 

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Wie Christus habe die Kirche während ihres irdischen Weges von Anfang an unter Verfolgungen zu leiden gehabt. „Und bis zum heutigen Tag sind die Christen die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft in der Geschichte der Menschheit. Die Dechristianisierung Europas ist das aktuelle Programm derer, die ihm seine Seele rauben und zum Opfer ihres posthumanistischen Atheismus machen wollen“, so der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation. 

Die Helden des Christentums sind Kämpfer für die Wahrheit

Die Helden des Christentums seien aber nicht Imperatoren und Feldherren, sondern die „Kämpfer für die Wahrheit und den Glauben“, die nicht gegen andere Menschen kämpften, „sondern gegen das Böse im eigenen Herzen und in der Welt. Sie setzten sich ein für den Frieden auf Erden und für soziale Gerechtigkeit“. Ein Vorbild dafür sei der deutsche Priester Franz Stock, der in Chartres begraben ist und während des Zweiten Weltkriegs hunderte deutsche Seminaristen in Kriegsgefangenschaft im berühmten „Stacheldrahtseminar von Chartres“ versammelte.

Mit Gottes Hilfe könne der Mensch mutig vorangehen und hoffungsvoll aufwärts schauen trotz aller äußeren Anfechtungen und der Versuchung zur Resignation. „Wer in der Überzeugung lebt, dass Gott ihn von Ewigkeit her erwählt, in Christus erlöst und zum ewigen Glück und Frieden bestimmt hat, der ist immun gegen die Propaganda und das Opium der politischen Ersatzreligionen. Selbstzerstörung im Suizid, in Drogen und Alkohol oder das Nein zu unserer männlichen oder weiblichen Geschlechtlichkeit sind keine Optionen für Christen“, so der Kardinal. „Und wir treten furchtlos ein für das Lebensrecht jedes einzelnen Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, für seine unantastbare Würde, für die bürgerliche, ethische und religiöse Freiheit jedes einzelnen Menschen.“

Marion Maréchal und Candace Owens unter den Pilgern

„Die Kirche Christi ist oft nur eine kleine Herde, eine verfolgte und verkannte Minderheit. In Wirklichkeit aber ist sie in Christus das Salz der Erde, das Licht der Welt, die Avantgarde der ganzen Menschheit auf dem Weg zu ihrem Ziel“, führte Kardinal Müller zur Sendung der Kirche in der Welt aus. Dieses Ziel sei „nicht zu verwechseln mit all den entsetzlich gescheiterten Experimenten eines menschengemachten Paradieses auf Erden“, sondern sei „der neue Himmel und die neue Erde“, das himmlische Jerusalem.

Unter den Teilnehmern der diesjährigen Chartres-Wallfahrt fand sich auch die Politikerin Marion Maréchal, Listenführerin der rechten Partei „Reconquête“ bei den Europawahlen. Die rechtskonservative amerikanische Aktivistin Candace Owens, die letztes Jahr zum katholischen Glauben konvertierte, postete auf der Plattform „X“ ein Video von der Chartres-Wallfahrt mit dem Kommentar: „20.000 Menschen aus der ganzen Welt pilgern gemeinsam. Wir sind zurück.“  DT/fha

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