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Unterschiedliche Reaktionen auf „Fiducia supplicans“ in Spanien

Bischof Munilla von Orihuela-Alicante fordert die Rücknahme der Vatikan-Erklärung, während der Erzbischof von Toledo Priester zurückweist, die „Fiducia supplicans“ kritisieren.
Auch in Spanien geht die Debatte um "Fiducia supplicans" weiter
Foto: IMAGO/xgodongphotox (www.imago-images.de) | Auch in Spanien geht die Debatte um "Fiducia supplicans" weiter. In der Kapelle eines privaten Anwesens in El Escorial nahe Madrid fand eine „religiöse Feier“ nach der zivilen Eheschließung zwischen zwei Männern statt.

In Spanien haben Kirchenvertreter sehr unterschiedlich auf die Erklärung des vatikanischen Dikasteriums für die Glaubenslehre zur Segnung von Paaren in „irregulären Situationen“, „Fiducia supplicans“, reagiert. Der medial sehr präsente Bischof José Ignacio Munilla von Orihuela-Alicante forderte auf dem Kurzmitteilungsdienst „X“ die Rücknahme des Dokuments. 

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Auf „X“ schrieb Munilla wörtlich: „Angesichts von so viel Chaos gibt es genug Anzeichen, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Lösung in der Korrektur, das heißt der Rücknahme von ‚Fiducia Supplicans‘ liegt. Das ‚Responsum‘ aus dem Jahr 2021, in dem die positiven Aspekte der Vatikan-Erklärung bereits enthalten waren, ist ausreichend.“

Die "öffentliche Dialektik der Konfrontation" vermeiden

Gleichzeitig haben Erzbischof Francisco Cerro von Toledo und sein Weihbischof Francisco César García Magán ein Schreiben an die Priester der Erzdiözese gerichtet, nachdem bei einigen Geistlichen Widerstand gegen „Fiducia Supplicans“ aufgetreten war. Sie bieten darin Leitlinien an, „die uns helfen sollen, das Dokument in dieser Hermeneutik der ‚Reform in Kontinuität‘ zu lesen und unsere kirchliche Gemeinschaft mit Jesus Christus aufrechtzuerhalten, die durch die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri besteht“. 

Das Schreiben greift einige Orientierungen des Dikasteriums auf. Erzbischof und Weihbischof bitten die Priester der Erzdiözese, „sich zu bemühen, dieses maßgebliche Wort der Kirche anzunehmen“, obwohl „dies wahrscheinlich noch einige Zeit, mehr Konsultationen und vor allem jenen Geist der besonnenen Fügsamkeit erfordern wird, der in der Logik des ‚Glaubensgehorsams‘ (Röm 1,5) liegt“. Sie bitten die Geistlichen, „die öffentliche Dialektik der Konfrontation zu vermeiden“. Alle Priester sollen sich bemühen, „den Inhalt des Dokuments zu verstehen, mit der notwendigen ganzheitlichen Annahme der Lehre der Kirche“.

Inzwischen fand in der Kapelle eines privaten Anwesens in El Escorial nahe Madrid eine „religiöse Feier“ nach der zivilen Eheschließung zwischen zwei Männern statt. Pater Juan Manuel Góngora, ein Priester der Diözese Almería, verbreitete im Internet Bilder davon. Darin waren zwei Männer in Hochzeitskleidung zu sehen, die Hand in Hand die Kapelle verließen.

Zivile Eheschließung darf nicht in kirchlichen Räumen stattfinden

Die Erzdiözese Madrid, zu der El Escorial gehört, stellte fest, dass eine zivile Eheschließung nicht in kirchlichen Räumen stattfinden darf und dass die Geschehnisse kirchenrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen werden. Obwohl ein von dem Paar eingeladener Priester anwesend war, nahm er offenbar nicht an der Zeremonie teil.

In der Presseerklärung der Erzdiözese Madrid heißt es: „Das Erzbistum Madrid wurde weder darüber informiert noch konsultiert. Die Feier wird kanonische Auswirkungen haben. Unter keinen Umständen ist es erlaubt, eine zivile Trauung in religiösen Räumlichkeiten abzuhalten. Familienkapellen dürfen nur zu dem von der Kirche genehmigten Zweck genutzt werden. Sie dürfen nicht für öffentliche religiöse Feiern genutzt werden, es sei denn, es liegt eine ausdrückliche Genehmigung des Bistums vor, und sie dürfen auch nicht für kommerzielle Zwecke oder für zivile Feiern jeglicher Art genutzt werden.“  DT/jg

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