In Münster läuten die Glocken für den designierten neuen Bischof: Mit Heiner Wilmer hat sich das Domkapitel für einen überzeugten und zugleich unaufgeregten Vertreter der synodalen Mehrheit entschieden.
Der Ruf an die Spitze des mitgliederstärksten deutschen Bistums ist zweifellos auch ein Vertrauensbeweis des Papstes. Der stets verbindliche Mann aus dem Norden hat bei aller Konformität mit den synodalen Mehrheitsvoten in Rom offensichtlich den richtigen Ton getroffen und auch eine eigene Duftmarke in der innerkirchlichen Debatte gesetzt, als er nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der deutschen Bischöfe zur Demut ermutigte.
Umfassende Rechte für Laien machen aus einer Ortskirche noch kein Erfolgsmodell
Gerade in Münster verweisen Priester und Laien auf die überdurchschnittlich großen Entscheidungsspielräume für Laien. Doch hat die Bischofswahl in Münster bestätigt, dass umfassende Rechte für Laien aus einer Ortskirche noch kein Erfolgsmodell machen. Wie zuvor in den Nachbarbistümern Paderborn und Osnabrück haben die Laien auch vor der im preußischen Konkordat vorgesehenen Bischofswahl ein Wort mitgeredet und dem Domkapitel ihre Einschätzung mitgeteilt.
Dennoch will niemand von einem reibungslosen Ablauf in Münster sprechen: Nach dem Rücktritt von Bischof Genn verstrich ein konfliktreiches Jahr, bis die Nachfolge feststand. Zudem stellte die Unabhängige Aufarbeitungskommission im Bistum Münster im Februar gravierende Mängel in der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen fest. Synodalität ist auch in Münster kein Selbstläufer: Bischof Wilmer wird außer einem starken Glauben auch ein gutes Nervenkostüm brauchen.
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