Wien

Schönborn feuert Polizeiseelsorger wegen Kritik an Corona-Maßnahmen

Der Polizeiseelsorger sprach auf Corona-Demos und schickte einen Offenen Brief an den Innenminister. Nun zog die Erzdiözese Wien Konsequenzen.
Coronavirus - Proteste in Österreich
Foto: Georg Hochmuth (APA) | Menschen gegen über die Ringstraße in Wien, um gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zu protestieren.

DieErzdiözese Wien hat Diakon Uwe Eglau als ehrenamtlichen Poizeiseelsorger abberufen. Das hat der Pressesprecher der Erzdiözese, Michael Prüller, am Sonntag gegenüber der kircheneigenen Nachrichtenagentur „kathpress“ bestätigt. 

600 Polizisten gegen Impfpflicht und 3G am Arbeitsplatz

Zu der Abberufung kam es, weil Eglau in seiner Eigenschaft als Polizeiseelsorger am 10. Januar einen „Offenen Brief“ an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) schickte. Darin sprechen sich 600 Polizisten gegen die Impfpflicht, gegen 3G am Arbeitsplatz und eine „Diskriminierung ungeimpfter Kolleginnen und Kollegen“ aus. Als Sprecher wählten sie den Polizeiseelsorger Uwe Eglau. 

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Darüber hinaus beteiligte sich Eglau, der als hauptberuflicher Psychotherapeut eine private Praxis hat, an einer Corona-Demonstration am 15. Januar. Dort hielt er auch eine Rede, in der er sich mit dem von den Nazis hingerichteten Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstetter verglich. „Ich erkenne mein geliebtes Vaterland nicht mehr“, zitiert ihn die Tageszeitung „Der Standard“. „Die Spaltung geht bis in die Familien, auch in meine.“ 

Das ging für Kardinal Schönborn zu weit: Er setzte Eglau als Polizeiseelsorger ab. In seinem Schreiben vom 19.Januar begründete der Erzbischof von Wien seine Entscheidung damit, dass Eglaus „Privatmeinung als offizielle Position der katholischen Kirche missverstanden werden kann“. Dies könne in weiterer Folge zu Schaden zwischen dem von Vertrauen geprägten Verhältnis von Kirche und Staat im Bereich der Polizeiseelsorge führen. 

Dienst als Polizeiseelsorger verlangt Zurückhaltung und Neutralität

Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, erklärte gegenüber kathpress: „Als Privatmensch ist Diakon Eglau frei zu sagen, was er will. Aber der Dienst als Polizeiseelsorger verlangt Zurückhaltung und eine gewisse Neutralität, damit sich jede Polizistin und jeder Polizist vertrauensvoll an ihn wenden kann." Der Polizeiseelsorger solle sich bei tagespolitischen Themen, besonders jenen, die stark aufgeladen sind, zurückhalten. Prüller erläutert weiter, dass sich die Aufgaben eines Seelsorgers nicht mit politischem Aktivismus vertragen. „Es war daher auch wichtig klarzustellen, dass Eglaus politische Auftritte nicht im Namen oder Auftrag der katholischen Kirche erfolgen", betont der Diözesansprecher. 

Prüller betont, dass es vor der Abberufung Eglaus „immer wieder Aussprachen über sein Rollenverständnis als Polizeiseelsorger gegeben“ habe. Der Diakon sei durch diesen Schritt nicht „materiell geschädigt“, da er das Amt ehrenamtlich ausübte. Eglau bleibt Diakon in seiner Pfarrei, hielt Prüller fest.  DT/esu

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