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Schafft die Konzelebration ab!

Die Gemeinde ist keine Verfügungsmasse kreativer Liturgiekünstler, sondern hat ein Recht auf eine Liturgie, die den Regeln und Formen der Kirche folgt.
Der Verzicht auf die Konzelebration wäre ein erster Schritt, um die Lehre von der Eucharistie wieder zu vermitteln.
Foto: IMAGO / IP3press | Der Verzicht auf die Konzelebration wäre ein erster Schritt, um die Lehre von der Eucharistie wieder zu vermitteln.

Die Bischöfe von Basel, Chur und St. Gallen haben ein couragiertes Zeichen gegen Willkür in der Seelsorge gesetzt, als sie die Hauptamtlichen an die Verbindlichkeit liturgischer Spielregeln erinnert haben. Denn die Erfahrung zeigt, dass aus Regelverstößen der nicht diskutierbare Normalfall werden kann, wenn niemand einschreitet.

Ein blinder Fleck in der synodalen Debatte

Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland liegt hier ein blinder Fleck in der synodalen Debatte: Maßstab für die katholische Liturgie ist nicht, was ein mehr oder weniger gebildeter Hauptamtlicher meint, von Jesus verstanden zu haben, sondern die Überlieferung. Und: Die Gemeinde ist keine Verfügungsmasse kreativer Liturgiekünstler, sondern hat ein Recht auf eine Liturgie, die den Regeln und Formen der Kirche folgt. 

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Dass die oberste Protestantin der Schweiz, Rita Famos, einwendet, nirgendwo werde patriarchaler Klerikalismus sichtbarer als in der römisch-katholischen Liturgie, mag überzogen klingen. Doch trägt die Kirche durch die Praxis der Konzelebration nicht selbst zu Fehleinschätzungen bei? In der Regel werden Eucharistiefeiern, die öffentliche Beachtung finden und in den Medien übertragen werden, heute nicht von einem Geistlichen zelebriert, der die Person Christi am Altar verkörpert, sondern in Konzelebration. Die Kirche baut damit für liturgisch unbewanderte Zeitgenossen eine nahezu unüberwindliche Verständnishürde auf.

Die Botschaft der Bilder von einer Priesterschar im Altarraum an alle, die sich nicht eingehend mit den theologischen Überlegungen des Zweiten Vatikanums befasst haben – und das dürfte auch unter den Katholiken die Regel sein - lautet: Es braucht eine Menge Christusse für eine katholische Messe. Der Verzicht auf die Konzelebration wäre ein erster Schritt, um die Lehre von der Eucharistie wieder zu vermitteln.

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