Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Pseudo-Zelebration gegen das Kirchenrecht

In Chur hat eine Frau das eucharistische Hochgebet allein gesprochen und den Gottesdienst konzelebriert. Das Bistum sollte sich nicht auf rein juristische Maßnahmen beschränken.
Bistum Chur - Kathedrale Unser Lieben Frau und St. Martin, Landschaft
| Im Schweizer Bistum Chur hat eine 65-jährige hauptamtliche Mitarbeiterin das eucharistische Hochgebet allein gesprochen und sowohl den Gottesdienst als auch die restliche Wandlung mit zwei Priestern, einem Diakon und ...

Neuerungen in der Liturgie wurden seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nördlich der Alpen nicht selten nach der Maxime „Nicht fragen, Fakten schaffen“ eingeführt. Bei der Einführung der Handkommunion beispielsweise galt vielerorts tolerierter Ungehorsam als Reformprinzip.

Die Eigendynamik, die aus dieser Haltung entstanden ist, lässt sich auf Dauer kaum eindämmen. Doch im Schweizer Bistum Chur geht es nun an den Kern der Eucharistiefeier: Eine 65-jährige hauptamtliche Mitarbeiterin hatte bei der Messe zu ihrer Verabschiedung das eucharistische Hochgebet allein gesprochen und sowohl den Gottesdienst als auch die restliche Wandlung mit zwei Priestern, einem Diakon und einer weiteren Frau „konzelebriert“.

Aus kirchenrechtlicher Sicht strafbar

Damit haben sie und die Konzelebranten gegen das Kirchenrecht verstoßen, denn das Sprechen des Eucharistischen Hochgebets ist allein dem Priester vorbehalten. Der Versuch, ohne Priesterweihe das eucharistische Opfer zu feiern, ist aus kirchenrechtlicher Sicht strafbar. Dass der Churer Bischof Bonnemain nun nicht umhinkommt, disziplinarische Maßnahmen zu ergreifen, mag auch daran liegen, dass sich der Fall nicht unter den Teppich kehren ließ. Eine Videoaufzeichnung der Pseudo-Zelebration hat den Vorfall dokumentiert.

Lesen Sie auch:

Bleibt zu hoffen, dass sich das Bistum nicht auf rein juristische Maßnahmen beschränkt. Denn weder die Protagonisten noch Teile der Zuschauer dürften allzuviel Unrechtsbewusstsein haben. Die landläufige Theologenausbildung und das Klima in vielen Pfarreien stärken die unterschiedlichen Charismen in der Kirche nicht unbedingt.

Nicht zuletzt der jahrzehntelange Katecheseausfall fordert auch bei hauptamtlichen Mitarbeitern der Kirche seinen Tribut. Denn die Ursachenforschung sollte den Geist, in dem die 65-Jährige ausgebildet worden ist, nicht aussparen. Ob sich die Schweizer Hirten dazu durchringen?

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Regina Einig Bistum Chur Diözese Kirchenrecht

Weitere Artikel

Der Mainzer Bischof Kohlgraf hat mit seinen Einlassungen zur Laienpredigt Reichweite erzielt. Anderes wäre wichtiger.
29.08.2026, 17 Uhr
Regina Einig
Synodalität und Laienapostolat: Bischof Ricardo García García von der Prälatur Yauyos in Peru warnt vor ermüdenden Sitzungen und ermutigt Laien zum Engagement jenseits des Kirchenraums.
31.07.2026, 19 Uhr
Regina Einig
Thommy Schott ist mehr als ein Anwalt. Der fünffache Familienvater setzt sich mit seinem Verein Pro Fide Ecclesiae auch für seinen Glauben ein.
24.07.2026, 09 Uhr
Regina Einig

Kirche

Joseph Zen trat als entschiedener Unterstützer der von China niedergeschlagenen Demokratiebewegung in Hongkong auf. Gegen eine Verurteilung will er vor das Oberste Gericht ziehen.
04.09.2026, 16 Uhr
Meldung
Von einer, die vom Balkan auszog, um zunächst im indischen Kalkutta und schließlich weltweit den Ärmsten der Armen das Licht Gottes zu bringen.
04.09.2026, 09 Uhr
Stephan Baier
Unterstützung für Washington und goldene Brücken für Moskau: ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Mariano Barbato über die vatikanische Diplomatie in der Ukrainefrage. 
04.09.2026, 13 Uhr
Benjamin Leven
Beim Katholikentag ging die Nachricht unter. Nun ist klar: Im November wird es keine erste Sitzung der Synodalkonferenz geben, die Hotelzimmer sind storniert. Versandet das Vorhaben?
03.09.2026, 19 Uhr
Benjamin Leven
Wenn ein hoher Vertreter der US-Administration und der Chefdiplomat des Heiligen Stuhls zeitgleich nach Moskau reisen, darf man über die Hintergründe spekulieren.
03.09.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker