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Rund 200 Christen in Nigeria getötet

In 26 Gemeinden wurden Christen über Weihnachten Opfer von Terroranschlägen. Politiker fordern Schutz für Christen.
Opfer von Terroranschlägen protestieren in einem Lager für Binnenvertriebene.
Foto: Sunday Alamba (AP)

Nicht einmal an Weihnachten bleiben Nigerias Christen vor tödlichen Angriffen verschont. Bei einer Serie von Terroranschlägen in 26 christlichen Gemeinden im Bundesstaat Plateau wurden rund 200 Christen getötet. Einzelheiten wurden erst jetzt bekannt. Die Angriffe begannen in der Nacht des 23. Dezember und dauerten bis zum ersten Weihnachtstag an. Angesichts der jüngsten Massaker haben Katholiken und nigerianische Politiker die Regierung aufgefordert, die gezielte Ermordung von Christen sowie die Zerstörung ihrer Dörfer und Kirchen zu verhindern.

Hoffnung auf die Regierung Nigerias schwindet

Bischof Matthew Kukah von der Diözese Sokoto in Nordnigeria forderte den neu gewählten nigerianischen Präsidenten Bola Tinubu auf, sofort Maßnahmen zum Schutz des nigerianischen Volkes zu ergreifen. „Sie haben keine Ausreden vor Gott oder dem nigerianischen Volk“, so Kukah. Weder Gott noch die Geschichte werde ihm vergeben, sollte er dabei versagen. In seiner Ansprache, die vom „Nigeria Catholic Network“ veröffentlicht wurde, betonte der Bischof, dass die Nigerianer fast die Hoffnung verloren hätten, dass eine Regierung sich „wirklich und wahrhaftig“ um sie kümmern könne. Man zweifele daran, dass die Regierung die Interessen des Volkes an die erste Stelle setzen und einen Weg zur Bekämpfung von Korruption finden könne.

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Die Angriffe gehören laut Maria Lozano, einer Sprecherin des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“, zu den gewalttätigsten in der Geschichte der Region. Fotos, die der „Catholic News Agency“ (CNA) vorliegen, zeigten, wie die Todesopfer der Angriffe in Massengräbern verscharrt wurden. Gegenüber der CNA berichtete Lozano, dass die Angriffe unter anderem aus ethnischen und religiösen Streitereien zwischen christlichen Bauern und den nomadischen Fulani-Hirten verübt worden seien.

Im Bundesstaat Plateau kommt es seit Jahren immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen zwischen mehrheitlich muslimischen Fulani-Nomaden und christlichen Bauern. Verschärft wird der Konflikt durch zunehmende Ressourcenknappheit: Farm- und Weideland wird durch fortschreitende Wüstenbildung immer knapper. Zudem gibt es Hinweise, wonach Fulani-Gruppen in Kontakt mit der dschihadistischen Terrormiliz „Boko Haram“ stehen, die auf die Islamisierung Nigerias abzielt. Islamistische Gruppen haben in den letzten Jahren in Nigeria Zehntausende Menschen getötet und rund zwei Millionen vertrieben. Christen sind davon besonders stark betroffen. DT/chp

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